Mittwoch, 24. Juli 2019

GDL-Rivalin Bei der Bahn droht wieder Streik - diesmal durch die EVG

Wartende: Die Bahn will konkurrierende Tarifabschlüsse mit zwei Gewerkschaften für dieselbe Beschäftigtengruppe vermeiden

Machtkampf der Bahn-Gewerkschaften: Nach den Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL droht nun auch die Rivalin EVG mit Arbeitsniederlegungen. Kommende Woche wollen Arbeitnehmervertreter und Bahn verhandeln.

Berlin - Bei der Bahn könnte es trotz der Annäherung mit der Lokführergewerkschaft GDL bald zu neuen Streiks kommen. Diesmal droht die größere Bahngewerkschaft EVG mit Arbeitsniederlegungen. EVG-Chef Alexander Kirchner warnte im "Tagesspiegel am Sonntag" vor einer Einigung zwischen Bahn und GDL auf Kosten seiner Organisation. "Es kann nicht die Lösung sein, am Ende zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Inhalten zu haben", sagte er. "Dann werden wir für unsere Interessen eintreten, notfalls mit einem Arbeitskampf."

Hintergrund des seit Monaten schwelenden Tarifkonflikts ist die Konkurrenz der beiden Gewerkschaften. Die GDL hatte kürzlich mit einem Streik mehr als drei Tage große Teile des Zugverkehrs lahmgelegt.

Inhaltlich verlangt die GDL kürzere Arbeitszeiten, bessere Schichtpläne sowie fünf Prozent mehr Lohn. Im Kern geht es ihr aber darum, nicht mehr nur für die 20.000 Lokführer zu verhandeln, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Für diese Berufsgruppe schließt jedoch bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Tarifverträge mit der Bahn. Die GDL spricht umgekehrt der EVG nicht das Recht ab, auch für ihre Mitglieder bei Lokführern und anderen Gruppen Verträge zu schließen.

Die Bahn will konkurrierende Tarifabschlüsse mit zwei Gewerkschaften für dieselbe Beschäftigtengruppe vermeiden. Der Staatskonzern will nach wiederholten Arbeitsniederlegungen der Lokführer und dem längsten Streik in seiner Geschichte am Dienstag und Freitag mit den Gewerkschaften verhandeln.

Ein weiterer Grund für den erbitterten Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL ist die nach Einschätzung der Gewerkschaft zu dünne Personaldecke. Die Folge seien zahlreiche Überstunden und familienunfreundliche Schichtpläne, moniert die GDL.

Die Bahn stockt derzeit ihr Personal auf. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres seien rund 9500 neue Mitarbeiter eingestellt worden, bestätigte eine Sprecherin der Bahn einen Bericht der "Welt am Sonntag". Abzüglich der Abgänge stelle das einen Personalzuwachs von 1500 Mitarbeitern dar. Auch im kommenden Jahr solle die Belegschaft wachsen. Zudem hat die Bahn dem Bericht zufolge dieses Jahr mit 3700 Auszubildenden alle vorgesehenen Plätze besetzt und mehr als 2500 Azubis übernommen.

ts/rtr

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