Prozess gegen Josef Esch und Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder Von Visionären und Ganoven - Esch, Schröder und die Kölner Bau-Bonanza

In Köln hat der wohl letzte Strafprozess in der Oppenheim-Esch-Affäre begonnen. Erstmals stehen zwei der Hauptakteure im Mittelpunkt der Anklage. Fondsexperte Josef Esch und Gustav Adolf Schröder, Ex-Chef der Sparkasse KölnBonn. Zum Prozessauftakt prallen zwei Weltsichten aufeinander.
Immobilien-Zampano Josef Esch (2. von links) im Kölner Landgericht: Einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe sehen die Staatsanwälte. Seine Verteidiger sehen Esch eher als Visionär

Immobilien-Zampano Josef Esch (2. von links) im Kölner Landgericht: Einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe sehen die Staatsanwälte. Seine Verteidiger sehen Esch eher als Visionär

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Mit Zahlen war Josef Esch (60) immer sehr flink. Im Kopf kalkulierte er einst in Sekundenschnelle bei großen Bauprojekten mit 20.000, 30.000 oder 40.000 Quadratmetern Bruttofläche die Kosten bis auf den Cent samt der möglichen Rendite für Investoren. Mit oder ohne Parkhaus? Egal. Schließlich war er als gelernter Maurer vom Fach. Damit beeindruckte er einst viele seiner Kunden aus den vermögendsten Kreisen im Land, und sie vertrauten ihm jahrelang Millionensummen an.

Flink mit Zahlen ist Esch noch immer. Als Christof Wuttke, Vorsitzender Richter am Landgericht Köln, bei der Feststellung der Personalien Eschs Geburtsjahr irrtümlich mit "'57" angibt, korrigiert ihn Esch blitzschnell: "'56". Das wäre also schon mal geklärt.

Ansonsten bleibt aber noch sehr vieles aufzuklären in dem großen Strafprozess, dem sich Esch nun gegenübersieht. Das Verfahren vor der 18. Großen Strafkammer ist wohl das Letzte, das die Affäre rund um Eschs langjährige Zusammenarbeit mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim ausleuchten wird.

Der Immobilien-Mann aus Troisdorf kam bisher glimpflich davon

Bisher kam der umstrittene Immobilien-Mann aus Troisdorf glimpflich davon. Beim großen Prozess gegen die Ex-Manager und Eigentümer von Sal. Oppenheim musste er zwar mehr als 120 Tage auf der Anklagebank ausharren. Doch er kam mit Geldauflagen davon, während die anderen vier Angeklagten Mitte 2015 zu Haftstrafen verurteilt wurden. Drei nur auf Bewährung, aber einer müsste sogar ins Gefängnis, wenn das Urteil in der Revision bestätigt werden sollte.

Doch eins ist dieses Mal neu für Esch: Anders als beim ersten Strafprozess und auch bei den zahlreichen Zivilklagen empörter Fondsanleger sitzt Esch nun in der ersten Reihe der Beschuldigten - Seite an Seite mit dem Ex-Chef der Sparkasse KölnBonn (SKB), Gustav Adolf Schröder (74).

Das eigentliche Power-Duo in der Oppenheim-Esch-Affäre

Das eigentliche Power-Duo in der Oppenheim-Esch-Affäre

Viele Ex-Kunden halten das Gespann Esch-Schröder für eigentliche Power-Duo in der Oppenheim-Esch-Affäre, die erheblich zum Beinahe-Zusammenbruch des Edel-Bankhauses beitrug. 2009 rettete sich Sal. Oppenheim in die Arme der Deutschen Bank .

Schließlich war es Schröder, der durch seinen lokalpolitischen Einfluss dafür sorgte, dass Esch in Köln diverse Bauprojekte für seine vermögende Klientel realisieren konnte - darunter die Essener Schuhsippe Deichmann, die Hagener Händlerfamilie Kreke (Douglas), die Kölner Verlegerfamilie Neven DuMont ("Express") und auch Ex-Bertelsmann- und Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff (64).

Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder (rechts) vor Gericht: Die Ankläger werfen Schröder schwere Untreue zu Lasten der Sparkasse sowie Bestechlichkeit vor

Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder (rechts) vor Gericht: Die Ankläger werfen Schröder schwere Untreue zu Lasten der Sparkasse sowie Bestechlichkeit vor

Foto: DPA

Die Sparkasse wirkte auf die Stadtpolitik ein, besorgte Grundstücke und übernahm Mietgarantien. Dafür, hier sollte nach Schröders Plänen ihr Zugewinn liegen, übernahm sie Finanzierungen von Fondskunden über mehr als eine Milliarde Euro.

Haben Esch und Schröder die Grenzen überschritten?

Viele enttäuschte Kunden wollen Esch bis heute ans Leder (oder wenigsten ans Konto) und wären alles andere als unglücklich, wenn er verurteilt würde: Es wäre ihnen eine Genugtuung. Aber: Waren das alles nur clevere Geschäfte zum Wohle der Stadt Köln, die manchmal eben für die Investoren nicht ganz aufgingen? Oder haben Esch und Schröder die Grenzen des Erlaubten überschritten? Letzteres glaubt die Staatsanwaltschaft nach jahrelangen Ermittlungen belegen zu können.

