Freitag, 22. November 2019

Aufsichtsrat stimmt Übernahme zu - doch Aktie bleibt unter 35 Euro Warum Anleger bei Osram weiter skeptisch sind

Osram kurz vor der Übernahme: Vorstand und Aufsichtsrat des Beleuchtungsherstellers haben sich dafür ausgesprochen, das Kaufangenbot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle anzunehmen. Dennoch herrscht weiter Skepsis vor.

3,4 Milliarden Euro wollen die Finanzinvestoren Bain und Carlyle für die Ex-Siemens-Tochter Osram bezahlen, das sind 35 Euro pro Aktie - ein Aufschlag von 23 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen Monate. Dem Angebot ging eine monatelange Hängepartie voraus. Am Donnerstag haben Vorstand und Aufsichtsrat von Osram dem Angebot zugestimmt. Dennoch notiert die Aktie weiterhin um die Marke von 33 Euro und damit weiterhin recht deutlich unter dem Angebotspreis von 35 Euro pro Aktie: Fürchten Aktionäre einen Rückzieher der Investoren und ein Platzen des Deals?

Es ist weniger die Angst vor einem Rückzieher von Bain und Carlyle als die Bedingungen, an die der Deal geknüpft ist: Die Investoren nannten als Bedingung der geplanten Übernahme, dass sie mindestens 70 Prozent der Aktien einsammeln können. Sollten nicht genug Aktionäre das Angebot der Investoren annehmen, drohen langwierige Nachverhandlungen, die auch zu einem Platzen des Deals führen könnten.

Die Übernahme des Lichtkonzerns durch Finanzinvestoren sei noch keine ausgemachte Sache, argumentiert Analyst Sebastian Growe von der Commerzbank. Einige Investoren dürften auf ein noch höheres Angebot oder einen attraktiven Beherrschungsvertrag spekulieren - und aus diesem Grund die erste Offerte von Bain und Carlyle nicht annehmen. Im Falle eines Flops sei die Rückschlaggefahr deutlich größer als das Aufwärtspotenzial bei einem erfolgreichen Deal, so Growe. Zudem sieht er auch politische und regulatorische Risiken für die Übernahme.


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Derweil versucht Aufsichtsratschef Peter Bauer gemeinsam mit Osram-Chef Olaf Berlien, den Anlegern das Angebot schmackhaft zu machen. "Wir begrüßen das Angebot von Bain und Carlyle und sind überzeugt, dass es sowohl einen fairen Wert für die Aktionäre als auch einen strategischen Mehrwert für unser Unternehmen bietet", erklärte Bauer. "Bain und Carlyle sind für Osram die richtigen Partner zur richtigen Zeit", ergänzte Berlien.

Die Bieter wollen ihr offizielles Angebot nach der Freigabe durch die Finanzaufsicht Bafin veröffentlichen und voraussichtlich bis September laufen lassen. Bis dahin müssen die geforderten 70 Prozent zusammenkommen - anderenfalls droht Anlegern, die jetzt einsteigen, eine Enttäuschung.

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