80 Prozent plus seit Januar Öl nahe 50 Dollar - was jetzt den Preis bewegt

Ölfeld im Irak: Wie lange steigt der Ölpreis noch?

Ölfeld im Irak: Wie lange steigt der Ölpreis noch?

Foto: © Atef Hassan / Reuters/ REUTERS

Seit seinem Tief im Januar ist der Ölpreis bereits um 80 Prozent gestiegen. Jetzt nähert er sich erstmals in diesem Jahr der Marke von 50 Dollar je Barrel. Die Frage ist: Wie lange kann die Rallye noch andauern?

Die "Financial Times " hat die aktuell fünf wichtigsten Einflussfaktoren zusammengestellt, auf die Marktteilnehmer achten sollten. Denn sie sind für die künftige Richtung des Ölpreises entscheidend.

Nigeria, Venezuela und andere schwächelnde Opec-Staaten

Ölplattform in Nigeria

Ölplattform in Nigeria

Foto: PIUS UTOMI EKPEI/ AFP

Laut "FT" befinden sich verschiedene Opec-Mitglieder in Folge des langanhaltenden Ölpreisverfalls der vergangenen Jahre in Schwierigkeiten. Ein Beispiel sei Nigeria, der einst größte Ölproduzent Afrikas, dessen Output zuletzt aufgrund von Unruhen im Lande um 40 Prozent abgesackt sei, so die "FT".

Große Ölgesellschaften wie Shell oder Chevron haben demnach bereits einen Teil ihrer Leute aus dem Land abgezogen.

Schwierigkeiten gibt es zudem in Libyen sowie in Venezuela, wo Präsident Nicolás Maduro für 60 Tage den Notstand ausgerufen hat. Das Schicksal dieser wankenden Opec-Staaten dürfte für die künftige Entwicklung des Ölpreises mitentscheidend sein.

Die Sache mit der Angebotsverknappung

Waldbrände in Kanada

Waldbrände in Kanada

Foto: REUTERS

Schwächelnde Opec-Staaten sind indes nicht der einzige Auslöser für einen Engpass auf der Angebotsseite am Ölmarkt. Die Waldbrände in Kanada beispielsweise haben mehr als ein Fünftel der dortigen Ölproduktion lahmgelegt.

Auch in den USA und China bleibt die Ölproduktion angesichts des insgesamt niedrigen Preisniveaus hinter früheren Jahren zurück. Die Folge: Erstmals seit Jahren sehen Analysten einen Nachfrageüberhang am Ölmarkt.

Die US-Bank Goldman Sachs, bislang eher pessimistisch was die Ölpreisentwicklung angeht, hat daher ihre Prognose für das zweite Quartal 2016 bereits nach oben geschraubt.

Der große Unbekannte aus der Wüste

Ölfeld in Saudi-Arabien

Ölfeld in Saudi-Arabien

Foto: epa Jamal Nasrallah / picture-alliance/ dpa

Der größte Ölproduzent der Welt ist gleichzeitig eine der größten Unbekannten in der Ölpreisrechnung. Die Frage, ob und wann Saudi-Arabien seine Produktion ausweiten wird, gehört zu den wohl meist diskutierten.

Bislang blieben die erhofften Anzeichen einer Produktionserhöhung allerdings aus. Von 2014 bis Juni 2015 stieg die tägliche Förderung Saudi-Arabiens von 9,6 Millionen Barrel auf 10,6 Millionen, so die "FT". Seither ist sie jedoch vergleichsweise stabil geblieben.

Kein Wunder: Saudi-Arabien gehört zu den Ländern mit den niedrigsten Produktionskosten. Der Wüstenstaat kann mit einem geringen Ölpreis also besser leben als die meisten Konkurrenten. Und jedes weitere Barrel an Öl, das Saudi-Arabien aus der Erde holen würde, würde die durchschnittlichen Kosten erhöhen, so die "FT".

US-Anbieter schauen besonders auf die 50-Dollar-Marke

Fracking-Anlage in den USA

Fracking-Anlage in den USA

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Die US-Fracking-Industrie gehört zu den Haupt-Leidtragenden des bis vor Kurzem seit zwei Jahren fallenden Ölpreises. Denn die Fördermethode ist besonders kostspielig - die Produzenten gerieten also mit als erstes in Bedrängnis.

Die Frage ist: Wie stark können die US-Anbieter angesichts wieder steigender Preise wieder ins Geschäft einsteigen. Laut "FT" hat die staatliche Energiebehörde ihre pessimistische Einschätzung für 2016 bereits ein Stück weit korrigiert. Einige Unternehmen sagen, oberhalb der 50-Dollar-Marke lohne sich die Förderung wieder, so die "FT".

Ein Problem könnten allerdings die Banken darstellen, die die US-Ölproduzenten angesichts der schlechten Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre nun zwängen, ihre Produktion künftig stärker abzusichern. Das könnte den Aufwärtstrend des Ölpreises bremsen, schreibt die "FT".

Hedgefonds und andere schwer berechenbare Spekulanten

Händler an der Rohstoffbörse in New York

Händler an der Rohstoffbörse in New York

Foto: A2800 epa Justin Lane/ dpa

Eine Unbekannte am Ölmarkt stellen auch Hedgefonds dar, die auf den Tiefständen im Januar, bei Preisen von zeitweise weniger als 30 Dollar je Barrel, spekulativ gekauft haben. Wie werden diese Player sich bei steigenden Preisen nun verhalten?

Laut "FT" haben einige Hedgefonds ihre Positionen zuletzt bereits wieder aufgelöst und Gewinne realisiert. Sollten das weitere Investoren tun, könnte starker Verkaufsdruck am Markt entstehen, so die Zeitung.

Andererseits bewegt sich der Ölpreis noch weit unter seinen früheren Niveaus von 100 Dollar je Barrel und mehr. Gut möglich also, dass auch auf dem aktuellen Niveau weitere Spekulanten in den Markt gehen und auf steigende Preise wetten.

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