Samstag, 18. Januar 2020

Hedgefonds lassen Bieter AMS zittern Endspurt um Osram-Übernahme - es wird knapp

Osram: AMS bietet 41 Euro je Osram-Aktie, zahlreiche Hedgefonds steigen ein

Auf den letzten Metern ist der zweite Anlauf für die Übernahme von Osram Börsen-Chart zeigen durch den österreichischen Sensorspezialisten AMS zur Zitterpartie geworden. Bis zum Mittwochabend, 30 Stunden vor Ablauf der Angebotsfrist, waren AMS 15,3 Millionen Aktien angeboten worden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Das sind fast doppelt so viele wie zum entsprechenden Zeitpunkt des im Herbst gescheiterten ersten Übernahmeversuchs - wohl auch weil Osram jetzt klar hinter dem Angebot steht. Doch diesmal könnten Hedgefonds den Plan kippen.

Zusammen mit den Aktien, die AMS bereits besitzt, kam das Unternehmen 30 Stunden vor Ablauf der Frist auf 36,9 Prozent an Osram. Bis Mitternacht am Donnerstag wollen die Österreicher 55 Prozent einsammeln.

Das ist durchaus möglich, denn institutionelle Investoren entscheiden sich typischerweise erst kurz vor Fristende. Auch im Herbst schnellte die Zahl der angebotenen Aktien in den letzten 30 Stunden um rund 20 Millionen nach oben.

Liefe es diesmal wieder so, würde die Annahmeschwelle erreicht. Doch die Situation hat sich verändert, denn inzwischen haben Hedgefonds einen großen Anteil der ausstehenden Aktien aufgekauft.

Hedgefonds halten bis zu knapp 50 Prozent der Anteile

Aus Finanzkreisen war zuletzt von einem Anteil von 40 oder gar fast 50 Prozent zu hören. Die Hedgefonds spekulieren demnach darauf, ihre Anteile nach einer erfolgreichen Übernahme für mehr als die jetzt gebotenen 41 Euro je Anteil an AMS zu verkaufen. Dies wäre möglich, wenn die Österreicher ihren Anteil weiter aufstocken, um mehr Kontrolle über Osram zu erhalten. Für einen Beherrschungsvertrag müsste AMS dann noch einmal nachlegen.

Doch weil so viele Hedgefonds diesen Plan verfolgen, ergibt sich eine verzwickte Situation: Halten sie an ihren Aktien fest, könnte das Angebot scheitern und der Wert der Papiere kräftig sinken. Geben sie ihre Papiere ab, verdienen sie kaum daran.

Um sowohl Kleinanleger wie Hedgefonds zu überzeugen, haben sich AMS und Osram zuletzt kräftig ins Zeug gelegt. So machte sich AMS-Chef Alexander Everke Kreisen zufolge zu Gesprächen mit rund 50 Hedgefonds in New York und London auf. Osram-Chef Olaf Berlien ließ sich live zuschalten. Hinzu kamen ein Brief an die Anteilseigner und zahlreiche Werbeanzeigen für die Übernahme, denn auch Kleinaktionäre halten bei Osram einen relevanten Anteil.

"Es wird spannend" - Entscheidung wohl erst am Montag Abend

Ausgemacht ist ein Erfolg des Werbens keineswegs: "Es wird spannend", ist aus Finanzkreisen zu hören. Auch an der Börse gibt es offenbar Skepsis. Nachdem der Kurs der Osram-Aktie den Großteil des Novembers über 40 Euro und damit sehr nahe am Angebotspreis lag, hat das Papier zuletzt etwas nachgegeben. Am Donnerstag-Vormittag lag es bei Werten um 38,20 Euro.

Ob AMS erfolgreich ist, wird sich wohl erst kommende Woche zeigen. Bis alle Meldungen über angebotene Aktien eingehen, dauert es einige Zeit. In Finanzkreisen gilt Montagabend als wahrscheinlicher Zeitpunkt für ein Ergebnis.


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AMS braucht Beherrschungsvertrag

Für Berlien und Everke drängt die Zeit. Nach Informationen von manager magazin waren in den vergangenen Wochen verschiedene Hedge-Fonds bei Osram Börsen-Chart zeigen eingestiegen. Auch der einstige Osram-Anteilseigner Allianz Global Investors (AGI) habe seine Anteile von einst rund 9 Prozent inzwischen komplett über die Börse verkauft. Die Hedgefonds könnten darauf spekulieren, AMS zu einem noch höheren Angebot für Osram zu zwingen für den Fall, dass Osram die auf 55 Prozent gesenkte Übernahmeschwelle gerade so erreicht. Um vollen Durchgriff auf Osram zu haben, braucht AMS einen Beherrschungsvertrag - und dieser dürfte auf einer Hauptversammlung nur mit Zustimmung der Hedgefonds zu bekommen sein. Kritiker warnen, dass bereits die von AMS gebotenen 41 Euro je Osram Aktie äußerst hoch gegriffen sind - sollte der Preis weiter steigen, werden auch die finanziellen Risiken für AMS immer größer.

Osram steckt in der Krise. 2018/19 rutschte das Unternehmen mit 343 Millionen Euro in die roten Zahlen, unter anderem wegen einer Abschreibung von 171 Millionen Euro auf das Autozuliefer-Gemeinschaftsunternehmens mit Continental. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 188 Millionen Euro zu Buche. Der Umsatz brach wie befürchtet um 13 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro ein. Die Dividende fällt aus. "2019 war sicher eines der herausforderndsten Jahre unserer jüngeren Geschichte", sagte der Vorstandschef. Der Gegenwind werde bis Dezember anhalten, danach hoffe Osram auf eine Stabilisierung.

la/dpa-afxp

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