Donnerstag, 19. September 2019

Technologie-Konzern Nokia prüft Zusammenschluss mit Juniper Networks

Nokia: Das IT-Urgestein steht vor einer Strategiewende

2. Teil: Nokia wird attraktiv für renitente Investoren

Dabei wird auch eine Übernahme Junipers durchgespielt. Zwar wäre der Kauf des US-Konzerns für Nokia eine finanzielle Herausforderung: Über den aktuellen Börsenwert Junipers von knapp 14 Milliarden Dollar (10 Milliarden Euro) hinaus müsste Nokia den Juniper-Aktionären eine Übernahmeprämie anbieten. Doch könnte auch Junipers eigener Kassenbestand von 3,1 Milliarden Dollar (Ende 2013) zur Finanzierung des Kaufs herangezogen werden. Nokia teilte mit, das Unternehmen äußere sich nicht zu Marktspekulationen. Ein NSN-Sprecher lehnte jeden Kommentar ab.

Gelingt Suri der Aufstieg an die Nokia-Spitze, wäre dies intern indes durchaus umstritten. Vor einigen Wochen erst war in der Nokia-Zentrale eine ungewöhnliche Beförderung bei NSN aufgestoßen: Die NSN-Managerin Kathrin Buvac stieg Anfang 2013 von Suris Assistentin in die NSN-Geschäftsführung auf und verantwortet dort seither Strategie sowie Suris Vorstandsbüro - ohne vorher jemals größere Führungserfahrung gesammelt zu haben. Daraufhin sei eine interne Untersuchung eingeleitet worden, heißt es in NSN-Kreisen. Verfehlungen Suris seien darin jedoch nicht nachgewiesen worden. Der NSN-Sprecher sagte dazu nur, Buvac, die 2003 ihr Wirtschaftsinformatik-Diplom an der Dualen Hochschule in Stuttgart abgeschlossen hat, sei eine "extrem talentierte und versierte Führungskraft" mit "extensiver Strategie- und Managementerfahrung".

Verkauf des Handy-Geschäfts spült frisches Geld in Nokias Kasse

Der künftige Nokia-Chef wird schnell und beherzt anpacken müssen. Ein Zusammenschluss mit Juniper Networks wäre für Nokia noch kein strategischer Durchbruch. Juniper ist selbst ein Restrukturierungs-Fall und steht derzeit unter Beschuss seines neuen Großaktionärs Elliott Management. Der Vorstoß gäbe dem Nokia-Management aber Munition, um sich gegen allzu große Begehrlichkeiten von außen wehren zu können.

Denn das finnische Unternehmen wird nach dem Verkauf seines Handy-Geschäftes rund 7,5 Milliarden Euro in bar in der Kasse haben - und drei Geschäftsbereiche ohne jegliche Synergien. Neben NSN unterhält Nokia noch ein Geschäft mit digitalen Landkarten, Here, sowie eines mit Patenten. Das macht Nokia attraktiv für renitente Investoren, die Nokia zerschlagen und üppige Dividenden fordern könnten.

Neben dem bereits bei Nokia eingestiegenen Yahoo-Aufwiegler Daniel Loeb haben bereits weitere Hedge-Fonds Nokia-Anteile angehäuft, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens. Darunter soll sich auch der US-Investor Perry Capital befinden. Perry Capital Management war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch strategische Investoren spielen den Kauf der angeschlagenen finnischen Unternehmens-Ikone - und seine Zerschlagung - derzeit durch. Nokias Zukunft hat damit gerade erst begonnen.

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