Dienstag, 10. Dezember 2019

Neues Übernahmeangebot soll vor 5. September veröffentlicht werden - Rückschlag für Bain und Carlyle Osram in "konstruktiven Verhandlungen" über Zusammenschluss mit AMS

Osram: Der Lichtkonzern drängt in die Arme von AMS. Das Angebot der Österreicher soll Anfang September veröffentlicht werden

Bewegung im Übernahmepoker um Osram Börsen-Chart zeigen: Aufsichtsrat und Management des Lichtkonzerns haben am Mittwoch Abend bestätigt, in "konstruktiven Verhandlungen" mit dem österreichischen Chipspezialisten AMS zu stehen. Osram und AMS verhandelten derzeit über ein Business Combination Agreement, hieß es. Vorstand und Aufsichtsrat von Osram behandeln dieses Thema zeitnah, um möglichst rasch eine Aufhebung des bestehenden Stillhalteabkommens zu erreichen. Eine Veröffentlichung des Übernahmeangebots von AMS sei noch vor Ende des 5. September geplant.

Vor wenigen Tagen hatte die AMS AG Osram den Vorschlag unterbreitet, ein Angebot über 38,50 Euro je Aktie für alle ausstehenden Anteile abzugeben. Damit würde AMS die bisherigen Bieter Bain und Carlyle deutlich überbieten. Osrams größter Einzelinvestor Allianz Global Investor hatte die Offerte von Bain und Carlyle bereits als zu niedrig abgelehnt.

Stillhalteabkommen muss aufgehoben werden - Vorstand will rasch entscheiden

AMS kann seine Offerte jedoch nur dann bei der Finanzaufsicht Bafin einreichen, wenn Osram ein bestehendes Stillhalteabkommen auflöst, welches AMS derzeit den Erwerb von Osram-Aktien untersagt. Dieses war geschlossen worden, als der österreichische Sensor- und Chipspezialist infolge des von ihm geäußerten Übernahmeinteresses Einblick in die Bücher von Osram erhielt.

Neben Angebotspreis und Finanzierungskonzept sei für Osram ein stabiles Umfeld für die weitere Transformation zu einem halbleiterbasierten Hightech-Photonik-Unternehmen wichtig, teilte Osram am Mittwoch mit. Vorstand und Aufsichtsrat von Osram wollen die derzeit zu verhandelnde Zusammenschlussvereinbarung zeitnah prüfen und in der Folge über die Aufhebung des Stillhalteabkommens entscheiden.

AMS will die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausstechen und Osram für bis zu 4,3 Milliarden Euro übernehmen. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz stellte am Sonntagabend ein Kaufangebot über 38,50 Euro je Aktie für die Ex-Siemens-Tochter Osram in Aussicht. Das wären zehn Prozent mehr als die laufende Offerte von Bain und Carlyle.

Laut Adhoc-Mitteilung sieht die Finanzierung von AMS wie folgt aus: Die Banken HSBC und UBS würden eine Brückenfinanzierung von 4,2 Milliarden Euro stemmen. Einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.


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AMS erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. "Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können", hatte AMS am Sonntag erklärt. Analysten machen sich seit längerem über die zu starke Abhängigkeit von AMS vom Großkunden Apple Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von AMS.

Interesse am Autozuliefergeschäft

Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von "Front-End-LEDs" dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle sei auch AMS zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit, hieß es am Sonntagabend.

Am Osram-Sitz in München sollten "wichtige Funktionen" erhalten bleiben. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von AMS aber verkauft werden. Bedingung für die Übernahme ist - wie bei Bain und Carlyle -, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.

la/mmo

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