Mittwoch, 13. November 2019

Möglicher Bieter-Poker mit AMS Bain und Carlyle prüfen offenbar höheres Gebot für Osram

Osram: Der Bieterpoker geht weiter. Im Fall eines Gebots von AMS könnten Bain und Carlyle nachlegen, heißt es
Michaela Rehle / REUTERS
Osram: Der Bieterpoker geht weiter. Im Fall eines Gebots von AMS könnten Bain und Carlyle nachlegen, heißt es

Ein Bericht über eine mögliche Aufstockung des Übernahmeangebots der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle hat die Osram-Papiere am Dienstag angetrieben. Die Papiere des Beleuchtungsspezialisten kletterten um 1,6 Prozent auf 35,20 Euro und war damit einer der besten Werte im MDax. Kurzzeitig zog das Papier sogar um 2 Prozent an und kostete damit soviel wie zuletzt Ende März. Ein möglicher Bieterkampf zwischen den beiden Finanzinvestoren und dem österreichischen Chipkonzern AMS ist natürlich positiv für den Aktienkurs der Ex-Siemens-Tochter Osram, sagten Börsianer.

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwägen Bain Capital und Carlyle eine höhere Offerte für den Fall, dass AMS formal ein Gebot vorlegt. Die beiden Finanzinvestoren beratschlagten einen solchen Schritt derzeit mit Beratern sowie finanzierenden Banken, berichtete Bloomberg am Montagabend unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Eine Entscheidung gebe es noch nicht.

Bain und Carlyle bieten aktuell 35 Euro je Osram-Aktie. AMS will 38,50 Euro zahlen. Allerdings verhindert derzeit eine Stillhaltevereinbarung mit Osram, dass die Österreicher ihr Angebot offiziell vorlegen können. Es gilt dabei als wahrscheinlich, das Osram diese Vereinbarung, die ein AMS-Gebot bis 2020 ausschließt, noch in dieser Woche aufheben wird, um das Risiko möglicher Aktionärsklagen zu senken.

Bain und Carlyle prüfen den Kreisen zufolge auch, ob eine Erhöhung in Richtung oder auf das Niveau des AMS-Gebots ausreichend sei, um die Osram-Aktionäre zu überzeugen. AMS sowie die beiden Finanzinvestoren wollten die Informationen Bloomberg zufolge nicht kommentieren.

Osram befindet sich in einer Krise

AMS hatte sich Mitte Juli nach einem unverbindlichen Angebot wieder zurückgezogen. Damals hieß es, der Konzern sehe nach einer Evaluierung "keine ausreichende Basis" für eine Fortsetzung der Gespräche. Kurz danach teilte AMS aber auch mit, dass eine Übernahme noch nicht vom Tisch sei.

Osram-Vorstand und -Aufsichtsrat hatten über Wochen eine Übernahme durch die US-Amerikaner favorisiert. Seit dem verbesserten AMS-Gebot heißt es aus der Osram-Chefetage, man führe mit AMS "konstruktive Gespräche über eine Zusammenschlussvereinbarung"

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphone-Hersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte derzeit schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen.

IG Metall lehnt Übernahme durch AMS ab

Der Sensorenhersteller aus Graz in der Steiermark will sich den Kaufpreis bei den Banken UBS und HSBC leihen und sich anschließend über die Ausgabe neuer Aktien 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital besorgen. AMS rechnet durch die Übernahme mit Synergien von 300 Millionen Euro jährlich. Abgeschlossen werden soll die Transaktion vor Juli 2020.

Die IG Metall lehnt eine Übernahme durch AMS trotz eines verbesserten Angebots ab. Die Gewerkschaftler zweifeln, dass AMS ausreichend Erfahrung hat um die Komplexität des angeschlagenen Münchner Leuchtenherstellers vollständig zu durchdringen. Des Weiteren müsse sich der Wiener Sensorhersteller für die Übernahme hoch verschulden. Das sei riskant. Zudem sei nicht klar, woher die von AMS erwarteten Synergien einer Übernahme kommen sollen.

Die Arbeitnehmervertreter haben dagegen keine grundsätzlichen Einwände gegen das US-Angebot. Bain Capital und Carlyle haben den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesichert. Hier hatte AMS zuletzt auch ein Entgegenkommen angedeutet. Es gebe die Bereitschaft zu einer verbindlichen Vereinbarung mit Schutzklauseln und Zusagen für Mitarbeiter sowie weitere Investitionen in Deutschland.

la, mg/dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung