Aktivisten-Investor Daniel Loeb attackiert Mark Schneider Diese Rosskur verordnet ein US-Investor dem deutschen Nestlé-Chef

Third-Point-Gründer Daniel Loeb: Der Aktivisteninvestor geht Nestlé hart an

Third-Point-Gründer Daniel Loeb: Der Aktivisteninvestor geht Nestlé hart an

Foto: REUTERS

Der aktivistische Großaktionär Third Point verpasst dem Nestlé -Management eine schallende Ohrfeige und erhöht den Druck auf den Schweizer Lebensmittelkonzern, seine Profitablitität zu erhöhen. Der aktuelle "konfuse strategische Kurs" sei nicht geeignet, den Konzern erfolgreich in die Zukunft zu führen, kanzelt Hegdefonds-Milliardär Daniel Loeb in einem am Montag im Internet veröffentlichten Brief das Management ab.

Die Reihe der Vorwürfe ist lang : Der Konzern verschlafe reihenweise Trends, schaffe es nicht, seine Forschung und Entwicklung ausreichend zu Geld zu machen. Der Aktienkurs bliebe hinter den Erwartungen zurück. Und in Schlüsselbereichen verliere der Konzern Marktanteile. Zudem bewege sich das Unternehmen zu langsam bei der Abtrennung nicht strategischer und wenig rentabler Firmenteile. Kurz: Man mache sich Sorgen, dass Nestlé sich der schnell erfolgenden Umwälzungen im Konsumentenverhalten nicht "voll bewusst" sei.

Tatsächlich hat Nestlé, das seit 2017 vom ehemaligen Fresenius-Chef Mark Schneider gelenkt wird, mit schwächelndem Wachstum und der wachsenden Konkurrenz kleinerer Start-ups zu kämpfen, die dem Giganten in den vergangenen Jahren Marktanteile abgejagt haben. Alleine im vergangenen Jahr hat der Aktienkurs um 9 Prozent nachgegeben. 

Der umstrittene Aktivist Loeb, der bekannt dafür ist, Unternehmen seinen Willen aufzudrücken und damit beträchtliche Rendite zu machen, war im vergangenen Jahr mit einer Beteiligung in Höhe von drei Milliarden Dollar oder 1,3 Prozent beim größten Lebensmittelkonzern der Welt eingestiegen. Und hatte als achtgrößter Investor bereits einen Forderungskatalog vorgelegt, was Nestlé seiner Ansicht nach zu tun habe.

Nestlé soll sich von L'Oréal trennen

LOreal auf der L.A. Fashion Week: Loeb will, dass nestlé sich von der Kosmetikbeteiligung trennt

LOreal auf der L.A. Fashion Week: Loeb will, dass nestlé sich von der Kosmetikbeteiligung trennt

Foto: Getty Images/LOreal Professionnel

Dazu zählte auch die Forderung, dass sich Nestlé von seinem rund 23-prozentigen Anteil am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal trennen soll. Eine Forderung, auf die der Konzern bislang nicht einging.

Käufer gäbe es. So hatte beispielsweise L'Oréal- Konzernchef Jean-Paul Agon im vergangenen Februar durchblicken lassen, dass ein Rückkauf des Nestlé-Anteils durchaus in Frage käme und das Unternehmen auch über die finanziellen Mittel verfüge.

Der neue Nestle-Chef Mark Schneider hingegen zeigte sich bislang wenig begeistert von Loebs Ansinnen. Nestlé sei "mit seinem Engagement bei L'Oréal über inzwischen mehr als 40 Jahre ausgesprochen gut gefahren", so seine Bilanz vom vergangenen Juli.

Die neuerlichen Forderungen Third Points kommentierte Nestlé zunächst nicht direkt, verwies aber auf bereits gemachte Fortschritte. "Der Verwaltungsrat und das Management von Nestlé nehmen die Perspektiven aller Aktionäre ernst und begrüßen ihren kontinuierlichen Beitrag", teilte das Unternehmen mit.

Was bisher geschah

Starbucks-Filiale:

Starbucks-Filiale:

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Bei anderen Forderungen hatte sich Nestlé bereits auf den umtriebigen Großaktionär zubewegt: So hatte Schneider im vergangenen Jahr erstmals Gewinnmargenziele eingeführt, ein Aktienrückkaufprogramm eingeleitet,Stellen gestrichen, und für umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro das Handelsgeschäft von Starbucks übernommen, um im Kaffeesegment dem neuen Widersacher JAB in den USA etwas entgegenzusetzen. Zudem kaufte Nestlé für angeblich rund 360 Millionen Dollar die Mehrheit der US-Hipster-Kaffeekette Blue Bottle.

Zudem trennte sich der Konzern von einigen Marken - so beispielsweise vom US-Süßwarengeschäft,das für 2,8 Milliarden an Ferrero ging. Verkäufe, die allerdings nur rund 2 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten. Und die hinter anderen Konsumgüterherstellern wie Procter&Gamble oder Unilever zurückbleiben, die auf die neuen Herausforderungen in der Branche mit teils deutlich drastischeren Maßnahmen reagieren.

Schneider soll ausmisten - rund ein Siebtel des Geschäfts

( Butterfinger, Baby Ruth und Raisinets: Verkäufe wie die des US-Süßwarengeschäftes will Third Point mehr sehen

( Butterfinger, Baby Ruth und Raisinets: Verkäufe wie die des US-Süßwarengeschäftes will Third Point mehr sehen

Foto: STAN HONDA/ AFP

Zu langsam und zu wenig für Loeb. Er will, dass Nestlé schneller und umfassender handelt. Rund 15 Prozent des Geschäftes sollte Nestlé nach seiner Ansicht zur Disposition stellen, weil es entweder nicht schnell genug wächst, nicht genug Marge abwirft oder nicht zum aktuellen Fokus des Lebensmittelriesen passt. Auf der Verkaufsliste sieht Third Point hier unter anderem Tiefkühl-Produkte, Eis, Fleisch und Nudeln.  

