Reaktion auf Niedrigzinsen Krankenkassen würden stark in Aktien investieren - wenn sie dürften

Um eine höhere Rendite zu erwirtschaften, sollen Gesetzliche Krankenkassen einen Teil ihrer Rücklagen auch in Aktien investieren dürfen. Den Kassen reicht das bei weitem nicht. Sie fordern Aktienquoten von bis zu 30 Prozent und weitere Freiheiten bei der Anlage.
Lizenz zum Zocken? Wohl eher nicht. Krankenkassen sollen wegen der Niedrigzinsen vorsichtig in Aktien investieren dürfen.

Lizenz zum Zocken? Wohl eher nicht. Krankenkassen sollen wegen der Niedrigzinsen vorsichtig in Aktien investieren dürfen.

Foto: Harald Tittel/ dpa

Die Niedrigzinsen machen es möglich: Die Gesetzlichen Krankenkassen sollen bei der Anlage ihrer Rücklagen künftig mehr Risiken eingehen und auch in Aktien investieren dürfen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"  unter Berufung auf einen Gesetzentwurf der Bundesregierung.

Allerdings soll sich die Aktienanlage auf die Reserven begrenzen, die die Kassen für die betriebliche Altersvorsorge ihrer Angestellten bilden. Zudem sollen die Kassen hier auch nur 10 Prozent des Analagebetrags in Aktien investieren dürfen.

So sollen "grundsätzlich bestehende Verlustrisiken begrenzt werden". Auch wäre die Anlage nur auf in Euro ausgegebene Aktien zulässig, das Management müsse "passiv und indexorientiert" ausgerichtet sein.

Das heißt: Wegen der Beschränkung auf die Altersrückstellungen dürften die Kassen ihre Finanzreserven von derzeit 14,5 Milliarden Euro auch künftig nicht in Aktien anlegen. Rücklagen würden wie Betriebsmittel bewertet und müssten daher kurzfristig verfügbar sein müssen.

Krankenkassen fordern höhere Aktienquote von bis zu 30 Prozent

Die Krankenkassen begrüßten den Vorstoß der Bundesregierung, er gehe ihnen aber nicht weit genug. Sie plädierten für eine höhere Quote von 20 Prozent. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) forderten gar eine Aktienquote von 30 Prozent. Bei einer geringeren Quote bestehe die Gefahr, dass Kassen für die Altersvorsorge aus Betriebsmitteln zuschießen oder zusätzliche Rückstellungen aus Versichertenbeiträgen bilden müssten, gibt der Bericht Argumente der Kassen wider.

Doch nicht nur an der reinen Quote scheinen sich die Kassen zu stören, sie verlangten auch mehr Freiheiten bei der Anlage an sich. So wollten sie auch in Aktien investieren dürfen, die in ausländischer Währung ausgegeben sind. Damit verbundene Währungsrisiken versuchen Anlageprofis mit Hedging-Strategien abzusichern. Dieses Recht fordere der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen auch für seine Klientel ein, heißt es in dem Bericht.

Bislang lässt der Gesetzgeber risikoreicher Engagements wie in Aktien bei den Altersrückstellungen nicht zu. Höchste Gerichte hatten sie Mitte des vergangenen Jahrzehnts höchstrichterlich untersagt. Gleichwohl hatte manche AOK mit Billigung der Landesaufsicht in Aktien investiert. Die Gesetzesänderung würde solche Engagements nun legalisieren, berichtet die "FAZ" .

rei

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