Montag, 17. Juni 2019

Jahresgewinn löst sich in Luft auf Stürme und Beben kosten Munich Re 3,2 Milliarden Euro

Spur der Verwüstung: Mehrere Wirbelstürme haben im Herbst in der Karibik enorme Schäden angerichtet und rissen damit auch riesige Löcher in die Bilanzen der Rückversicherer

Die Schäden durch Hurrikans und Erdbeben sind in diesem Jahr extrem hoch - das bedeutet für die Versicherungsbranche enorme Belastungen. Die Munich Re rechnet nach einem Milliardenverlust im dritten Quartal nur noch mit einem kleinen Gewinn im Gesamtjahr.

Die Serie verheerender Hurrikans in den USA und der Karibik hat Folgen für den weltgrößten Rückversicherer Munich Re Börsen-Chart zeigen. Im dritten Quartal erwartet das Münchner Traditionsunternehmen einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro. Das für dieses Jahr angepeilte ursprüngliche Gewinnziel von 2 bis 2,4 Milliarden Euro wird ebenfalls verfehlt werden.

Der Dax-Konzern bezifferte die erwartete Belastung allein durch die drei Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" am Donnerstag auf 2,7 Milliarden Euro. Weitere Großschäden wie die Erdbeben in Mexiko schlagen mit einer weiteren halben Milliarde zu Buche, so dass sich die Gesamtbelastung auf 3,2 Milliarden Euro summiert.

Damit wäre die Munich Re etwa genauso schwer betroffen wie der Wettbewerber Swiss Reinsurance Börsen-Chart zeigen. Die Schweizer hatten ihre Schäden vor wenigen Tagen auf umgerechnet 3,1 Milliarden Euro beziffert. Die Summe umfasste neben den Wirbelstürmen auch Schäden durch die Beben in Mexiko.

Munich-Re-Finanzvorstand Jörg Schneider betonte, dass die Münchner Rück weiter genügend Geld in der Kasse habe: "Unsere Kapitalbasis bleibt sehr stark." Schneider hofft auf einen für die Munich Re positiven Nebeneffekt: eine steigende Nachfrage nach Rückversicherung.

Munich Re erwartet nur "kleinen Gewinn" in diesem Jahr

In diesem Jahr erwartet der Konzern nun einen "kleinen Gewinn", ohne eine Zahl zu nennen. Voraussetzung wäre allerdings, dass das vierte Quartal "erwartungsgemäß" verläuft - also ohne weitere böse Überraschungen. Die Munich Re hatte bereits Mitte September nach den ersten beiden Hurrikans eine Gewinnwarnung veröffentlicht, anschließend fegte der dritte schwere Wirbelsturm durch die Karibik.

An der Börse lösten die Nachrichten wenig Wirbel aus. Am Vormittag notierten die Aktien der Munich Re Börsen-Chart zeigenin der Spitze mit 2 Prozent im Plus auf knapp über 190 Euro. Der Kurs war bereits im Zuge der Wirbelstürme Anfang September abgesackt und hatte sich seitdem wieder erholt. Im Vergleich zum Jahresbeginn liegen die Papiere daher immer noch mit fast vier Prozent im Plus.

Versicherte Schäden 2017 wohl über 100 Milliarden Dollar

Versicherungsanalyst Michael Huttner von der Investmentbank JPMorgan zeigte sich von der Höhe des Quartalsverlusts negativ überrascht. Er erwartet aber, dass die Munich Re einen Großteil der Schäden durch die Auflösung von Schadenrückstellungen auffängt. An ihrem laufenden Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro wollen die Münchner keine Abstriche machen.

Nach Schätzungen des Munich Re könnte das Jahr 2017 nach 2005 und 2011 das dritte Jahr werden, in dem die versicherten Schäden durch Naturkatastrophen die Marke von 100 Milliarden US-Dollar überschreiten. Abgesehen davon leidet die Münchner Rück seit Jahren unter Gewinnrückgängen, hauptsächlich verursacht durch den Preiskampf im Rückversicherungsgeschäft und die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Hoffnung auf steigende Preise in der Rückversicherung

Vorstandschef Joachim Wenning und seine Kollegen hoffen, dass nach der diesjährigen Wirbelsturmsaison die Preise in der Rückversicherungsbranche wieder steigen. In den vergangenen Jahren ist diese Hoffnung allerdings regelmäßig enttäuscht worden. Auch andere große Rückversicherer sind hart getroffen: Die Swiss Re und die Hannover Rück haben ihre Gewinnprognosen ebenfalls heruntergesetzt.

rei/dpa/Reuters

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