Der Zeitpunkt für Verkäufe sei aktuell günstig, schreibt der Investor - wohl auch unter dem Eindruck einer ganzen Reihe milliardenschwerer Lebensmitteldeals, die in den vergangenen Monaten über die Bühne gingen. Höhepunkt: Die gerade in den USA erfolgte 10,9-Milliarden-Dollar-Übernahme  von Pinacle Foods durch den Tiefkühl-Spezialisten Conagra Brands.

Zudem soll Nestlé künftig schneller handeln, Trends erkennen underfolgreiche Startups zukaufen, wenn deten Erfolg nicht aus eigenen Kräften repliziert werden kann.

Selbstgefällig, engstirnig und bürokratisch - mehr Bashing geht kaum

Mark Schneider: Der Nestlé-CEO kommt in der Kritik noch vergleichsweise gut weg

Mark Schneider: Der Nestlé-CEO kommt in der Kritik noch vergleichsweise gut weg

Foto: REUTERS / DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Doch das ist nicht alles. Loeb teilt noch weiter aus und nimmt sich Nestlés Organisationsstruktur vor: selbstgefällig, engstirnig und bürokratisch, lethargisch, überkompliziert und verschlafen - das Urteil könnte härter kaum sein.

Loebs Lösung: Eine Aufteilung in die drei Sparten: Getränke, Gesundheit und Lebensmittel - mit jeweils eigenem CEO, eigener Strategie und Vertrieb. "Die Tatsache, dass Nestlé 150 Jahre überlebt hat, indem es die Dinge auf die Nestlé-Art-und Weise tat, ist kein Garant dafür, dass es auch in Zukunft so bleibt."

Frontalangriff auf Verwaltungsratschef-Bulcke

An Ex-Nestlé-CEO und Verwaltungsratschef Paul Bulcke lässt Loeb aber kein gutes Haar

An Ex-Nestlé-CEO und Verwaltungsratschef Paul Bulcke lässt Loeb aber kein gutes Haar

Foto: epa Keystone Gillieron/ picture-alliance/ dpa

Und noch etwas ist Loeb ganz offensichtlich ein Dorn im Auge. Der Milliardär vermisst externe Expertise im Aufsichtsrat. Außer Ex-Henkel- und nun Adidas-Chef Kasper Rorsted befinde sich niemand mit externer Führungsexpertise in der Branche im Verwaltungsrat, beklagt er. Und gibt dessen Chef, Ex-Nestlé-CEO Paul Bulcke, gleich noch einen mit. Unter dessen Führung habe Nestlé lange Zeit underperformed. Kurz: Bulcke scheine "zu zufrieden mit dem Status Quo und bremse womöglich den Wandel."

Andere Aktionäre unterstützten die Position Third Points, schreibt Loeb weiter. Die Zeit zurückhaltenden Reformens sein vorbei.

Hoffnungen, dass Loeb von seinen Forderungen zurückweicht, dürfte sich Nestlé-Chef Schneider nicht machen, der selbst keinen grundlegenden Umbau sondern eher eine graduelle Anpassung  an die sich wandelnden Geschäftsbedingungen für richtig hält.

Wie das Spiel läuft - und warum Loeb entschlossener sein dürfte als zuvor

Marissa Mayer: Unter dem Druck von Loeb verkaufte Yahoo einen Teil seiner Alibaba-Beteiligung an den Onlinehändler zurück - ein Schritt, den die frühere Yahoo-Chefin Mayer später als kurzsichtig kritisierte , der sich für Loeb aber lohnte.

Marissa Mayer: Unter dem Druck von Loeb verkaufte Yahoo einen Teil seiner Alibaba-Beteiligung an den Onlinehändler zurück - ein Schritt, den die frühere Yahoo-Chefin Mayer später als kurzsichtig kritisierte , der sich für Loeb aber lohnte.

Foto: Eric Risberg/ AP

Denn mit Loeb sieht er sich mit einem Profi konfrontiert, der das Rendite-Optimierungs-Spiel, das er bei Nestlé spielt, schon bei anderen Unternehmen viele Male erfolgreich durchexerziert hat.

Beispielsweise bei Yahoo, das er nach längeren Machtspielen schließlich dazu brachte, seine Alibaba-Beteiligung  zu Geld zu machen und ihm seine Aktien für den doppelten Preis wieder abzukaufen. Oder bei Sony, wo Loeb nach rund einem Jahr mit einem Gewinn von beinahe 20 Prozent wieder ausstieg. Geschäfte, die Loebs Vorzeigefonds eine Durchschnittsrendite von 16 Prozent pro Jahr beschert haben - und ein Vermögen von geschätzt 3,2 Milliarden Dollar.

Doch aktuell hat auch Loeb mit einem Renditeknick zu kämpfen. Mit einem Verlust von 0,6 Prozent hat Third Point in diesem Jahr einen mehr als dürftigen Quartalsstart hingelegt. Ein Fakt, der den Triathleten Loeb noch hungriger machen dürfte. Und Nestlé-CEO Mark Schneider nicht ruhiger.

Weitere Details zu Loebs Forderungen sind auf www.nestlenow.com  einsehbar.

mit reuters und dpa-afx
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