Donnerstag, 23. Mai 2019

Negativ-Rekord 2017 war für Versicherer das bisher teuerste Jahr

Hurrikan "Harvey" verursachte in den USA Schäden im Wert von 85 Milliarden Dollar

Für die Versicherungen war 2017 das teuerste Jahr der Geschichte: Hurrikans und andere Naturkatastrophen kosteten die Branche weltweit rund 135 Milliarden Dollar, mehr als je zuvor. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die die Munich Re Börsen-Chart zeigen am Donnerstag in München veröffentlichte.

Hauptursache war die Serie schwerer Wirbelstürme, die im vergangenen Herbst die Karibik und die US-Ostküste traf. Die Klima-Fachleute des weltgrößten Rückversicherers sehen in den Naturkatastrophen-Daten der vergangenen Jahrzehnte zwar keinen Beweis, aber doch starke Indizien für die Auswirkungen des Klimawandels.

Ungewöhnlich hohe Naturkatastrophenschäden häufen sich. In den historischen Daten der Munich Re gibt es nur drei Jahre, in denen die versicherten Schäden inflationsbereinigt mit über 100 Milliarden Dollar zu Buche schlugen - und diese sämtlich innerhalb der vergangenen 13 Jahre. "Vor 2005 gab es kein Jahr, in dem wir auch nur annähernd an hundert Milliarden herangekommen wären", sagte Munich-Re-Klimaexperte und Geophysiker Ernst Rauch. Man werde sich an derartige Größenordnungen gewöhnen müssen.

Insgesamt verursachten Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen 2017 einen Schaden von 330 Milliarden Dollar. Das war die zweithöchste seit Beginn der Aufzeichnungen 1970 registrierte Summe. Das bisher schadenträchtigste Jahr war 2011 mit dem Tsunami und der folgenden Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, die - zu heutigen Werten - zusammen 354 Milliarden Dollar kosteten.

"Harvey" war die teuerste Naturkatastrophe 2017

Die teuerste Naturkatastrophe war im vergangenen Jahr der erste der drei Wirbelstürme: "Harvey" richtete in Texas allein rund 85 Milliarden Dollar Schaden an. Für die Versicherer war allerdings "Irma" mit Windgeschwindigkeiten über 300 Kilometer pro Stunde noch kostspieliger: Sie müssen 32 Milliarden Dollar an ihre Kunden dafür auszahlen.

Ungewöhnlich hoch war 2017 der Anteil der versicherten Schäden: 41 Prozent des Gesamtschadens aus Naturkatastrophen mussten die Versicherer begleichen, weil die Hurrikane über Regionen mit einer hohen Versicherungsdichte niedergingen und nicht in Asien und Afrika, wo die Munich Re weiterhin große Lücken sieht. Im langjährigen Durchschnitt sind nur gut ein Viertel der Schäden versichert.

"100 Prozent Abdeckung werden wir nie erreichen", sagte Rauch. Denn Staaten sicherten die öffentliche Infrastruktur kaum über Versicherer gegen Katastrophen ab. "Aber eine deutliche Steigerung ist durchaus möglich", hofft der Leiter Climate & Public Sector Business Development bei der Munich Re.

Opferzahlen durch Naturkatastrophen glücklicherweise rückläufig

Nach ersten Erkenntnissen aus der Branche hat das Katastrophenjahr bei den Verhandlungen über neue Verträge nicht zu den von den Rückversicherern erhofften kräftigen Preissteigerungen geführt. "Es ist viel Kapital im Markt", erklärte Rauch. "Das zeigt nur, dass Versicherungsschutz gegen Naturkatastrophen längst nicht knapp ist."

Mit 10.000 Toten forderten Erdbeben, Stürme und Fluten 2017 deutlich weniger Opfer als im langjährigen Durchschnitt. "Die Opferzahlen sind seit 20 bis 30 Jahren rückläufig - von Ausnahmen wie dem Tsunami 2004 abgesehen", erläuterte Rauch. So kosteten etwa die regelmäßigen Überschwemmungen in Bangladesh heute viel weniger Menschenleben als früher. Das liege daran, dass sich inzwischen auch Entwicklungsländer und internationale Organisationen um die Prävention von Schäden kümmerten - von Frühwarnsystemen für die Bevölkerung bis zu einer veränderten Bauweise von Häusern. "Das ist eine Erfolgsgeschichte."

mg/rtr/dpa

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