Finanzierungsrunde für Movinga Neustart beim Chaos-Start-up

Movinga: Das Start-up versucht den Neustart mit frischem Geld

Movinga: Das Start-up versucht den Neustart mit frischem Geld

Foto: movinga

Movinga galt zuletzt als tragischer Star der deutschen Gründerszene. Nach einer kurzen Zeit des Ruhms verfing sich das Umzugs-Start-up in einem Strudel aus Hochmut, Missmanagement und Intrigen. Das Drama endete vorerst im Juni mit dem Rauswurf der Gründer Bastian Knutzen und Chris Maslowski.

Angesichts dieser Vorgeschichte ist es bemerkenswert, dass die Investoren anscheinend weiter an Movinga glauben. Das Start-up hat nach Informationen von manager magazin die Zusage über eine neue Finanzierung in Höhe von knapp fünf Millionen Euro erhalten.

Die alten Großinvestoren sind wohl alle wieder mit dabei: Earlybird und Global Founders Capital (Samwer Brüder/Rocket Internet) nutzen demnach die Chance, um ihren jeweiligen Anteil zu erhöhen, Index Ventures soll zwar mitgehen, aber seine Beteiligung reduziert haben. Neu im Club ist Stephan Schubert, der Gründer des Finanzportals Onvista. Das Geld der Investoren, heißt es, soll als Wandeldarlehen fließen.

Auch eine Personalie deutet auf einen Neustart: Jochen Cassel, beim Onlinehändler Zalando zuständig für das Financial Reporting, soll zu Movinga gewechselt sein. Cassel wird demnach neuer Finanzchef und soll, so heißt es in Unternehmenskreisen, nach ein paar Monaten zum dritten Geschäftsführer neben Finn Hänsel und Christoph Müller-Guntrum aufsteigen.

Movinga hat Geld bitter nötig

Movinga wollte Investment und Personalie auf Anfrage nicht weiter kommentieren, räumte aber ein, dass Cassel für das Unternehmen tätig sei. Global Founders Capital bestätigte, sich "zusammen mit Alt- und Neuinvestoren an einer neuen Finanzierung" beteiligt zu haben. Die anderen Geldgeber äußerten sich nicht.

Das Start-up dürfte das frische Kapital bitter nötig haben. Mit den fünf Millionen, heißt es in Unternehmenskreisen, wolle die Geschäftsführung bis Anfang 2017 auskommen. Aber kann das gelingen? Ein Sprecher teilt mit, dass die "Burn-Rate" seit dem Rückzug aus Italien und Großbritannien deutlich zurückgegangen sei und man offene Forderungen nun konsequenter eintreibe (siehe Teil 2, die Vorgeschichte).

Die Gründer Knutzen und Maslowski haben sich indes zurückgezogen. In der Gründerszene ist ihr Ruf legendär, da sie erfahrene Wagniskapitalgeber wie Rocket oder Index Ventures anscheinend über Monate narren konnten. Als Konsequenz sollen die Investoren sie gedrängt haben, ihre Anteile gegen eine niedrige, eher symbolische Kompensation zurückzugeben. Im Gegenzug hätten die Geldgeber, so erzählt man es sich zumindest in Branchenkreisen, auf "juristische Schritte" gegen die beiden verzichtet.

Knutzen und Maslowski streiten dies auf Anfrage ab. Sie hätten ihre Anteile verkauft, um "Liquidität für das nächste Start-up" zu gewinnen. Konkrete Pläne nennen sie indes nicht. Movinga wollte sich nicht konkret äußern, betont aber, dass man sich von den eigenen Gründern "in bestem Einvernehmen" getrennt habe.

So viel scheint klar: Bei Movinga kann es eigentlich nur besser werden.

Die Vorgeschichte: Zwei Gründer im Gottmodus

Hinter Movinga steckt eine ungewöhnliche Gründergeschichte, die viel über die Abgründe des jüngsten Start-up-Hypes erzählt.

Die Protagonisten: Bastian Knutzen und Chris Maslowski, zwei Studenten der Privatuniversität WHU, blutjung und ehrgeizig. Die beiden ziehen 2015 aus Koblenz nach Berlin, um in gut einem Jahr ein Online-Umzugsunternehmen aufzublasen, das zu Spitzenzeiten 500 Mitarbeiter beschäftigt haben soll. Noch im vergangenen Januar warben die Gründer mit ihrer Idee 25 Millionen Euro Wagniskapital ein. Medien und Investoren feierten Knutzen und Maslowski als Jungstars der Szene. Selbst die WHU führte sie als Bachelor-Absolventen, obwohl sie ihr Studium wohl gar nicht abgeschlossen hatten.

Der Absturz folgte Mitte Juni, als die Investoren die Gründer aus ihrer eigenen Firma drängten. Die Liste ihrer mutmaßlichen Verfehlungen ist lang: Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte im Juni, gegen Knutzen und Maslowski wegen Urkundenfälschung zu ermitteln, sie sollen Mitarbeiter schikaniert und, um es vorsichtig zu formulieren, es mit der Wahrheit nicht immer genau genommen haben. Die beiden Jung-Unternehmer verbrannten zu ihren besten Zeiten wohl fünf Millionen Euro im Monat und ließen Movinga auf offenen Rechnungen im Gegenwert von acht Millionen Euro sitzen (wie t3n berichtet ). Es folgten Massenentlassungen, das Geschäft in Italien und Großbritannien wurde aufgegeben.

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