Munich Re-Gewinn fällt nur leicht Wie die Münchener Rück die Allianz abgehängt hat

Naturkatastrophen, Radikalumbau bei Ergo - das alles hat die Münchener Rück im zweiten Quartal viel Geld gekostet. Doch am Kapitalmarkt lief es für den weltgrößten Rückversicherer um so besser.
Nikolaus von Bomhard überrascht die Analysten. Sie hatten für das zweite Quartal der Münchener Rück nur halb so viel Gewinn zugetraut

Nikolaus von Bomhard überrascht die Analysten. Sie hatten für das zweite Quartal der Münchener Rück nur halb so viel Gewinn zugetraut

Foto: Peter Kneffel/ picture alliance / dpa

Die Münchener Rück steckt Naturkatastrophen und den Radikalumbau der Tochter Ergo deutlich besser weg als gedacht. Der Nettogewinn lag im zweiten Quartal mit 974 Millionen Euro zwar um 9 Prozent unter dem Vorjahresniveau, teilte der weltgrößte Rückversicherer am Dienstag mit. Die Allianz litt im zweiten Quartal heftiger unter den weltweiten Unwetterschäden und hatte vor wenigen Tagen Gewinneinbruch um 46 Prozent gemeldet.

Analysten zeigten sich überrascht. Sie hatte der Münchener Rück nur halb so viel zugetraut. Glück und Geschick an den Kapitalmärkten rund um das Votum zum EU-Austritt Großbritanniens sorgten für erhebliche Sondergewinne. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard bekräftigte die im Frühjahr gesenkte Prognose für das Jahr: "Mit unserem Halbjahresergebnis von 1,4 Milliarden Euro sind wir auf gutem Weg, unser Jahresziel von 2,3 Milliarden Euro zu erreichen." Der Konzern gibt bekanntlich sehr konservative Prognosen heraus.

Im Frankfurter Frühhandel legten die Aktien der Münchener Rück 1,3 Prozent zu und setzten sich damit an die Spitze des Dax.

Konzern verbucht allein 340 Millionen Euro Währungsgewinne

Der Anstieg von Yen und Dollar und der Verfall des Pfund Sterling nach dem Brexit-Votum brachten der Münchner Rück im zweiten Quartal in der Rückversicherung Währungsgewinne von 340 Millionen Euro.

Hinzu kamen 900 Millionen Euro Gewinn aus dem Verkauf von Kapitalanlagen, mit denen die Erstversicherungs-Tochter Ergo unter anderem ihre Zinszusatzreserve aufstockt.

Lebensversicherer müssen wegen der Niedrigzinsphase auf Geheiß ihrer Aufseher mehr Rückstellungen bilden, um ihre Rendite-Versprechen an die Kunden auf Dauer halten zu können. Nun allerdings plant die Ergo für ihre Lebensversicherungskunden den Run-off und will damit Millionen Verträge abwickeln.

Munich Re sieht Ende des Preiskampfes - Ergo belastet

Der Anfang Juni verkündete Umbau bei Ergo schlägt mit Kosten von rund 400 Millionen Euro zu Buche. 240 Millionen kann die Münchener Rück davon allerdings an die Ergo-Kunden abwälzen, die nach dem Gesetz an Gewinnen und Verlusten beteiligt werden.+

Der zweitgrößte Erstversicherer in Deutschland streicht unter dem Strich 1800 Stellen und schreibt deswegen rote Zahlen. Von April bis Juni lag der Verlust bei 34 (plus 215) Millionen Euro. Der neue Ergo-Vorstandschef Markus Rieß muss vor allem die marode IT modernisieren. Bei Investitionen von einer Milliarde Euro bis 2020 dürfte die Düsseldorfer Tochter in den nächsten Jahren kaum Gewinn in München abliefern.

In der Rückversicherung sind die Großschäden, vor allem aus Naturkatastrophen, wieder gestiegen. Im zweiten Quartal kosteten sie die Münchener Rück 542 (207) Millionen Euro, 400 Millionen machten allein die Folgen der verheerenden Waldbrände in Kanada aus. Trotzdem konnte der Konzern Rückstellungen auflösen, weil frühere Großschäden weniger Geld kosteten als zunächst geplant.

Großschäden kosteten 542 Millionen Euro

Im Preiskampf in der Rückversicherung sieht die Münchener Rück Licht am Ende des Tunnels. Bei den Verhandlungen über die Erneuerung der Verträge - vor allem in Amerika und Australien - zum 1. Juli seien die Preise nur noch um 0,4 (2015: 2,1) Prozent zurückgegangen.

Die Münchener Rück habe ihr Prämienvolumen dabei fast stabil gehalten, sagte Vorstand Torsten Jeworrek. Insgesamt gingen die Prämieneinnahmen im zweiten Quartal aber um 4,3 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro zurück.

Lesen Sie auch:

Ergo wickelt Millionen Kunden ab - die Chancen und Risiken Wie von Bomhard seine Tochter Ergo heruntergerockt hat

rei/Reuters