Samstag, 14. Dezember 2019

Allianz verkauft, Bieter AMS wird nervös Hedgefonds halten fast die Hälfte der Osram-Aktien

Osram: AMS bietet 41 Euro je Osram-Aktie, zahlreiche Hedgefonds steigen ein

Das Angebot von AMS für den Leuchtenhersteller Osram könnte zum Spekulationsobjekt für Hedgefonds werden. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag) sollen laut Finanzkreisen bereits bis zu 45 Prozent der Osram-Aktien in den Händen von Hedgefonds liegen. Wie manager magazin bereits vor einigen Tagen berichtete, sollen die Hedgefonds Anteile vor allem von einstigen Großinvestoren wie dem Versicherer Allianz eingesammelt haben. "Es scheint, dass eine Reihe von Hedgefonds Aktien erworben haben mit dem Ziel, diese erst zu einem späteren Zeitpunkt und zu einem höheren Preis anzudienen", sagte Osram-Chef Olaf Berlien der Zeitung.

Der österreichische Chip- und Sensorenhersteller AMS bietet 41 Euro pro Osram-Aktie, womit das deutsche Unternehmen mit rund 4,6 Milliarden Euro bewertet wird. Bis zum kommenden Donnerstag will AMS eine Schwelle von 55 Prozent an Osram erreichen. Laut einer Meldung vom Mittwochabend wurden bisher aber nur 3,3 Prozent der Aktien angedient. Zuvor hatte AMS 20 Prozent an Osram am Markt gekauft. Die Mindestannahmeschwelle hatte AMS im aktuellen Angebot auf 55 Prozent gesenkt.

Dem Bericht zufolge würden viele Hedgefonds darauf spekulieren, ihre Aktien zu einem späteren Zeitpunkt mit einem hohen Aufschlag an AMS verkaufen zu können. Andere dagegen könnten aber auch auf einen massiven Kursverfall der Osram-Aktie wetten und darauf spekulieren, dass die Übernahme in der kommenden Woche scheitert.

Berlien und Everke werben für Fusion

Die Vorstandsvorsitzenden von Osram und AMS hatten zuletzt in einem Brief an die Aktionäre für die Übernahme des Münchner Konzerns durch den österreichischen Sensorspezialisten geworben. Die beiden Firmenchefs Olaf Berlien (Osram) und Alexander Everke (AMS) gehen in dem Schreiben auf die bereits bei Vorlage der Jahreszahlen verkündete Zusammenschlussvereinbarung ein. "Mit der Vereinbarung setzen wir ein Signal, dass der Zusammenschluss nur gemeinsam gelingen kann", heißt es in dem Schreiben. Er biete "die große Chance, die Neuausrichtung von Osram noch schneller voranzutreiben". Die IG Metall und der Osram-Betriebsrat sind allerdings gegen die Übernahme.


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AMS braucht Beherrschungsvertrag

Für Berlien und Everke drängt die Zeit. Nach Informationen von manager magazin waren in den vergangenen Wochen verschiedene Hedge-Fonds bei Osram Börsen-Chart zeigen eingestiegen. Auch der einstige Osram-Anteilseigner Allianz Global Investors (AGI) habe seine Anteile von einst rund 9 Prozent inzwischen komplett über die Börse verkauft. Die Hedgefonds könnten darauf spekulieren, AMS zu einem noch höheren Angebot für Osram zu zwingen für den Fall, dass Osram die auf 55 Prozent gesenkte Übernahmeschwelle gerade so erreicht. Um vollen Durchgriff auf Osram zu haben, braucht AMS einen Beherrschungsvertrag - und dieser dürfte auf einer Hauptversammlung nur mit Zustimmung der Hedgefonds zu bekommen sein. Kritiker warnen, dass bereits die von AMS gebotenen 41 Euro je Osram Aktie äußerst hoch gegriffen sind - sollte der Preis weiter steigen, werden auch die finanziellen Risiken für AMS immer größer.

Osram steckt in der Krise. 2018/19 rutschte das Unternehmen mit 343 Millionen Euro in die roten Zahlen, unter anderem wegen einer Abschreibung von 171 Millionen Euro auf das Autozuliefer-Gemeinschaftsunternehmens mit Continental. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 188 Millionen Euro zu Buche. Der Umsatz brach wie befürchtet um 13 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro ein. Die Dividende fällt aus. "2019 war sicher eines der herausforderndsten Jahre unserer jüngeren Geschichte", sagte der Vorstandschef. Der Gegenwind werde bis Dezember anhalten, danach hoffe Osram auf eine Stabilisierung.

la/dpa/mmo

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