Freitag, 19. Juli 2019

Lufthansa und Air Berlin Noch kein Schub durch Ölpreis-Sturz

Das Hedging - also die Absicherung gegen rapide Schwankungen - sei für die Lufthansa derzeit kein gutes Geschäft

Ölpreis im Sinkflug  - Lufthansa und Air Berlin spüren das nur bedingt. Der billige Rohstoff soll so richtig erst zum Jahresende seine positive Wirkung bei den Unternehmen zeigen. Wollten die Fluglinien stärker profitieren, müssten sie wohl mehr Risiken bei ihren Absicherungsgeschäften eingehen.

Frankfurt am Main - Der Absturz des Ölpreises ist noch kein Segen für die beiden größten deutschen Fluglinien Lufthansa und Air Berlin. "Die große Entlastung gibt es derzeit noch nicht", sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Dienstag.

Nach derzeitigem Stand dürften die günstigen Treibstoffpreise die Tankrechnung erst Ende des Jahres schmälern. Grund: Die zweitgrößte deutsche Airline sichert sich - ebenso wie die Lufthansa - mit speziellen Geschäften gegen Ölpreisschwankungen ab. Damit ist die Fluglinie vor plötzlichen Preisanstiegen gefeit, profitiert aber nicht unmittelbar von sinkenden Ölnotierungen.

Für viele Airline-Chefs ist der aufwendige Schutz vor rapiden Schwankungen - das sogenannte Hedging - unabdingbar, da die Ausgaben für Kerosin üblicherweise etwa ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen.

"Wir wollen Planungssicherheit und sind mit unserer Absicherungsstrategie in Vergangenheit sowohl bei hohen als niedrigen Ölpreisen gut gefahren", sagte ein Sprecher der Lufthansa. Der größte europäische Luftfahrtkonzern sichert im Monat grundsätzlich jeweils bis zu 5 Prozent der Kerosin-Ausgaben für bis zu 24 Monate ab. Damit werden bis zu 85 Prozent des Bedarfs abgesichert.

Das Hedging ist für die Lufthansa derzeit aber kein gutes Geschäft: Im Oktober rechnete der Konzern vor, dass sich die Absicherung ab einem Ölpreis von 109 Dollar je Fass auszahlt. Aktuell kostet ein Barrel der in Europa verbreiteten Sorte Brent nur noch gut 50 Dollar - im Juni waren es noch 116 Dollar.

Rivale Air Berlin prüft nach Aussage eines Sprechers deshalb, ob der Hedging-Grad künftig abgesenkt wird. Derzeit sichert die defizitäre Airline für bis zu 18 Monate 70 bis 75 Prozent des Kerosineinkaufs ab. Die meisten Airlines werden nach Aussage von Tony Tyler, Chef des Branchenverbands IATA, bei ihren Hedging-Strategien bleiben. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass der Ölpreis nach einem Fall von 30 Prozent in drei Monaten locker in drei Monaten um 30 Prozent steigen kann."

rei/rtr

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