Mittwoch, 13. November 2019

IG Metall-Vorstand und Aufseher ruft Finanzaufsicht zu Hilfe Osram-Aufsichtsrat wirft AMS Trickserei vor

 Kampferprobt: IG-Metall-Vorstand und Osram-Aufsichtsrat Klaus Abel bei einer Kundgebung (Bild Archiv)
imago/Markus Heine
Kampferprobt: IG-Metall-Vorstand und Osram-Aufsichtsrat Klaus Abel bei einer Kundgebung (Bild Archiv)

Dass die österreichische AMS den fast dreimal größeren aber finanziell klammen Lichtkonzern Osram zwingend übernehmen will, daran ließ der Sensoren-Spezialist nie einen Zweifel. Nun, da die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent im Bieterkampf sich offenbar geschlagen geben, ist die Aussicht auf Erfolg größer, dürften die AMS-Aktionäre in Ermangelung einer Alternative kaum noch ernsthaft mit einem höheren Preis rechnen.

Der bleibt nämlich im zweiten Angebot mit 41 Euro je Aktie gleich, lediglich die Annahmeschwelle hat AMS auf 55 Prozent gesenkt. Die neue Lage scheint auch der einst entschiedene Übernahmegegner und Osram-Chef Olaf Berlien zu antizipieren. Man habe "in den vergangenen Tagen konstruktive Gespräche mit AMS" geführt. Im September noch war er weit davon entfernt, die eigenen Aktien einem möglichen Bieter anzudienen.

Das Blatt scheint sich zugunsten von AMS zu wenden, Alexander Everke als Chef des kleineren Angreifers gibt sich mit einem verdoppelten Quartalsgewinn im Rücken dann auch deutlich breitbeiniger im Ton. Die Angebotslage nach Ausscheiden der Mitbieter sei "sehr klar" und er sehr "zuversichtlich", dass das neuerliche Angebot zum Erfolg führen wird. Man sei "auf Kurs für ein angepasstes Kooperationsabkommen" und "erwarte eine Einigung, bevor das Übernahmeangebot startet".

Das hört sich fast so an, als könnte AMS nichts mehr stoppen, allenfalls nur die Finanzaufsicht Bafin, die das neue Angebot genehmigen muss. Dass sie genau das nicht tut, darauf setzt und hofft inständig der IG-Metall-Vorstand und Osram-Aufsichtsratsvize Klaus Abel.

Der gelernte Elektromaschinenbauer und studierte Jurist spricht von einer "feindlichen Übernahme" und davon, dass sich AMS im Kampf um den deutschen Traditionskonzern "total verrannt" habe und deshalb bereit sei, "unkalkulierbare Risiken" einzugehen, wie die "Süddeutsche Zeitung" den Gewerkschafter zitiert.

Umgeht AMS mit "Bauerntrick" das Gesetz?

Damit meinen die Arbeitnehmervertreter die aus ihrer Sicht bestehende und nachvollziehbare Gefahr, dass die ohnehin hochverschuldete AMS den 110 Jahre alten Konzern zerschlagen und einzelne Teile verkaufen wird, um die milliardenhohen Kredite für die Übernahme zu finanzieren - mit vermutlich wenig erfreulichem Ausgang für viele der 24.000 Osram-Beschäftigten.

Nach offizieller Lesart will AMS, das bereits 20 Prozent an dem Münchener Lichtkonzern hält, aus beiden Unternehmen "einen globalen Technologieführer für Sensorik-Lösungen und Photonik" schaffen.

Ein Jahr warten mit dem zweiten Übernahmeangebot, wie es das Wertpapier- und Übernahmegesetzt eigentlich vorsieht, wollen die Österreicher auf keinen Fall - und haben für das zweite Angebot eigens eine Zweckgesellschaft gegründet, um damit die gesetzliche Sperrfrist zu umgehen. Ein "einfacher Bauerntrick", wie Abel schimpft und in einem Brief an die Bafin jetzt die Behörde aufruft, dieses Vorgehen zwingend zu stoppen und das Übernahmeangebot nicht zu genehmigen.

Die einjährige Schutz- und Sperrfrist soll einem Unternehmen nach einem gescheiterten Übernahmeversuch die Ruhe, Kraft und Zeit verschaffen, sich auf die Alltagsarbeit zu konzentrieren. Genau das brauche Osram laut Abel jetzt. Schon das erste Angebot habe zu viel Ressourcen gebunden, die das Management eigentlich für die strategische Neuausrichtung von Osram brauche.

rei

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