Freitag, 13. Dezember 2019

Streit um Zukunft des Lichtkonzerns geht weiter Osram empfiehlt Übernahme durch AMS, Beschäftigte und IG Metall befürchten Kahlschlag

Osram-Glühlampe

Kehrtwende bei Osram: Vorstand und Aufsichtsrat sperren sich nicht mehr gegen eine Übernahme durch den österreichischen Chip- und Sensorhersteller AMS. Beide Gremien des Münchner Lichtkonzerns kündigten am Dienstag an, den Aktionären zu empfehlen, das 4,6 Milliarden Euro schwere Kaufangebot von AMS anzunehmen.

Man habe eine umfangreiche Vereinbarung mit den Österreichern geschlossen, die unter anderem Kündigungen an den deutschen Standorten infolge der Fusion bis Ende 2022 ausschließe, sagte Vorstandschef Olaf Berlien am Dienstag. "Wir haben uns nach intensiven Verhandlungen auf viele entscheidende Rahmenbedingungen für die Zukunft von Osram und unserer Mitarbeiter geeinigt." Darin ist unter anderem ein Schutz der Osram-Mitarbeiter vor fusionsbedingten Kündigungen bis Ende 2020 enthalten.

Die ehemalige Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer soll sicherstellen, dass die Vereinbarungen eingehalten werden. "Am wichtigsten ist, dass die Mitarbeiter an deutschen Standorten bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt sind", sagte Osram-Chef Berlien.

Diese Zusage sei wertlos, kritisierten die Arbeitnehmervertreter im Osram-Aufsichtsrat, die sich weiterhin gegen die Übernahme aussprachen. Laut IG Metall will der Konzern unabhängig davon in Deutschland weitere 800 Arbeitsplätze streichen.

Arbeitnehmer und IG Metall wehren sich gegen Übernahme

Die ehemalige Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer soll als "neutrale Schiedsrichterin" sicherstellen, dass AMS sich an die Vereinbarungen hält. Die Arbeitnehmervertreter kann das nicht besänftigen: Ihre fünf Mitglieder im Aufsichtsrat bezeichneten in einem Sondervotum die Verbesserungen gegenüber dem ersten Angebot als "geringfügig". Sicherheit für die Belegschaft gebe es nicht. Nur die Vertreterin der leitenden Mitarbeiter schloss sich der Kapitalseite an, die Abstimmung endete sieben zu fünf.

Aufruf zu Protesten: Licht an statt Licht aus

Die IG Metall rief die 5600 Osram-Beschäftigten in Deutschland angesichts der Pläne für weitere Stellenstreichungen für nächsten Montag zu Protesten unter dem Motto "Licht an statt Licht aus" auf. Abel, der für die Gewerkschaft im Osram-Aufsichtsrat sitzt, warnte davor, den Konzern "kaputtzusparen".

Vorstandschef Berlien verwies darauf, dass Osram auf die geringere Nachfrage nach Halogen-Leuchten reagieren müsse. Der Arbeitsplatzabbau werde im neuen Geschäftsjahr 2019/20 (Ende September) weitergehen. Binnen zwölf Monaten hat das Traditionsunternehmen die Belegschaft weltweit bereits um 2340 auf 23.500 Mitarbeiter reduziert.

Dass Osram, wie von der IG Metall behauptet, auch an Investitionen und Innovationen sparen wolle, sei falsch, sagte Berlien. Die Rückverlagerung von Stellen aus dem schwach ausgelasteten Chip-Werk im malaysischen Kulim nach Regensburg, die AMS geplant hatte, sei vom Tisch.

Die Entscheidung über den Erfolg des Übernahmeangebots liegt aber bei den Aktionären.

Berlien: "Wir müssen zu einem Ende kommen"

AMS-Chef Alexander Everke begrüßte die Einigung und gab sich zuversichtlich, die geforderten 55 Prozent an Osram einzusammeln. Wenn es klappt, wird Osram im April Teil von AMS. Bis die beiden Unternehmen wirklich fusionierten - dann mit Osram als Namensbestandteil -, werde es bis 2022 dauern, sagte Berlien.

Die Gespräche über einen Verkauf des angeschlagenen Unternehmens halten Osram schon seit einem Jahr in Atem. "Das bindet Ressourcen. Deshalb haben wir klar gesagt: Wir müssen da zu einem Ende kommen", sagte Berlien.


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Osram steckt in der Krise. 2018/19 rutschte das Unternehmen mit 343 Millionen Euro in die roten Zahlen, unter anderem wegen einer Abschreibung von 171 Millionen Euro auf das Autozuliefer-Gemeinschaftsunternehmens mit Continental. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 188 Millionen Euro zu Buche. Der Umsatz brach wie befürchtet um 13 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro ein. Die Dividende fällt aus. "2019 war sicher eines der herausforderndsten Jahre unserer jüngeren Geschichte", sagte der Vorstandschef. Der Gegenwind werde bis Dezember anhalten, danach hoffe Osram auf eine Stabilisierung. Unter dem Strich soll der Umsatz 2019/20 um das Vorjahresniveau pendeln, die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) dürfte sich aber noch kaum verbessern. 2018/19 lag sie bei 8,9 Prozent.

Von Alexander Hübner, Reuters

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