Mittwoch, 13. November 2019

Prozess gegen Josef Esch und Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder Von Visionären und Ganoven - Esch, Schröder und die Kölner Bau-Bonanza

Immobilien-Zampano Josef Esch (2. von links) im Kölner Landgericht: Einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe sehen die Staatsanwälte. Seine Verteidiger sehen Esch eher als Visionär

2. Teil: Das eigentliche Power-Duo in der Oppenheim-Esch-Affäre

Das eigentliche Power-Duo in der Oppenheim-Esch-Affäre

Viele Ex-Kunden halten das Gespann Esch-Schröder für eigentliche Power-Duo in der Oppenheim-Esch-Affäre, die erheblich zum Beinahe-Zusammenbruch des Edel-Bankhauses beitrug. 2009 rettete sich Sal. Oppenheim in die Arme der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen.

Schließlich war es Schröder, der durch seinen lokalpolitischen Einfluss dafür sorgte, dass Esch in Köln diverse Bauprojekte für seine vermögende Klientel realisieren konnte - darunter die Essener Schuhsippe Deichmann, die Hagener Händlerfamilie Kreke (Douglas), die Kölner Verlegerfamilie Neven DuMont ("Express") und auch Ex-Bertelsmann- und Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff (64).

Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder (rechts) vor Gericht: Die Ankläger werfen Schröder schwere Untreue zu Lasten der Sparkasse sowie Bestechlichkeit vor

Die Sparkasse wirkte auf die Stadtpolitik ein, besorgte Grundstücke und übernahm Mietgarantien. Dafür, hier sollte nach Schröders Plänen ihr Zugewinn liegen, übernahm sie Finanzierungen von Fondskunden über mehr als eine Milliarde Euro.

Haben Esch und Schröder die Grenzen überschritten?

Viele enttäuschte Kunden wollen Esch bis heute ans Leder (oder wenigsten ans Konto) und wären alles andere als unglücklich, wenn er verurteilt würde: Es wäre ihnen eine Genugtuung. Aber: Waren das alles nur clevere Geschäfte zum Wohle der Stadt Köln, die manchmal eben für die Investoren nicht ganz aufgingen? Oder haben Esch und Schröder die Grenzen des Erlaubten überschritten? Letzteres glaubt die Staatsanwaltschaft nach jahrelangen Ermittlungen belegen zu können.

In ihrer Anklage begibt sie sich auf eine Zeitreise zurück in eine wilde Zeit. "Medien, Medien, Medien" lautete damals das wirtschaftspolitische Credo in Köln und Düsseldorf, Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Ende der 1990er-Jahre. Man wollte das Rheinland zum zweiten Hollywood machen. Und um zwei Kernprojekte für diese Politik, den Bau gigantischer Filmstudios in Köln-Ossendorf und den Verbleib des TV-Senders RTL in der Domstadt, wickelten Esch und Schröder Oppenheim-Esch-Fonds.

Mit Kölsch: Esch und Matthias Graf Krockow (lks) während der Grundsteinlegung für die Kölnmesse im Jahr 2004

Briefkastenfirmen, Scheinverträge, Zettel über Millionensummen

Wie Oberstaatsanwalt Alexander Fuchs nachzeichnet, kamen dabei offenkundig diverse Mittel zum Einsatz, die sich mit ordnungsgemäßen Geschäftsgebaren nicht unbedingt vereinbaren lassen: Briefkastenfirmen, Scheinverträge, mündliche Vereinbarungen und handschriftliche Papiere über Millionensummen, die nirgendwo ablegt wurden, Verzicht auf die Wertprüfung gestellter Sicherheiten, gezieltes Umgehen des Sparkassengesetzes oder die Übernahme von Mietgarantien Dritter in Millionenhöhe, bei denen von vorneherein klar schien, dass sie eintreten und die Sparkasse belasten würden.

Für die Sparkasse haben die Ankläger in den verschiedenen Tatbeständen mal 350.000 Euro Schaden errechnet, mal zwei Millionen, mal 20 Millionen - insgesamt sei der SKB ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung