Montag, 19. August 2019

Billigflieger in Not Wie zwei alte Männer Norwegian Air vor dem Grounding bewahren wollen

Bjorn Kjos und John Fredriksen: Die beiden gebürtigen Norweger wollen den Billigflieger Norwegian vor dem Grounding bewahren
AFP; REUTERS
Bjorn Kjos und John Fredriksen: Die beiden gebürtigen Norweger wollen den Billigflieger Norwegian vor dem Grounding bewahren

Damit, wie man Abstürze verhindert, kennt Bjoern Kjos sich aus. In seinen jungen Jahren als Starfighter-Pilot in der norwegischen Luftwaffe hat der Chef des Billigfliegers Norwegian gelernt, wie man es schafft, auch in brenzligen Situationen die Kontrolle über den Flieger zu behalten. "Man musste die Regeln genau beachten", erklärte er einmal. Mit 72 Jahren muss Kjos jetzt noch einmal einen Absturz verhindern - den seiner eigenen Fluglinie. Und er scheint dabei auf die gleichen Qualitäten zu setzen, die er auch bei seinen Patrouillenflügen im kalten Krieg anwandte: kontrolliert agieren und sich nicht aus Angst zu unbedachten Fehlern hinreißen lassen.

Norwegian hat es in den 26 Jahren seit der Gründung in eine beträchtliche Flughöhe gebracht. Mit 37 Millionen Passagieren alleine 2018 ist sie aktuell hinter Ryanair und Easyjet der drittgrößte unabhängige europäische Billigflieger. Doch die Airline, die sich Anfang der 2000er Jahre aus der Bedeutungslosigkeit heraus mit einer teils atemberaubenden Geschwindigkeit aufmachte, den europäischen und später auch den außereuropäischen Luftverkehr zu erobern, ist in eine tiefe Krise geraten.

2017, das letzte Jahr für das endgültige Zahlen vorliegen, schrieb die Airline einen Verlust von 1,8 Milliarden Norwegischen Kronen (rund 186 Millionen Euro). 2018 soll sich der operative Verlust laut vorläufigen Zahlen sogar auf 390 Millionen Euro belaufen haben. Damit verbrannte sie umgerechnet mehr als eine Million Euro pro Tag. Zu viel für die Börse: Der Aktienkurs ist seit Mitte 2015 um fast 70 Prozent abgestürzt.

Den Grund für Norwegians Sturzflug sehen Beobachter in deren ungezügelten Expansionsdrang, der zu Hochzeiten in der Branche noch mit einer Mischung aus Erschauern und Bewunderung quittiert worden war. So soll Ryanair-Chef Michael O'Leary die Tatsache, dass Norwegian alleine 2012 ganze 222 neue Flieger orderte, mit dem Aufschrei: "Sind die in Oslo wahnsinnig geworden?", quittiert haben.

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