Mittwoch, 20. November 2019

Angebot über 3,4 Milliarden Euro für Osram Finanzinvestoren Bain und Carlyle wollen Ex-Siemens-Tochter von der Börse nehmen

Osram: Nach langer Hängepartie kommt nun das ersehnte Übernahmeangebot von Bain und Carlyle

Der kriselnde Lichtkonzern Osram Börsen-Chart zeigen steht vor der Übernahme durch Finanzinvestoren. Osram bestätigte am Mittwochabend, dass Carlyle und Bain Capital nach monatelangen Verhandlungen ein verbindliches Kaufangebot abgegeben haben. Sie wollen das Münchner Traditionsunternehmen für 3,4 Milliarden Euro schlucken und bieten den Aktionären 35 Euro je Aktie, wie Osram mitteilte. Die Aktien sind breit unter Investoren gestreut.

"Über dieses Angebot werden die zuständigen Gremien in Kürze beraten und beschließen", hieß es von der Ex-Siemens-Tochter. Der Aufsichtsrat tritt Insidern zufolge am Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Vorsitzender ist der ehemalige Vorstandschef des Dax-Konzerns Infineon, Peter Bauer.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte über die bevorstehende Offerte am frühen Abend berichtet. Das trieb die zuvor wochenlang gebeutelte Aktie um gut elf Prozent auf 32 Euro nach oben. Nach der Bestätigung stieg sie im Späthandel weiter bis auf 34,00 Euro. Der Vorstoß ist bereits die dritte Offerte eines Finanzinvestoren für ein börsennotiertes deutsches Unternehmen innerhalb kurzer Zeit. Zuvor hatte es entsprechende Angebote für das Kleinanzeigenportal Scout24 und das Medienhaus Axel Springer gegeben. 2017 hatten die Finanzinvestoren Bain und Cinven den Arzneimittelhersteller Stada (Grippostad, Ladival) für mehr als 5 Milliarden Euro von der Börsen genommen.

Mit dem Beschluss des Aufsichtsrats geht voraussichtlich eine Hängepartie zu Ende. Osram-Chef Olaf Berlien hatte bereits im Februar Gespräche mit Bain und Carlyle bestätigt. Doch die eingehende Buchprüfung, die einem Angebot vorausgeht, zog sich länger als erwartet hin. manager magazin hatte darüber berichtet.

Erst in den vergangenen Tagen hatten sich die beiden Investoren die notwendigen Kredite gesichert, sagten mehrere Insider. Berichte, wonach die Banken angesichts der Geschäftslage damit zögerten, günstige Konditionen zu gewähren, hatten die Zweifel der Investoren vergrößert.

Osram will mit Sparprogramm attraktiver werden

Während der Verhandlungen war die Osram-Aktie immer weiter abgebröckelt, vor allem weil sich die Aussichten für das stark von der Autoindustrie abhängige Unternehmen stärker eintrübten als der Vorstand gedacht hatte. Lag sie im Februar noch bei fast 42 Euro, fiel sie Anfang Juni auf ein Jahrestief von 24,60 Euro. Berlien erwartet für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 (Ende September) einen drastischen Umsatz- und Gewinnrückgang. Der Umsatz, der eigentlich um drei Prozent zulegen sollte, werde um bis zu 14 Prozent unter Vorjahr liegen.

Der Konzern, der 2013 von Siemens abgespalten worden war, hatte 2017/18 mit 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Berlien hat bereits ein Sparprogramm aufgelegt. Er kann darauf hoffen, dass die Finanzinvestoren sein Bestreben, Osram vom klassischen Lampen- und Beleuchtungs-Hersteller zum Spezialisten für Leuchtdioden, optische Halbleiter und andere technische Anwendungen umzubauen, noch forcieren. Erst in der vergangenen Woche hatte Osram sein lange defizitäres Geschäft mit Büro-, Straßen- und Stadion-Beleuchtung an einen Investor abgegeben.

Insidern zufolge hatte die Bereitschaft zu einem Verkauf des Konzern an Bain und Carlyle auch das Interesse anderer Bieter geweckt. Darunter sei der österreichische Halbleiterkonzern AMS gewesen, der auch Sensoren für die Autoindustrie herstellt. Zu einer Offerte sei es aber nicht gekommen.

la/reuters

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