In ihrer Anklage begibt sie sich auf eine Zeitreise zurück in eine wilde Zeit. "Medien, Medien, Medien" lautete damals das wirtschaftspolitische Credo in Köln und Düsseldorf, Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Ende der 1990er-Jahre. Man wollte das Rheinland zum zweiten Hollywood machen. Und um zwei Kernprojekte für diese Politik, den Bau gigantischer Filmstudios in Köln-Ossendorf und den Verbleib des TV-Senders RTL in der Domstadt, wickelten Esch und Schröder Oppenheim-Esch-Fonds.

Mit Kölsch: Esch und Matthias Graf Krockow (lks) während der Grundsteinlegung für die Kölnmesse im Jahr 2004

Mit Kölsch: Esch und Matthias Graf Krockow (lks) während der Grundsteinlegung für die Kölnmesse im Jahr 2004

Foto: Köln Messe

Briefkastenfirmen, Scheinverträge, Zettel über Millionensummen

Wie Oberstaatsanwalt Alexander Fuchs nachzeichnet, kamen dabei offenkundig diverse Mittel zum Einsatz, die sich mit ordnungsgemäßen Geschäftsgebaren nicht unbedingt vereinbaren lassen: Briefkastenfirmen, Scheinverträge, mündliche Vereinbarungen und handschriftliche Papiere über Millionensummen, die nirgendwo ablegt wurden, Verzicht auf die Wertprüfung gestellter Sicherheiten, gezieltes Umgehen des Sparkassengesetzes oder die Übernahme von Mietgarantien Dritter in Millionenhöhe, bei denen von vorneherein klar schien, dass sie eintreten und die Sparkasse belasten würden.

Für die Sparkasse haben die Ankläger in den verschiedenen Tatbeständen mal 350.000 Euro Schaden errechnet, mal zwei Millionen, mal 20 Millionen - insgesamt sei der SKB ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden.

Esch bekommt den Auftrag, die Sparkasse das Geld

Esch bekommt den Auftrag - und die Sparkasse das Geld

Die Akteure verhedderten sich am Ende sogar dermaßen in ihren Konstrukten, dass die SKB lange gar nicht realisierte, dass in einer der Briefkastenfirmen, die Schröders privater Steuerberater aufgesetzt hatte, um Gelder um die Sparkassenbilanzen herumzuleiten, noch Millionen lagen, die dem öffentlich-rechtlichen Institut zugestanden hätten. Das Eintreiben erwies sich dann als schwierig: Es gab ja keine belastbaren Verträge.

Wie auch immer: Die Staatsanwaltschaft wirft Schröder schwere Untreue zulasten der Sparkasse vor und zudem Bestechlichkeit. Denn Esch soll seinem Institut knapp 10 Millionen Euro gezahlt haben, damit sich Schröder bei der Stadt Köln für das Angebot Eschs zum Bau der neuen Messehallen einsetzte. Esch bekam den Auftrag und die Sparkasse das Geld. Die Ermittler werfen Esch deshalb Bestechung vor sowie Beihilfe zur Untreue. Hinzu kommen Steuervergehen als Folge der Scheingeschäfte.

Die Verteidiger: Keine Ganoven, sondern Visionäre

In ihren Eröffnungsstatements zerpflücken die Verteidiger von Esch und Schröder erwartungsgemäß die Anklage. Nicht als Ganoven, nein, sondern als Visionäre stellen Eschs Anwalt Eberhard Kempf und Schröders Anwalt Klaus Bernsmann ihre Mandanten hin. Beide hätten im Gemeinwohl der Stadt Köln gehandelt, und die Zeit hätte ihnen Recht gegeben: Schließlich sei Köln heute ein bedeutender Medienstandort, RTL, einer der größten Gewerbesteuerzahler, sei nach wie vor in Köln, und die Domstadt sei einer der größten Messestandorte der Welt. "Fast absurd" nennt Bernsmann die Argumente der Ankläger: 10000 Medien-Jobs hätte das Wirken Schröders Köln beschert. Und persönlich bereichert habe er sich schließlich auch nie.

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Neue Netze: Kölscher Klüngel 2.0

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Kempf ergänzt noch spöttisch, die Staatsanwaltschaft - die zwischenzeitlich eine eigene Sonderkommission namens "Byzanz" eingerichtet hatte, um die Oppenheim-Esch-Affäre aufzuarbeiten - habe zwar fast 1000 Stehordner voller Dokumente gesammelt, aber die Vorgänge offenbar trotzdem "nicht verstanden".

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Die Vorwürfe gegen Esch seien konstruiert. Und die in Frage stehende Zahlung von knapp 10 Millionen Euro sei kein Schmiergeld gewesen, sondern die Gegenleistung für geleistete Arbeit der SKB und für die "Sicherung der künftigen Zusammenarbeit".

Visionäre oder Ganoven? Das Gericht hat 40 Verhandlungstage angesetzt, um zu einer Entscheidung zu kommen.

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