Samstag, 25. Januar 2020

Naturkatastrophen 2019 Stürme werden immer gefährlicher

 1000 Liter Wasser pro Quadratmeter trug der Wirbelsturm "Hagibis" in Japan im vergangenen Oktober mit sich und richtete um so größere Schäden an - ein Phänomen des Klimawandels, schreiben die Experten der Münchener Rück in ihrem Jahresbericht zu den weltweiten Naturkatastrophen.
Kyodo/ REUTERS
1000 Liter Wasser pro Quadratmeter trug der Wirbelsturm "Hagibis" in Japan im vergangenen Oktober mit sich und richtete um so größere Schäden an - ein Phänomen des Klimawandels, schreiben die Experten der Münchener Rück in ihrem Jahresbericht zu den weltweiten Naturkatastrophen.

Trotz zweier schwerer Taifune über Japan ist die Welt bei Naturkatastrophen im vergangenen Jahr glimpflich davongekommen. Insgesamt verursachten Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben und Waldbrände weltweit Schäden von 150 (2018: 186) Milliarden Dollar, teilte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re Börsen-Chart zeigen am Mittwoch in seinem jährlichen Naturkatastrophen-Bericht mit.

Inflationsbereinigt lagen sie damit nur knapp über dem 30-Jahres-Schnitt (145 Milliarden Dollar). Doch auch an einem insgesamt durchschnittlichen Naturkatastrophen-Jahr erkennen die Experten der Münchener Rück die Folgen der globalen Erwärmung.

"2019 gab es zwei Phänomene, die wir mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf den Klimawandel zurückführen können und die wir in den vergangenen Jahren gehäuft beobachten", sagte Klima- und Geowissenschaftler Ernst Rauch der Nachrichtenagentur Reuters. Tropische Wirbelstürme brächten riesige Regenmengen mit sich. Beim Taifun "Hagibis" in Japan fielen innerhalb von zwei Tagen tausend Liter Regen auf den Quadratmeter, das ist mehr als in Deutschland im ganzen Jahr. "Je aufgeheizter die Atmosphäre ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen."

Zum anderen bewegten sich die Wirbelstürme der vergangenen Jahre auffällig langsam vorwärts und richteten somit an einem Ort umso verheerendere Schäden an.

Zwei Wirbelstürme allein verantwortlich für ein Drittel der Schäden

"Hagibis" war mit zehn Milliarden Dollar für die Versicherer der größte Naturkatastrophen-Schaden des Jahres. Zusammen mit dem Taifun "Faxai", der kurz vorher über die japanischen Inseln hinweggefegt war, verursachte er knapp ein Drittel der Schäden, für die die Branche weltweit einstehen musste. Schon 2018 war Japan von schweren, kostspieligen Stürmen heimgesucht worden. "Ein solcher Doppelschlag - zwei Jahre in Folge mit Rekordschäden - ist selten", sagte Rauch. Insgesamt mussten die Versicherer mit 52 (2018: 86) Milliarden Dollar 2019 deutlich weniger für Naturkatastrophen ausgeben.

Das lag auch daran, dass die Hurrikan-Saison in den USA, wo viele Werte versichert sind, relativ harmlos ausfiel: "Die USA hatten Riesen-Glück. Wir haben 18 tropische Wirbelstürme und Hurrikane über dem Nordatlantik verzeichnet - die meisten sind aber am Festland vorbeigezogen", sagte Rauch. "Und Kalifornien ist auf Buschfeuer inzwischen weit besser vorbereitet." In Australien toben allerdings seit Wochen Wald- und Buschbrände - und ein Ende ist nicht in Sicht: Der Höhepunkt sei erst in den Hochsommermonaten Januar und Februar zu erwarten, fürchtet der Rückversicherer.

Auch in Deutschland sind schwerere Unwetter zu erwarten

Auch Deutschland und Mitteleuropa müssen Rauch zufolge in den nächsten Jahren mit mehr und stärkeren schweren Gewittern rechnen - "obwohl in der Tendenz die Sommer immer trockener werden und sich die Niederschläge in den Winter verlagern". Im vergangenen Jahr machten Hagelschläge etwa ein Drittel aller Naturkatastrophen-Schäden in Deutschland aus."

Allein in und um München verursachte ein Hagelunwetter an Pfingsten Schäden von einer Milliarde Euro - drei Viertel davon waren versichert. Dabei habe sich gezeigt, dass Wärmedämmungen an modernen Häusern sehr anfällig für Hagel sind. Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek fordert deshalb: "Um den Trend zu steigenden Schäden abzudämpfen, müssen Gebäude und Infrastruktur widerstandsfähiger gemacht werden. Dann kann Versicherung umso besser wirken und die verbleibenden finanziellen Schäden tragen."

Zahl der Opfer bei Naturkatastrophen geht zurück

Die Opferzahlen bei Naturkatastrophen gehen nach den Daten der Münchener Rück seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. 9000 (2018: 15.000) Menschen verloren 2019 bei solchen Ereignissen ihr Leben, die meisten davon beim Zyklon "Idai", der vor allem in Mosambik im März gut 1000 Todesopfer forderte. "Der Mensch hat gelernt, mit Naturkatastrophen umzugehen", sagte Rauch.

rei/Reuters

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