Gold, Iridium und Helium-3 Nasa plant Rohstoffabbau auf dem Mond

Die Nasa rüstet sich für den Wettlauf um die Rohstoffe des Mondes. Da kein Staat Besitzansprüche auf den Erdtrabanten erheben darf, arbeitet die US-Weltraumbehörde künftig mit Privatunternehmen zusammen. Eine Lücke im Weltraumvertrag von 1967 macht dies möglich.
Von Kristian Klooß
Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin am 21. Juli 1969 auf dem Mond: Wird hier bald Helium-3 gefördert?

Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin am 21. Juli 1969 auf dem Mond: Wird hier bald Helium-3 gefördert?

Foto: NASA

Washington, D.C. - Rohstoffsuche in der Tiefsee oder der Arktis galt lange als das technische Non plus ultra, wenn es um das Bohren oder Schürfen nach Rohstoffen ging. Die Nasa setzt jetzt jedoch noch einen drauf. Seit heute können sich bei der amerikanischen Weltraumbehörde private Unternehmen bewerben, die auf dem Erdtrabanten Rohstoffe fördern wollen, wie der US-Blog The Verge  berichtet.

Das Förderprogramm, das dieser Science-Fiction zugrunde liegt, heißt "Catalyst", ein Akronym der Nasa für "Lunar Cargo Transportation and Landing by Soft Touchdown", was soviel wie Warentransporte zum Mond mit weicher Landung bedeutet. Das Unternehmen, das sich in der am 17. März endenden Ausschreibung durchsetzt, soll Roboterfahrzeuge konstruieren, die sich für den Abbau der lunarischen Bodenschätze eignen.

Zu diesen Bodenschätzen gehören seltene Metalle wie Gold, Platin, Iridium und Rhenium. Wichtigster Rohstoff des Mondes ist indes das Gas Helium-3. Es enthält im Kern zwei Protonen, aber nur ein Neutron. Das macht es zu einem idealen Brennstoff für Kernreaktoren, da die Energiegewinnung ohne den Umweg über verdampftes Wasser erfolgen könnte. Darüber hinaus fiele im Kernspaltungsprozess so gut wie keine Radioaktivität an und auch Strahlenschäden im Reaktor wären passé. Fusionsforscher sehen in dem Isotop daher eine Energiequelle der Zukunft.

Billionen-Dollar-Schatz - astronomische Geschäfte

Auf der Erde kommt Helium-3 wegen ihres schützenden Magnetfelds nur in Spuren vor. Auf dem ungeschützten Mond haben Sonnenwinde die geladenen Teilchen hingegen reichlich geweht. Der US-Physiker Gerald Kulcinski, der das Fusion Technology Institute (FTI) der University of Wisconsin in Madison leitet, geht von einer Million Tonnen Helium-3 auf der Mondoberfläche aus. Zum Vergleich: Rund vierzig Tonnen würden ausreichen, um den Energiebedarf der USA ein Jahr lang zu decken. Ein Billionen-Dollar-Schatz, der vielen privaten Unternehmen bereits den Traum von astronomischen Geschäften beschert hat.

Dass es angesichts der politisch fragwürdigen Vereinnahmung eigentlich neutraler Gebiete überhaupt zu einem Vorstoß der Nasa im Wettlauf um die Weltraumbodenschätze kommt, liegt an einer Gesetzeslücke. So verbietet es der 1967, zwei Jahre vor der ersten Mondlandung, verabschiedete "UN-Weltraumvertrag" (Outer Space Treaty of the United Nations) Staaten, einen Eigentumsanspruch auf Asteroiden, Monde oder Planeten zu erheben. Der Haken: Das von mittlerweile 192 Staaten ratifizierte Abkommen gilt explizit nur für Staaten. Weshalb manche - unter anderem die Nasa - zu der Interpretation neigen, dass Firmen oder Privatpersonen von dem Vertragswerk ausgenommen sind.

Der Versuch der Vereinten Nationen, diese universale Gesetzeslücke zu schließen, ist bislang misslungen. Der 1979 verabschiedete "Mondvertrag" (Agreement Governing the Activities of States on the Moon and Other Celestial Bodies), der auch Privatleute und Firmen einschließt, wurde bislang weder von den USA, Russland noch China ratifiziert.

Musk, Page und Branson machen es vor

Angesichts des Multimilliarden-Dollar-Geschäfts, das der Helium-3-Abbau amerikanischen Weltraumunternehmen einbringen könnte, verwundert der Vorstoß der Nasa kaum. Zumal private Konzerne im Raumfahrtgeschäft - oft gemeinsam mit der Nasa - schon heute in Regionen vorstoßen, die bei der Verabschiedung des Weltraumvertrags 1967 als kaum denkbar galten.

So wird die Versorgung der Internationalen Raumstation (ISS) nach der Abwrackung der Nasa-Spaceshuttles inzwischen von amerikanischen Privatunternehmen wie die von Elon Musk gegründete Firma SpaceX mit dem Raumfrachter "Dragon" und Orbital Science mit dem Raumfrachter "Cygnus" übernommen - von der US-Weltraumbehörde finanziert.

Auch mit der unter anderem von Google-Gründer Larry Page unterstützten Firma Planetary Resources, die in ferner Zukunft vorhat Rohstoffe von Asteroiden auszubeuten, unterhält die Nasa eine Partnerschaft. In dem gemeinsam mit der Nasa vorangetriebenen Crowdsourcing-Projekt sollen mithilfe einer weltweiten Nutzergemeinde zunächst Asteroiden gefunden und klassifiziert werden. Langfristig verspricht Planetary Ressources, eine neue Industrie an der Schnittstelle von Weltraumerkundung und Rohstoffförderung zu schaffen. Bis 2017 will das Unternehmen ein Raumschiff präsentieren, das in der Lage ist, Gesteinsproben von fernen Asteroiden zu sammeln und zur Erde zu bringen.

Wacklige Visionen

Dass kühne Weltraumvisionen mit Vorsicht zu genießen sind, zeigt indes das Beispiel Virgin Galactic, der Weltraumtourismusfirma des Milliardärs Richard Branson. Der 63-Jährige Brite hatte einst für 2007 die ersten Weltraumflüge für Touristen angekündigt, musste das Projekt aber immer wieder nach hinten verschieben. 2011 eröffnete er zwar den in der Wüste des US-Bundesstaats New Mexico gelegenen Weltraumbahnhof "Spaceport America". Doch der von dort für 2012 versprochene Flug ins All fiel aus. Ende 2014, verspricht Branson, sollen die Weltraumtouristen, die schon zu Hunderten die 200.000 Dollar teuren Tickets für einen Flug ins All gebucht haben, endlich abheben.

Einen Schritt weiter ist da der Amerikaner Dennis Hope. Schon 1980 meldete er beim Grundstücksamt von San Francisco seine Besitzansprüche auf den Mond an. Da in den USA weder der "Weltraumvertrag" von 1967 noch der "Mondvertrag" von 1979 dagegen sprachen und auch nach der erforderlichen achtjährigen Frist niemand Einspruch gegen die Gebietsansprüche erhoben hatte, vermarktet Hope seit Jahren über sein Unternehmen "Lunar Embassy" die Anwesen auf dem Erdtrabanten. Mit etwas Glück, ergattern Käufer ein Grundstück, das reichlich Raum für traumhafte Rohstofffunde lässt.

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