Montag, 14. Oktober 2019

AMS-Übernahme gescheitert - vorläufig Ob Osram will oder nicht - das Tauziehen geht weiter

Leuchten von Osram: Das Gezerre um das Münchener Unternehmen wird weitergehen.

Waren die Aktionäre mit der Fülle der Optionen überfordert? In einem Bietergefecht, wie es nur selten zu beobachten ist, konkurrierten in den vergangenen Wochen insgesamt drei Parteien um die Übernahme des Beleuchtungsherstellers Osram Börsen-Chart zeigen. Seit diesem Wochenende steht jedoch fest: Die Anteilseigner entschieden sich für keinen der drei Interessenten. Am Freitag gab der österreichische Sensorhersteller AMS bekannt, dass seine Offerte gescheitert ist. Ein zugleich laufendes Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain und Carlyle galt bereits seit Längerem als chancenlos. Und die dritte Offerte, die Bain Ende September gemeinsam mit der Investmentgesellschaft Advent in Aussicht gestellt hat, ist bislang noch nicht einmal offiziell geworden.

Damit steht fest: Osram bleibt eigenständig - jedenfalls vorerst. Zwar hat Osram-Chef Olaf Berlien angesichts des Scheiterns der bisherigen Übernahmeversuche bereits beteuert, die Zukunft des Unternehmens nun selbst gestalten zu wollen. Dass die Interessenten nach dem jüngsten Rückschlag aufgeben und Osram in der von Berlien beteuerten Eigenständigkeit lassen werden, ist jedoch unwahrscheinlich.

Mit AMS jedenfalls hat zumindest einer der drei Kaufaspiranten bereits angekündigt, am Ball bleiben zu wollen. Kein Wunder: AMS verfügt nach den Anstrengungen der vergangenen Wochen über ein Aktienpaket von immerhin rund 20 Prozent an Osram. Darauf lässt sich aufbauen - und genau das hat AMS-Chef Alexander Everke offenbar vor.

Er wolle "im Dialog mit Osram" auf seine "Stellung als größter Aktionär von Osram aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen und so eine solide Zukunft für das Unternehmen zu sichern", so Everke bereits am Freitag. An der "Sinnhaftigkeit der Übernahme" habe sich schließlich nichts geändert, ist der AMS-Chef überzeugt.

AMS braucht Freigabe für weitere Aktienkäufe

Ein neues Übernahmeangebot durch AMS ist zwar vorläufig nicht möglich. Damit muss das Unternehmen - sofern es kein anderweitiges Signal des Osram-Managements gibt - mindestens ein Jahr warten. Denkbar erscheint jedoch, dass AMS wie angekündigt den Dialog mit dem Osram-Management suchen wird - und umgekehrt. Auch auf Seiten der Münchener besteht womöglich Interesse an einer Kooperation, und sei es mit AMS als starkem Ankeraktionär mit einer langfristigen Beteiligung von vielleicht 20 oder 25 Prozent.

Unabhängig davon könnte AMS aber weiterhin auch am Kapitalmarkt sein Ziel verfolgen. Das Problem dabei: Um über die gegenwärtigen 19,9 Prozent an Osram, die AMS bereits besitzt, hinauszugehen, benötigen die Österreicher bestimmte kartellrechtliche Freigaben. Diese dürfte das Unternehmen also zunächst beantragen. Bis sie gewährt werden, dauert es jedoch üblicherweise mehrere Monate. Solange dürfte AMS zumindest öffentlich als Osram-Interessent kaum mehr in Erscheinung treten.

Für AMS hat das auch Vorteile: Der Aktienkurs von Osram dürfte in den nächsten Wochen sinken, wenn der Markt realisiert, dass es zu keinem weiteren Übernahmeangebot kommt. Sobald die kartellrechtlichen Freigaben erteilt sind, kann sich AMS also womöglich sogar günstiger mit weiteren Aktien eindecken.

Finanzinvestoren wohl aus dem Rennen

Jedenfalls stehen die Chancen Finanzkreisen zufolge für die noch im Spiel befindlichen Finanzinvestoren sehr schlecht, noch zum Zuge zu kommen. Zwar hat sich Bain, als das Scheitern der Offerte mit Carlyle sich abzeichnete, mit dem Finanzinvestor Advent zusammengetan. Das Duo stellte ein "signifikant höheres" Angebot als AMS' zunächst offerierte 38,50 Euro je Aktie in Aussicht und machte in den vergangenen Tagen Due Diligence.

Problem allerdings: Um den für die Finanzierung der Übernahme erforderlichen Beherrschungsvertrag mit Osram abschließen zu können, benötigen Bain und Advent 75 Prozent der Stimmen auf der Osram-Hauptversammlung. Um diese Quote sicherzustellen, verlangten die Banken für den Übernahmeversuch von Bain und Carlyle eine Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent. Diese wäre de facto wohl nur noch erreichbar, wenn AMS sein 20-Prozent-Paket andienen würde - wofür nichts spricht. Allein 10 Prozent der Papiere liegen bei Indexfonds, die erfahrungsgemäß erst einreichen, wenn feststeht, dass eine Übernahmeofferte erfolgreich ist. Weitere 20 Prozent liegen bei privaten Kleinaktionären und sind für jeden Übernahmeinteressenten äußerst schwer einzusammeln.

Bleibt also wohl nur AMS als künftiger Großaktionär von Osram - oder mehr. Nach kartellrechtlicher Freigabe könnten die Österreicher ihre Anteile über Aktienkäufe an der Börse weiter aufstocken, bis mit 30 Prozent die nächste runde Marke erreicht wäre. Dann ist das Unternehmen laut Gesetz dazu verpflichtet, ein öffentliches Übernahmeangebot für Osram zu unterbreiten.

Da es sich um ein Pflichtangebot handelt, braucht AMS dafür dann auch nicht mehr die Genehmigung des Osram-Vorstands. Und muss laut Gesetz auch nur den Durchschnittskurs der drei Monate davor bieten, der deutlich unter 41 Euro liegen dürfte.

Es sieht alles danach aus, dass sich das Gezerre um Osram noch lange hinziehen wird.

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