Freitag, 29. Mai 2020

Kronprinz bin Salman im Blick Saudischer Kronprinz soll Smartphone von Jeff Bezos gehackt haben

Jeff Bezos und Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad (Aufnahme von 2016)
AFP PHOTO / SAUDI ROYAL PALACE / BANDAR AL-JALOUD
Jeff Bezos und Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad (Aufnahme von 2016)

Im Januar 2019 sorgte eine Schmutzkampagne gegen Amazon-Gründer Jeff Bezos für Aufsehen. Wie der britische "Guardian" nun berichtet, könnte dahinter der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich stecken.

Das Handy des Amazon-Gründers Jeff Bezos soll im Jahr 2018 gehackt worden sein - nachdem er eine verschlüsselte WhatsApp-Nachricht des saudischen Kronzprinzen Mohammed bin Salman erhalten habe. Das berichtet der britische "Guardian". Demnach habe die Nachricht von der Nummer, die Bin Salman zugeordnet wird, eine Datei mit mutmaßlicher Spyware enthalten, die Bezos' Smartphone "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ausspionierte. Das gehe aus Ergebnissen einer forensischen Untersuchung hervor, schreibt die Zeitung.

Der "Guardian" bezieht sich in seinem Artikel auf anonyme Quellen, die unter anderem aussagen, dass Bezos und Bin Salman einen freundlichen Austausch über den Messenger gepflegt haben sollen, ehe die mutmaßliche Spyware gesendet worden sei. Eine große Menge an Daten sei daraufhin von Bezos' Smartphone gezogen worden, schreibt die Zeitung.

Die saudi-arabische Botschaft in den USA reagierte bei Twitter auf die Veröffentlichung: Medienberichte, wonach das Königreich hinter einem Hack von Jeff Bezos' Handy stecke, seien absurd. "Wir fordern eine Untersuchung dieser Behauptungen."

Kronprinz Mohammed bin Salman

Nach dem mutmaßlichen Hack geriet das Privatleben von Jeff Bezos in Verruf. Neun Monate später, im Januar 2019, veröffentliche das US-Boulevardmagazin "National Enquirer" intime Details aus Bezos' Privatleben: Er habe unter anderem eine Affäre gehabt, titelte das Blatt damals. Bezos leitete private Ermittlungen ein, um zu erfahren, wie der "National Enquirer" an die sensiblen Daten gelangt war. In Verdacht stand lange der Bruder seiner neuen Lebensgefährtin, der jedoch als Bauernopfer galt.

Die Rolle des David Pecker

Bezos' Sicherheitschef, Gavin de Becker, schrieb bereits im vergangenen März im Magazin "Daily Beast" unter anderem über "die enge Beziehung" des saudischen Kronprinzen mit dem CEO der American Media INC (AMI), David Pecker. Dem Medienunternehmen gehört unter anderem der "National Enquirer". Sowohl Saudi-Arabien als auch der "National Enquirer" bestreiten laut "Guardian", dass Saudi-Arabien etwas mit den Enthüllungen um Bezos' Privatleben zu tun hat. Saudi-Arabien hatte auch stets bestritten, dass es das Telefon von Bezos im Visier hatte.

Pecker geriet schon einmal in die Kritik, nachdem er im US-Wahlkampf 2016 die Affären seines Freundes, des heutigen US-Präsidenten Donald Trump, aus den Schlagzeilen hielt, obwohl der "National Enquirer" die Exklusivrechte an der Geschichte eingekauft hatte. In den USA wird ein solches Verhalten eines Medienhauses "catch and kill" genannt. Bezos soll eigenen Angaben zufolge von dem Magazin zudem mit Nacktfotos erpresst worden sein. Bezos gilt als großer Trump-Gegner.

Die Enthüllungen des "Guardian" werfen auch ein neues Licht auf den Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Er hatte die letzten Jahre seines Lebens in den USA verbracht und für die "Washington Post" geschrieben, die 2013 von Bezos gekauft worden war. Nur fünf Monate, nachdem Bezos' Smartphone gehackt worden sein soll, wurde Khashoggi im Oktober 2018 in der saudi-arabischen Botschaft in Istanbul ermordet. Der Kronprinz gilt als möglicher Auftraggeber für den Mord.

Khashoggi schrieb in seiner Kolumne in der "Washington Post" regelmäßig kritisch über das saudische Königreich. Saudi-Arabien verlegte sich auf die Verteidigungslinie, dass der Mord an Khashoggi das Ergebnis einer "Schurkenoperation" gewesen sei. Im Dezember verurteilte ein saudi-arabisches Gericht acht Personen wegen Beteiligung an dem Mord nach einem geheimen Prozess, der von Menschenrechtsexperten kritisiert worden war.

Nach dem Tod von Khashoggi setzte die "Washington Post" ein Team ein, um die näheren Umstände seiner Ermordung herauszufinden. Bezos zeigte sich zudem öffentlich mit Khashoggis Frau Hatice Cengiz.

hba/spon

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