Mittwoch, 13. November 2019

Niedrigzins und Preisdruck Münchener Rück will Jobs in Zentrale und USA streichen

"Abwärtstrend stoppen": Joachim Wenning, Chef der Münchener Rück

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re will in seiner der Zentrale in München und bei seiner US-Tochter Stellen abbauen. Das hat Vorstandschef Joachim Wenning in einem im Firmen-Intranet veröffentlichten Interview angekündigt. Zeitrahmen und Umfang des Programms sind offen, heißt es in Berichten von Nachrichtenagenturen. Der Konzern wollte sich nicht dazu äußern.

Die Münchener Rück werde "interne Komplexität reduzieren, unsere Effizienz erhöhen und dafür auch Stellen reduzieren", um Geld für die Digitalisierung freizuschaufeln und die bröckelnde Rendite in der Rückversicherung zu steigern. "Den Abwärtstrend der letzten Jahre gilt es entschlossen zu stoppen und umzukehren", erklärte Wenning laut Nachrichtenagentur Reuters, der das Interview vorlag. Zuvor hatten der "Versicherungsmonitor" und die "SZ" darüber berichtet.

Wenning plant ein "Transformationsprogramm" für das Unternehmen, der Jobabbau ist Teil davon. In dem Interview verweist der Manager auf die gesunkenen Gewinne der vergangenen drei Jahre. Das Rückversicherungsgeschäft sei unter Druck: "In diesem Zusammenhang entscheiden die Kosten mehr und mehr, wer im Wettbewerb um Kunden und Geschäft gewinnt und wer verliert."

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Die Stellen sollen vor allem über Pensionierungen beziehungsweise freiwilliges Ausscheiden von Mitarbeitern abgebaut werden. "Wir sehen das Potenzial in vielen Bereichen weltweit", sagte Wenning.

Die Munich Re wie die Versicherungsbranche insgesamt sind von der Nullzinspolitik der EZB hart getroffen, weil viele Kapitalanlagen nur noch wenig Geld mehr einbringen. Gleichzeitig wird der Fortschritt in der Informationstechnologie in den kommenden Jahren voraussichtlich etliche Jobs in der Branche überflüssig machen - etwa in der Vertragsverwaltung oder Abwicklung von Schadenmeldungen.

Bisher hat die Munich Re vor allem stark in die Digitalisierung investiert und neue Stellen geschaffen. Das will Wenning im Rahmen seines Programms fortsetzen und eine neue "Abteilung für Datenjagd" ("Data HUNTING Unit") aufbauen.

rei/dpa/Reuters

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