US-Sanktionen zwingen Milliardär in die Knie 1 zu 0 für die USA - Oligarch Deripaska gibt auf

Milliardär Deripaska

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Vor wenigen Tagen berichtete manager magazin online, wie empfindlich die Sanktionen der USA gegen den russischen Aluminium-Riesen Rusal dessen Hauptgesellschafter, den russischen Milliardär Oleg Deripaska treffen. Jetzt zieht Deripaska die Konsequenzen und gibt klein bei: Wie Rusal mitteilte, gibt der Aluminium-Tycoon die Kontrolle über den Konzern En+ ab, über den er seine Rusal-Anteile hält. Auch als Vorstandschef trete er zurück, teilte das Unternehmen in Moskau mit.

Über En+ beherrschte Deripaska, der als Vertrauter von Präsident Wladimir Putin gilt, den weltweit zweitgrößten Aluminium-Hersteller Rusal. Deripaska werde seinen Anteil an dem Konzern auf unter 50 Prozent reduzieren, hieß es. Die US-Sanktionsbehörde OFAC wurde um Frist bis Ende Oktober gebeten.

Die USA hatten Anfang April En+, Rusal und den Unternehmer persönlich wegen ihrer Rolle im russischen Machtgefüge mit Sanktionen belegt. Hintergrund sind unter anderem Vorwürfe, Russland habe sich in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt.

Die Maßnahmen gegen Rusal trieben aber auf dem Aluminium-Weltmarkt die Preise hoch. Unternehmen, die Aluminium weiterverarbeiten, warnten vor erheblichen Engpässen. Das Leichtmetall wird unter anderem zur Herstellung von Fahrzeugen und Maschinen verwendet.

Das US-Finanzministerium schwächte deshalb das völlige Verbot von Geschäften mit Rusal ab, forderte aber, dass Deripaska die Kontrolle abgibt. Die russische Führung diskutiert, wie ihm und anderen betroffenen Oligarchen geholfen werden kann, zum Beispiel durch eine Verstaatlichung von Firmenanteilen.

Vermögen löst sich in Luft auf

Insidern zufolge versucht Rusal händeringend, die Regierung in Washington zum Einlenken zu bewegen. Konzernnahen Kreisen zufolge will das Unternehmen dazu die Führungsspitze komplett umbauen. In Kürze solle ein unabhängiger Verwaltungsrat berufen werden, der ein neues Management installieren werde, sagten zwei Insider am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

"Rusal ist in Kontakt mit den US-Behörden und hofft, dass der Schritt ausreicht, um von der Sanktionsliste genommen zu werden", erläuterte einer der beiden.

Es blieb allerdings zunächst unklar, ob die angekündigten Schritte von Rusal und Deripaska die USA dazu bringen werden, ihre Sanktionen gegen Rusal aufzuheben. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte, eine Reduzierung der Beteiligung für sich genommen könne dies nicht garantieren. Rusal wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Jüngst hatte die Regierung in Washington angedeutet, dass sie den Konzern von der Sanktionsliste nehmen könnte, falls Deripaska die Kontrolle über Rusal abgeben würde.

Sollte das Unternehmen keinen Erfolg in seinen Verhandlungen mit den amerikanischen Behörden haben, müsste es seine Aluminiumausfuhren dauerhaft einstellen und sich auf den heimischen Markt beschränken, sagte einer der Insider. "In dem Fall würde sich Rusal vom Weltmarkt zurückziehen, und das will natürlich niemand", führte er aus.

Die Anfang April verhängten Strafmaßnahmen haben bereits weitreichende Auswirkungen. So büßten die in Hongkong gelisteten Rusal-Aktien seitdem fast 60 Prozent an Wert ein. Die Aluminiumpreise schossen drastisch nach oben, was Firmen auf der ganzen Welt trifft, auch in den USA. Unter anderem drohen nun Autoteile und Getränkedosen teurer zu werden.

Auch Deripaska persönlich wurde durch die Maßnahmen der USA getroffen. Wie manager magazin online bereits berichtete, löste sich das Vermögen des Milliardärs zu einem großen Teil in Luft auf. Auf der jährlichen "Forbes"-Liste der reichsten Menschen weltweit stand der Russe noch vor Kurzem mit einem Vermögen von 6,7 Milliarden Dollar an 248. Stelle. Nach dem Kurssturz hat er nun laut Bloomberg etwa 3,8 Milliarden Dollar, also etwas mehr als drei Milliarden Euro weniger auf dem Konto.

Insgesamt, so berichtet der News-Dienst schrumpfte das Vermögen Deripaskas in diesem Jahr sogar schon um 4,7 Milliarden Dollar. Damit erlitt er unter allen reichen Russen den größten materiellen Schaden durch die Sanktionen seitens der USA, heißt es.

cr/rtr/dpa-afx
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