Montag, 6. April 2020

Sprechen wir über Klimawandel Nachhaltigkeit - Chemiekonzerne verkaufen sich am besten

BASF-Gelände in Ludwigshafen
Uwe Anspach/dpa
BASF-Gelände in Ludwigshafen

Wie nutzen wir der Gesellschaft? Was tun wir dafür, damit Umweltzerstörung oder Klimawandel sich nicht weiter zuspitzen?

Lange wurde Nachhaltigkeit in vielen Konzernen als Nischenthema abgetan, doch spätestens 2020 ist klar, dass sich die Frage nach den gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen des eigenen Geschäftsmodells nicht mehr verdrängen lässt. Die Jugendbewegung Fridays vor Future greift gezielt Konzerne wie Siemens an, gerade die Autoindustrie steht wegen ihrer zahlreichen SUV-Offensiven unter Rechtfertigungsdruck. Die Deutsche Bank oder Adidas sehen sich genötigt, über ihren Sinn und Beitrag zum Gemeinwohl (Konzerndeutsch: "purpose") Auskunft zu geben.

Unter den Dax-Konzernen gelingt das aus Sicht von Investoren derzeit vor allem den Chemiekonzernen, wie eine Studie der Kommunikationsagentur Hering Schuppener ergeben hat. BASF Börsen-Chart zeigen , Henkel Börsen-Chart zeigen und Covestro Börsen-Chart zeigen sind demnach aus Sicht von Kapitalgebern besonders geschickt darin, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen der Außenwelt zu vermitteln. In Summe wird den deutschen Konzernen aber noch großer Nachholbedarf attestiert. Die Studie lag dem manager magazin vorab vor.

Hering Schuppener

Investoren wie Blackrock-Chef Larry Fink verlangen Antworten

Die Frage, wie sich Unternehmen beim Umwelt- und Klimaschutz positionieren, war selten relevanter als heute. In der vergangenen Woche machte auch Larry Fink (67), Boss des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, klar, dass er in Sachen Purpose und Klimawandel nun keine Nachlässigkeiten mehr dulde - und der Mann ist verantwortlich für Anlagen im Wert von knapp 7 Billionen US-Dollar. Konzernchefs, die weiter unverdrossen auf klimaschädliche Produkte setzen, hätten, so Fink, mit erheblichem Gegenwind zu rechnen. Bewiesen sie keine Fortschritte, drohte er ihnen gar die Unterstützung zu entziehen.

Immer mehr Investoren und Vermögensverwalter wie Fink interessieren sich nicht mehr ausschließlich für Rendite, sondern achten zusätzlich auf Nachhaltigkeit. Für Unternehmen kommt es deshalb auch aus finanziellen Gründen darauf an, deutlich zu machen, inwiefern sie in Sachen Umweltschutz oder CO2-Ausstoß echte Fortschritte machen.

Die Chemiebranche war historisch zur Transparenz gezwungen

Die Chemiekonzerne profitieren laut Brigitte von Haacke, Partnerin bei Hering Schuppener, davon, dass sie in der Öffentlichkeit etwa früh in Sachen Umweltverschmutzung unter Druck gerieten und deshalb mehr Erfahrung haben. Unter die Top 5 schafften es laut Studie auch die Deutsche Telekom und Volkswagen. Die PR-Beratung hatte von Mai bis November 2019 zehn große Investoren, die gemeinsam Anlagen in Höhe von 3 Billionen Euro verwalten, nach ihren Eindrücken und Erwartungen gefragt und diese mit der Kapitalmarktkommunikation der DAX-30 abgeglichen. Heraus kam ein Wert zwischen 1 und 48. Im Durchschnitt wurden nur 16,1 Punkte erreicht.

Laut Studie kommt es etwa besonders darauf an, konkrete und messbare Ziele zu setzen, die dann auch nachweislich in die Unternehmensstrategie integriert werden. Jüngst gaben etwa Konzerne wie Daimler oder Microsoft bekannt, bis zu welchem Jahr sie CO2-neutral arbeiten wollen. Nestlé will bis 2025 ohne Verpackungen auskommen, die sich nicht recyceln lassen. Auch gehe es darum, sich auf Themen zu konzentrieren, die wirklich etwas mit dem Geschäftsmodell zu tun haben. So stelle Covestro etwa besonders gut heraus, inwiefern Innovationen wie ein neuer, besonders wirksamer Dämmschaum zur Verringerung von CO2-Emissionen beitragen.

Nicht mehr länger so tun, als ob

Im Grunde geht es - das zieht sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse - darum, wirklich etwas zu verändern und nicht bloß so zu tun. Das klingt banal, aber in der Vergangenheit kamen sich Unternehmen bisweilen schon wie Klimaaktivisten vor, weil sie für manche Dienstreisen CO2-Kompensationszahlungen an Anbieter wie Atmosfair leisteten. So werfen die relativ schnell einleuchtenden Empfehlungen ("Quantify your sustainability targets and performance") der PR-Experten und der geringe Durchschnittsscore ein schlechtes Licht auf die deutsche Wirtschaft. Nun - siehe BlackRock - haben sie auch ein zunehmend monetäres Interesse, sich stärker zu engagieren.

Unternehmensberatern wie Hering Schuppener kann das natürlich nur recht sein. Bereits 2019, freut sich von Haacke, sei "die Nachfrage beim Thema Purpose stark gestiegen". Mit etwas Glück bleiben uns banale "Purpose-Statements" wie "We make real what matters" (Siemens) hoffentlich bald erspart.

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