Samstag, 30. Mai 2020

Münchener Rück beklagt Rekordschäden Gewinn weggefegt, doch die Dividende steht

Irma war nur einer von vielen Stürmen, die im vergangenen Jahr Milliardenschäden anrichteten und bei Versicherern wie Rückversicherern riesige Löcher in die Bilanzen rissen

Die Serie von Wirbelstürmen im Herbst hat bei der Münchener Rück einen Großteil des Gewinns weggefegt. Weil die Orkane Harvey, Irma und Maria den weltgrößten Rückversicherer allein 2,7 Milliarden Euro kosteten, stand im vergangene Jahr unter dem Strich nur noch ein Überschuss von 392 Millionen Euro, 85 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die Dividende bleibt mit 8,60 Euro je Aktie trotzdem stabil. "Auf unsere Dividende ist Verlass", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider am Dienstag. "Dank unserer Kapitalstärke konnten wir die hohen Schäden aus Naturkatastrophen gut verkraften." Die Verhandlungen über die neuen Verträge mit den Erstversicherern zum Jahreswechsel machen der Münchener Rück Mut - auch wenn die Preissteigerungen nicht so hoch ausfielen wie erhofft.

Die Aktie der Münchener Rück fiel morgens beim Brokerhaus Lang & Schwarz um rund 3 Prozent und damit etwa so stark wie der Leitindex Dax. Das Ergebnis lag im Rahmen der Erwartungen von Analysten, nachdem der Konzern nach den Herbststürmen über der Karibik und den USA nur noch eine "kleinen Gewinn" in Aussicht gestellt hatte.

Dividende enttäuscht die Märkte offenbar

Bei der Dividende hatten die meisten Experten allerdings auf eine leichte Steigerung gehofft. Dabei schüttet die Münchener Rück fast eine Milliarde Euro mehr aus als sie 2017 im Konzern erwirtschaftet hat. Ihr Eigenkapital sank zum Jahresende um 3,6 Milliarden auf 28,2 Milliarden Euro.

Die Wirbelstürme stoppten immerhin den Preisrutsch, der die Branche jahrelang geprägt hatte. Im Schnitt seien die Preise in der Erneuerungsrunde um 0,8 Prozent gestiegen, erklärte die Münchener Rück. "Ein Trend, der sich bei den kommenden Erneuerungsrunden verstärken dürfte", erwartet Schneider. In den Runden davor waren die Preise noch um 0,5 Prozent abgebröckelt.

Naturkatastrophen kosteten die Versicherer im vergangenen Jahr nach Branchenschätzungen rund 135 Milliarden Dollar, allein auf die Münchener Rück kamen 3,7 (2016: 0,9) Milliarden Euro zu. Dass der Preisanstieg trotzdem nicht höher ausfiel, liegt daran, dass sich in der Rückversicherung immer noch viele Hedgefonds und andere Anleger auf der Suche nach Rendite tummeln und viel Geld in den Markt pumpen.

Preise für Versicherungsschutz steigen wieder

Die Münchener Rück nutzte die Erholung dazu, deutlich mehr Geschäft zu zeichnen als ein Jahr zuvor. Mit 9,9 Milliarden Euro liegt das Geschäftsvolumen, das zum Jahreswechsel neu verhandelt wurde, fast ein Fünftel höher als ein Jahr zuvor. Vor allem in den USA und in Australien seien großvolumige Verträge abgeschlossen worden.

In der Schaden- und Unfall-Rückversicherung schrieb die Münchener Rück im vergangenen Jahr fast eine halbe Milliarde Euro Verlust. Normalerweise erwirtschaftet die Münchener Rück hier den Löwenanteil des Gewinns. Die Lebens-Rückversicherung, die besser abschnitt als erhofft, machte das Minus wett. Größter Gewinnbringer war aber die Erstversicherungs-Tochter Ergo, die im Umbau steckt, mit 273 Millionen Euro aber mehr ablieferte als gedacht.

rei/Reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung