Wie Nike+ den Sportmarkt aufmischen soll Nikes Pläne mit der Apple Watch

Apple Watch mit Nike+: Nike hat eine eigene Entwicklung zugunsten der Kooperation mit Apple aufgegeben

Apple Watch mit Nike+: Nike hat eine eigene Entwicklung zugunsten der Kooperation mit Apple aufgegeben

Foto: REUTERS

Diesem Auftritt hat Nike-Markenchef Trevor Edwards Monate entgegen gefiebert: Mit der Vorstellung der neuen Apple Watch Nike+ hat er in der Branche tatsächlich für Furore gesorgt. Sein Versprechen: Künftig soll Laufen mit dem wasserdichten Tracker so einfach sein wie nie, das Tragen eines Smartphones sei nicht mehr nötig und Läufe ließen sich per Kommando an Siri einfacher starten als je zuvor. Kurz, die neue Uhr, so Edwards in typischer US-Manier, biete die "beste Lauferfahrung aller Zeiten".

Natürlich können auch andere Sportkonzerne und App-Betreiber wie Under Armour, das zu Adidas  gehörende Runtastic oder Freeletics Anwendungen für die Apple Watch anbieten. Ein Angebot, das Under Armour bereits angekündigt hat. Über den Vorteil eines eigenen Modelles und exklusive Anbindung verfügt bislang aber nur Nike.

Es sind große Versprechungen, die Nike mit dem neuen Gadget verknüpft. Und große Hoffnungen. Schließlich hat der Sportartikler, der einst mit dem hauseigenen Fuel Band zu den digitalen Hardware-Pionieren gehörte, bereits vor Jahren sein Schicksal eng mit dem Apples verknüpft, als er seinen hauseigenen Tracker 2014 zugunsten der Kooperation mit Apple  beerdigte.

Und das zu einer Zeit, als Apples Uhr noch gar nicht auf dem Markt war.

Damit schlug Nike einen anderen Weg ein als viele seiner Konkurrenten. Under Armour, das wie Nike massiv auf digitale Technik setzt, hat erst vor einigen Monaten ein eigenes Selbstvermessungsset samt Tracker auf den Markt gebracht, das der Konzern zusammen mit HTC entwickelt hat. Und auch Adidas  unterhält mit micoach ein eigenes Hardwaresystem.

Nike setzt auf die Magie von Apple - und auf den Netzwerk-Effekt

Denn tatsächlich gibt es durchaus Geräte, die schon jetzt genau das können, was auch Apple  für die zweite Generation seiner Geräte angekündigt hat. Allerdings setzt Nike darauf, dass der für sein intuitives Design berühmte Apple-Konzern dies auch bei der Apple Watch besser umsetzt als die Konkurrenz. Dass er mit seiner Uhr, wie beim iPhone, Massen von Menschen begeistert - und Nike allein durch den damit verbundenen Netzwerk-Effekt ein massiver Vorsprung entsteht.

Es gehe darum, so Edward, den Kunden statt der ganzen "komplexen, schwer zu lesenden Geräte auf dem Markt" eine "einfache Lösung" zu bieten, bei der, so Edwards, nicht die Daten, sondern das Leben im Zentrum steht.

Eine Ansage, die allerdings nicht für Nike und Apple selbst gilt. Denn für Nike und Apple geht es genau darum. Natürlich hofft Apple, durch die Nike-Kooperation auch Kunden zu gewinnen, die bislang statt zu einer klassischen Smartwatch vielleicht eher zu einem Fitnesstracker gegriffen hätten.

Auch Apple hat großes Interesse an den Daten

Doch auch Apples Interesse gilt massiv den Daten. Daten, mit denen die Konzerne die Bedürfnisse ihrer Kunden besser verstehen und so mehr Umsatz generieren können. Und die Nike helfen sollen, noch mehr Trikots, Hosen und Sportschuhe an den Mann und an die Frau zu bringen.

Denn genau diese Communities, zu denen sich Sportler zugehörig fühlen, haben die Konzerne in den vergangenen Jahren als Umsatztreiber entdeckt und begonnen, massiv darin zu investieren. So besitzen fast alle Sportartikelhersteller eigene Apps, Nike den Nike+ Run Club, Adidas Runtastic, Under Armour Myfitnesspal, Mapmyfitness und Endomondo - auf denen sie enge Bande mit den Nutzern knüpfen können.

Sollte die Apple Watch Nike+ zum Erfolg werden, könnte dies für Nike Millionen neue Kunden bedeuten - und damit einen enormen Sprung nach vorne im Wettbewerb mit der Konkurrenz.

Doch so einfach, wie geplant, muss es nicht werden. Schließlich war schon bei der Vorstellung des ersten Apple Watch Modells der erwartete grandiose Siegeszug zunächst ausgeblieben.

Und doch - rund 12 Millionen Modelle der Uhr gingen laut Analystenschätzungen im ersten Verkaufsjahr über die Ladentheken - und damit doppelt so viele wie der erste Jahresabsatz von iPhones .

Und immerhin hat es Apple geschafft, sich vom Stand aus bei den Smartwatches auf den ersten Platz zu katapultieren mit zuletzt 47 Prozent Marktanteil laut den Marktforschern von IDC . Bei den Wearables reichte es laut IDC zuletzt immerhin für Platz drei hinter Fitbit und Xiaomi. Ein Markt, der nach Einschätzung der Marktforscher von CCS Insights bis 2020 auf 34 Milliarden Dollar anwachsen sollte.

Momentan sind es allerdings vor allem günstige Fitnesstracker, die sich gut verkaufen - und die vier Fünftel des Marktes ausmachen. Und nicht Smartwatches für mehr als 400 Euro, wie die Apple Watch Nike+.

Die Konkurrenz scheint trotzdem Nikes und Apples Vorstoß sehr ernst zu nehmen. So konzentriert sich Microsoft Berichten zufolge künftig auf seine Gesundheitsplattform, statt in diesem Jahr noch einen neuen Fitnesstracker auf den Markt zu bringen.

Und auch Marktführer Fitbit, der sein Sortiment vom einfachen Tracker zuletzt in Richtung teurerer, leistungsfähigerer Smartwatches erweitert hat, hatte im Vorfeld der Apple-Watch-2-Vorstellung sein Werbebudget massiv aufgerüstet, um der Marktmacht aus Cupertino etwas entgegen halten zu können - und im Edel-Segment nicht einzubrechen .

Ein klarer Durchmarsch nach dem Motto "Just do it" dürfte Nike daher noch lange nicht sicher sein.

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