Dienstag, 25. Februar 2020

Nach Wework-Debakel Softbank verschärft die Regeln für seine Investments

Masayoshi Son: Der Softbank-Chef will bei seinen Investments künftig mehr Mitspracherecht

Der Technologie-Investor Softbank ändert angesichts des Wework-Debakels offenbar die Regeln für künftigen Investments. Laut einem Bericht der "Financial Times" will Softbank neue Regeln einführen, die den Einfluss von Gründern künftig deutlich eindämmen. Bislang hatten diese sich über unterschiedliche Aktienklassen häufig Entscheidungsrechte gesichert, die in keinem Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Anteil am Unternehmen standen. Es wird erwartet, dass Softbank die neuen Regeln am Mittwoch bei der Präsentation seiner Geschäftszahlen bekannt gibt. Dabei wird der japanische Konzern wohl Wertberichtigungen in mehrstelliger Millionenhöhe vornehmen müssen.

Größtes Debakel für Softbank war zuletzt Wework. Die Japaner hatten den gehypten Anbieter von Büroimmobilien nach einem geplatzten Börsengang mit einem weiteren Milliardeninvestment vor dem Kollaps retten müssen. Dabei hatte Softbank mehr Geld in das Unternehmen gesteckt als es aktuell wert ist. Auch der von Softbank ins Leben gerufene Vision Fund denkt offenbar über Maßnahmen nach, mit denen die Gefahr von Debakeln wie das bei Wework künftig reduziert werden kann. Offiziell wollten sich weder Softbank noch der Vision Fund zu den Plänen äußern.

Beide stehen aktuell stark unter Beobachtung - auch weil Softbank dabei ist, für einen zweiten Vision Fund, der noch größer werden soll als der erste, Gelder einzuwerben. Der erste hatte in den vergangenen knapp zwei Jahren seines Bestehens laut "FT" 75 Milliarden Dollar in die insgesamt 88 Firmen seines Portfolios investiert.

Für Softbank wären die neuen Regeln eine echte Kehrtwende, war Gründer Masayoshi Son bislang doch als recht risikofreudiger Investor bekannt, der seinen Gründern - wenn sie ihn einmal überzeugt hatten - recht freie Hand bei der Steuerung ihrer Unternehmen gab. Und der sich bei seinen Investments oft recht großzügig zeigte.

Allerdings haben in der Vergangenheit gleich eine ganze Reihe von Investments die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Dafür wurden teilweise auch Defizite in der Unternehmensführung verantwortlich gemacht, die Son nun offenbar angehen will.

Neben Wework, das statt eines lukrativen Börsengangs nun Jobs abbaut und Unternehmen abstößt, dürfte auch die Beteiligung an Uber Son zuletzt wenig Freude gemacht haben. Das Unternehmen schreibt weiter massive Verluste. Alleine im dritten Quartal stand erneut ein Minus von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro zu Buche.

Aber auch andere Investments von Son und seinem Vision Fund enttäuschen die Erwartungen. So steht die Dienstleitungs-Vermittlungs-App Wag, die Hundebesitzer mit Dog-Walkern vernetzt und die der Vision Fund 300 Millionen Dollar investierte, offenbar zum Verkauf. Dutzende andere Firmen - vom asiatischen Fahrdienstvermittler Didi Chuxing bis zur Online-Shopping-Plattform Coupang - verbrennen weiter massenhaft Geld - ohne Sicherheit, dass sie jemals profitabel werden.

Ein Softbank-Sprecher bekräftigte indes, man sei zuversichtlich mit den Investments langfristig starke Erträge zu realisieren.

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