Mittwoch, 8. April 2020

Infektionen im Staat New York steigen rasant "New York ist in Pause" - Gouverneur verhängt Quarantäne über Stadt und Bundesstaat

Blick auf Manhattan: "Bleiben Sie zu Hause - wir alle befinden uns jetzt in einer Art Quarantäne"

Wegen der Coronavirus-Pandemie werden im US-Bundesstaat New York alle nicht notwendigen Geschäfte geschlossen und Versammlungen verboten. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, kündigte die Maßnahmen am Freitag angesichts schnell steigender Infektionszahlen an. Er rief alle Bewohner des Bundesstaates und der gleichnamigen Millionenmetropole eindringlich auf, möglichst wenig aus dem Haus zu gehen. Alle befänden sich jetzt in einer Art "Quarantäne", sagte Cuomo.

Von der Geschäftsschließung sind unter anderem Lebensmittelgeschäfte und Apotheken ausgenommen. Der öffentliche Nahverkehr wird nicht eingestellt, Essensauslieferungen bleiben erlaubt, wie Cuomo sagte. An der New Yorker Wall Street sorgte die Nachricht für erneute Verunsicherung: Der Dow Jones Börsen-Chart zeigendrehte am Abend erneut ins Minus.

"New York ist in Pause"

Damit hat Cuomo die bislang weitgehendsten Maßnahmen in den USA erlassen. Alle "nicht-überlebenswichtigen" Firmen dürfen ihre Mitarbeiter nur noch von zu Hause aus arbeiten lassen und die rund 19 Millionen Bewohner des Bundesstaates sollen soweit wie möglich zu Hause bleiben, sagte Cuomo. Damit sei der Bundesstaat "in Pause". "Diese Vorgaben werden durchgesetzt. Das sind nicht nur hilfreiche Tipps."

Hintergrund für die drastischen Maßnahmen: Im Bundesstaat New York wurden inzwischen rund 7000 Infektionen gezählt - unter anderem, weil dort inzwischen in großem Umfang getestet wird.

Alleine von Dienstag bis Donnerstag steigerte sich die Anzahl an nachgewiesenen Infektionen um mehr als das Vierfache und lag bei fast 4000. Wegen der lange Zeit nicht durchgeführten Tests und des schlechten Krisenmanagements von Donald Trump erhöhte sich die Dunkelziffer drastisch: Cuomo geht von Zehntausenden tatsächlichen Fällen im Staat aus.

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Bedarf von 30.000 Beatmungsgeräten

Behörden hatten immer wieder gewarnt, das die Kapazitäten der Krankenhäuser in New York nicht ansatzweise auf die Ansteckung breiter Gesellschaftsschichten vorbereitet seien. Für den Bundesstaat rechnet die Regierung mit einem Bedarf von 30 000 Beatmungsgeräten. Im Moment gebe es nur 5000 bis 6000, sagte Cuomo. Er habe Mitarbeiter nach China geschickt, um schnell neue Geräte zu kaufen.

New York ist mit offiziell knapp neun Millionen Einwohnern die größte Stadt der Vereinigten Staaten von Amerika und eines der globalen wirtschaftlichen und kulturellen Zentren. Museen von Weltrang wie das Museum of Modern Art und Dutzende Broadway-Musicals oder Sehenswürdigkeiten wie die Freiheitsstatue sind teilweise schon seit Tagen geschlossen - genauso wie die Schulen für mehr als eine Million Kinder. Nun bekommt "die Stadt, die niemals schläft", eine Zwangspause.

Suche nach medizinischem Personal

In ihrer Vorbereitung auf drastisch steigende Fälle von Schwerkranken sucht New York nun dringend nach zusätzlichem medizinischen Personal und plant, öffentliche Einrichtungen in Not-Krankenhäuser umzuwandeln. Washington sagte bereits die Sendung eines militärischen Krankenhausschiffs mit rund 1000 Kabinen zur Unterstützung zu. Auch logistische Hilfe des Armeekorps der Ingenieure soll kommen.

"Mich erinnert das an den 11. September", sagte Cuomo. "Das ist ein Moment, der Dein ganzes Leben ändert." New York war in den vergangenen Tagen schon deutlich leerer als sonst. Am Montag hatte die Stadt bereits die Schließung unter anderem von Restaurants, Bars, Kinos und Konzerthäusern angekündigt. Cafés und Restaurants dürfen aber noch Essen liefern.

Die Maßnahme wurde eingeführt, nachdem die New Yorker am Wochenende trotz offizieller Warnungen in Scharen zum Abendessen ausgingen oder die Kneipen besuchten. In den vergangenen Tagen fuhr das öffentliche Leben dann Stück für Stück runter. Viele New Yorker arbeiten schon von Zuhause. Auch am Times Square und in der U-Bahn war ungewöhnlich viel Platz, die Stimmung ernst, aber ruhig.

Bürgermeister de Blasio will Ausgangssperre verschärfen

Bürgermeister Bill de Blasio wirbt trotzdem für eine weitere Verschärfung und eine Ausgangssperre, wie sie auch schon in San Francisco an der Westküste besteht. Diese müsste vom Bundesstaat beschlossen werden, Gouverneur Cuomo aber bremste in den vergangenen Tagen und sagte, dass eine solche Maßnahme bislang nicht geplant sei.

Die Behörden rechnen wegen des Stillstands in New York mit einem gigantischen Schaden für die lokale Wirtschaft und befürchten steigende Not in der Bevölkerung. De Blasio hatte die möglichen Ausmaße mit der Großen Depression Ende der 20er-Jahre verglichen. Die New Yorker Verkehrsbetriebe teilten bereits mit, dass sie vier Milliarden Dollar benötigten. Die Zahl der Kunden war um 90 Prozent in den Regionalzügen und 60 Prozent in der U-Bahn zurückgegangen

la/dpa/reuters

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