Samstag, 18. Januar 2020

AMS erreicht mehr als  55 Prozent der Osram Anteile Osram-Aktie schießt hoch - AMS bei Übernahme am Ziel

Osram: AMS hat mehr als 55 Prozent der Anteile eingesammelt und damit die Mindestannahmeschwelle überschritten

Der Halbleiterhersteller AMS sieht sich bei der Übernahme des deutschen Leuchtenherstellers Osram im zweiten Anlauf am Ziel. AMS habe die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent der Aktien überschritten, teilten die Österreicher am Freitag kurz nach Börsenschluss mit. Osram gab bekannt, der Konzern habe die Führungsspitze von AMS zu "Zukunftsgesprächen" eingeladen.

Auf der Handelsplattform Tradegate legte die Osram-Aktie bereits am Freitag Abend nachbörslich um knapp 12 Prozent auf 42,50 Euro zu. Am Montag früh dürfte auch der Xetra-Handel diese Kursentwicklung nachholen und die Aktie von Osram Börsen-Chart zeigen auf Xetra mit einem zweistelligen Plus in den Handel starten.

Mehrere kartellrechtliche Genehmigungen stehen für den Erfolg der geplanten Übernahme noch aus. Osram-Aktionäre haben in einer weiteren Annahmefrist noch bis zum 24. Dezember Zeit, ihre Anteilsscheine anzudienen.

Betriebsrat und IG Metall befürchten Zerschlagung

IG Metall und Osram-Betriebsrat, die eine Zerschlagung des über 110 Jahre alten Traditionsunternehmens fürchten, haben vergeblich Widerstand geleistet. AMS wächst zwar rasant, ist aber hoch verschuldet und will die Übernahme mit Milliardenkrediten und der Ausgabe neuer Aktien finanzieren.

AMS-Chef Alexander Everke sicherte dem Osram-Management "und allen Stakeholdern" enge Zusammenarbeit zu. Der ehemalige Siemens -Manager Everke hatte gemeinsam mit Osram-Chef Olaf Berlien eine Werbekampagne bei den Aktionären gestartet.

Bis zuletzt eine Zitterpartie - Hedgefonds an Bord

Auf den letzten Metern war der zweite Anlauf für die Übernahme von Osram Börsen-Chart zeigen durch AMS zur Zitterpartie geworden. Bis 30 Stunden vor Ablauf der Angebotsfrist waren AMS 15,3 Millionen Aktien angeboten worden. Zugleich waren zahlreiche Hedgefonds bei Osram eingestiegen. Aus Finanzkreisen war zuletzt von einem Anteil von 40 Prozent zu hören, der von Hedgefonds gehalten wurde. Die Hedgefonds spekulieren demnach darauf, ihre Anteile nach einer erfolgreichen Übernahme für mehr als die jetzt gebotenen 41 Euro je Anteil an AMS zu verkaufen. Dies wäre möglich, wenn die Österreicher ihren Anteil weiter aufstocken, um mehr Kontrolle über Osram zu erhalten. Für einen Beherrschungsvertrag müsste AMS dann noch einmal nachlegen.

Um sowohl Kleinanleger wie Hedgefonds zu überzeugen, haben sich AMS und Osram zuletzt kräftig ins Zeug gelegt. So machte sich AMS-Chef Alexander Everke Kreisen zufolge zu Gesprächen mit rund 50 Hedgefonds in New York und London auf. Osram-Chef Olaf Berlien ließ sich live zuschalten. Hinzu kamen ein Brief an die Anteilseigner und zahlreiche Werbeanzeigen für die Übernahme, denn auch Kleinaktionäre halten bei Osram einen relevanten Anteil.


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Anfang Oktober war AMS noch am Widerstand der Osram-Aktionäre gescheitert, brachte dann aber den Vorstand um Olaf Berlien auf seine Seite, der sich lange gegen den Verkauf gewehrt hatte. "Der heutige Erfolg ist auch ein Resultat des konstruktiven und positiven Verhältnisses, das wir aufgebaut haben", sagte AMS-Vorstandschef Alexander Everke. "Es war sicherlich kein einfacher Weg, aber schlussendlich konnten wir die notwendige Mehrheit der Osram-Aktionäre von unserem Angebot und der strategischen Logik überzeugen."

AMS hat Annahmeschwelle gesenkt

Im ersten Anlauf hatten die Anteilseigner AMS noch die Gefolgschaft verweigert, nachdem die Österreicher in letzter Minute ihre Offerte auf 41 Euro aufgestockt hatten. Dabei blieb es, doch senkte Everke die für den Erfolg des Angebots nötige Schwelle auf 55 von 62,5 Prozent. AMS hatte damit aber zwei Finanzinvestoren, die monatelang die Bücher von Osram geprüft hatten, aus dem Feld geschlagen.

AMS hat es vor allem auf die zukunftsträchtigen Sensor- und Lichtlösungen von Osram für die Auto- und Informationstechnik abgesehen, die den Konzern aus der Steiermark weniger abhängig vom Großkunden Apple Börsen-Chart zeigen machen sollen. Der Zusammenschluss könne "einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang auf den Weg bringen" sagte Berlien.

Übernahme mit Krediten finanziert - Kapitalerhöhung notwendig

AMS hat die Übernahme bisher mit Krediten finanziert. Etwa ein Drittel davon - 1,6 Milliarden Euro - sollen aber bald mit einer Kapitalerhöhung getilgt werden. AMS werde deshalb schon im Januar zu einer Hauptversammlung einladen, um die notwendigen Beschlüsse zu fassen. Die Kapitalerhöhung solle danach "zeitnah" umgesetzt werden, hieß es in der Mitteilung.

Das endgültige Ergebnis des Übernahmeangebots soll erst am Dienstag vorliegen. Danach haben die restlichen Osram-Aktionäre noch einmal zwei Wochen - bis Heiligabend - Zeit, ihre Papiere an AMS zu verkaufen.

Dann dürften vor allem Indexfonds ihre Osram-Aktien andienen, deren Anteil auf zehn bis zwölf Prozent geschätzt wird. Der massenhafte Einstieg von Hedgefonds und anderen Spekulanten hatte die Übernahme bis zum letzten Moment zu einer Zitterpartie werden lassen. Um sie zur Annahme des Angebots zu bewegen, waren AMS-Chef Everke und Berlien Anfang der Woche eigens nach New York und London gereist.

Perspektivisch will AMS auf mehr als 75 Prozent an dem deutlich größeren Traditionskonzern kommen, um Zugriff auf die Finanzmittel von Osram zu bekommen und damit die Kredite für die Übernahme tilgen zu können. Nach Angaben von Osram könnten dann im zweiten Halbjahr 2020 die Vorbereitungen für eine Fusion anlaufen.

Osram steckt in der Krise. 2018/19 rutschte das Unternehmen mit 343 Millionen Euro in die roten Zahlen, unter anderem wegen einer Abschreibung von 171 Millionen Euro auf das Autozuliefer-Gemeinschaftsunternehmens mit Continental. Ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn von 188 Millionen Euro zu Buche. Der Umsatz brach wie befürchtet um 13 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro ein. Die Dividende fällt aus. "2019 war sicher eines der herausforderndsten Jahre unserer jüngeren Geschichte", sagte der Vorstandschef.

la/reuters

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