NCI, Selfmade, dima24 Erste Firmenpleite im Millionen-Anlagedebakel

Ölförderung in Nordamerika: NCI-Anleger werden ihr Geld wohl kaum wiedersehen

Ölförderung in Nordamerika: NCI-Anleger werden ihr Geld wohl kaum wiedersehen

Foto: Andrew Burton/ Getty Images

Neues vom Anlagedebakel um den Finanzjongleur Malte Andre Hartwieg und die von ihm gegründete Unternehmensgruppe um den Fondsvertrieb dima24: Das Amtsgericht München hat für die Gesellschaft NCI New Capital Invest Oil & Gas USA 19 GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet. Als Grund gibt das Gericht Zahlungsunfähigkeit an, wie aus den offiziellen Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht. Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Matthias Hofmann von der Kanzlei Pohlmann Hofmann in München.

Damit befindet sich erstmals eine der zahlreichen Firmen aus dem Unternehmenskonglomerat Hartwiegs im Insolvenzverfahren. Dutzende weitere von dem gelernten Maurer in die Welt gesetzte Gesellschaften stecken seit Monaten in der vorläufigen Insolvenz und warten darauf, dass es weitergeht. Auch bei ihnen dürfte das Insolvenzverfahren der nächste Schritt sein. Zuletzt wurde kürzlich die Schieflage der Euro Grundinvest in München bekannt, die ebenfalls von Hartwieg gegründet wurde.

Bei den zahlreichen schwer angeschlagenen Firmen, die meist unter den Namen NCI, Selfmade oder dima24 initiiert wurden, handelt es sich zum Großteil um Fondsgesellschaften, in die Privatanleger viel Geld investiert haben. Insgesamt stecken in allen diesen geschlossenen Fonds zusammen bis zu 200 Millionen Euro von Tausenden Anlegern. Das Geld war zum Großteil je nach Fonds ursprünglich für Investitionen in die Öl- und Gasförderung in Nordamerika oder in Infrastrukturanlagen im Nahen Osten gedacht.

Was tatsächlich aus den Anlegermillionen wurde, ist jedoch unklar. Die Frage beschäftigt unter anderem die Staatsanwaltschaft München, die gegen Fondsinitiator Hartwieg ermittelt. Zudem gehen der Münchener Anwalt Rolf G. Pohlmann, der in der Causa als vorläufiger Insolvenzverwalter fungiert, sowie dessen Kompagnon Hofmann, der nun zum endgültigen Insolvenzverwalter der fraglichen Gesellschaft bestellt wurde, der Sache nach.

Finanzunternehmer in Bedrängnis: Fonds von Malte Andre Hartwieg floppten

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Foto: [M] mm.de; Dima24

Große Hoffnungen sollten sich die Investoren jedenfalls kaum machen. Deren Geld sei "zum größten Teil erst mal weg", sagte Pohlmann schon vor einigen Wochen zu manager-magazin.de. Allerdings sah der vorläufige Insolvenzverwalter "zivilrechtliche Pflichtverletzungen" beim Management der Fonds, was bedeuten könnte, dass den Verantwortlichen Schadensersatzansprüche ins Haus stehen.

Auch Insolvenzverwalter Hofmann spricht im Zusammenhang mit der von ihm nun übernommenen NCI New Capital Invest Oil & Gas USA 19 GmbH von "konkreten Anhaltspunkten für pflichtwidrige Handlungen". "Insbesondere die Investitionen im Ausland und deren ungeklärter Verbleib geben Anlass, entsprechende Ansprüche zu prüfen", so Hofmann gegenüber manager-magazin.de.

Die entscheidende Frage: Wo ist das Geld?

Derzeit werde geprüft, wie eine konzertierte Durchsetzung der Ansprüche gegen die Verantwortlichen der Unternehmensgruppe im Interesse aller Gläubiger und Geschädigten erfolgen kann, so Hofmann.

Zum Hintergrund: Im Unternehmensreich Malte Hartwiegs wurden die Gelder der Privatanleger über mehrstufige Firmenkonstruktionen ins Ausland geschleust. Bei der nun insolventen NCI New Capital Invest Oil & Gas USA 19 GmbH etwa handelt es sich um die Zwischengesellschaft zwischen der Beteiligungsgesellschaft NCI New Capital Invest Oil & Gas USA 19 GmbH & Co. KG und den Investments in den USA. In die NCI New Capital Invest Oil & Gas USA 19 GmbH & Co. KG haben bis zu 900 Anleger laut Insolvenzverwalter etwa 22 Millionen Euro investiert. Diese wurden zum Großteil per atypisch stiller Beteiligung an die Zwischenfirma weitergereicht, von der das Geld dann wiederum in Nordamerika in die Öl- und Gasförderung gesteckt werden sollte.

Den Zweck dieser komplexen Konstruktion erklärt Rechtsanwalt Stefan Forster, Kanzlei Lachmair & Kollegen in München, in einfachen Worten: "Bei der Zwischengesellschaft handelt es sich im Grunde um eine Briefkastenfirma, die die Gelder an die Zielfirma in den USA leiten sollte. So wird die vorgeschriebene Mittelverwendungskontrolle auf die Weiterreichung an die deutsche Zwischenfirma beschränkt, gleichzeitig werden zusätzliche Verwaltungsgebühren generiert.", so Forster, der zahlreiche geschädigte Anleger vertritt.

"Wer sich die Verkaufsunterlagen genau anschaut, wird bei allen Hartwieg-Fonds den gleichen Aufbau erkennen", sagt Forster. "Als Investitionsobjekt wird in den Verträgen lediglich die Weitergabe der Gelder an die Zwischengesellschaft bezeichnet. Die Folge ist, dass die Investoren kaum einen direkten vertraglichen Anspruch gegen ihre Fondsgesellschaft haben, sollten die Mittel letztlich nicht, wie eigentlich beworben, beispielsweise in die Ölförderung in den USA geflossen sein." Schadensersatzansprüche auf anderer Grundlage seien allerdings durchaus möglich, so der Anwalt.

Und das ist schließlich die entscheidende Frage: Wo sind die Millionen beispielsweise aus dem Fonds NCI USA 19 geblieben? Wurden sie tatsächlich wie versprochen in den Vereinigten Staaten investiert? Nach Angaben von Insolvenzverwalter Hofmann wurden zwar einige Vermögenswerte durch Ermittlungsbehörden arrestiert. Er versuche nun, diese Werte zur Verteilung an die Gläubiger in die Insolvenzmasse zu überführen.

Rund 15 Millionen Euro aus der Gesellschaft NCI New Capital Invest Oil & Gas USA 19 GmbH seien jedoch in eine Gesellschaft in den USA abgeflossen. "Insoweit ist der Verbleib der entsprechenden Investitionen weiterhin ungeklärt", so Hofmann.

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manager-magazin.de / Wochit
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