Mittwoch, 17. Juli 2019

mm-Grafik Woher die Fifa-Milliarden stammen

Das historisch pralle Festgeldkonto der Fifa ist Sepp Blatters bestes Wahlkampfargument. Weil der Schweizer während seiner Amtszeiten seit 1998 viele Millionen an kleinere Landesverbände verteilt hat, kann er trotz des aktuellen Skandals auf breite Unterstützung innerhalb der Fifa zählen. Die Grafik unseres Partners Statista schlüsselt am Beispiel des WM-Jahres 2014 auf, womit der Weltfußballverband sein Geld verdient.

Das meiste Geld verdient die Fifa laut aktuellem Geschäftsbericht mit dem Verkauf von Fernsehrechten: 743 Millionen Dollar kamen so im WM-Jahr zusammen.

Sponsoren brachten der Fifa im selben Jahr 465 Millionen Dollar ein. Davon werden 177 Millionen den im vergangenen Jahr noch sechs Hauptsponsoren ("Fifa-Partner": Adidas Börsen-Chart zeigen, Coca-Cola Börsen-Chart zeigen, Hyundai Kia Börsen-Chart zeigen, Visa sowie die inzwischen abgesprungenen Emirates und Sony Börsen-Chart zeigen) zugerechnet. Allerdings gilt die Zahl selbst in Sponsorenkreisen als zu gering. Ein Teil ihrer Leistungen wird wohl separat als "Erträge aus Sachleistungen" verbucht.

Dennoch können Adidas und Co. unter Verweis auf das Zahlenwerk darlegen, dass die Macht im Weltfußball nicht allein an ihnen hängt. Einen noch größeren Hebel zur Reform der Fifa hätten - neben den nationalen Fußballverbänden, die der Fifa überhaupt erst ein vermarktbares Asset zur Verfügung stellen - die Fernsehsender, deren Buhlen um Übertragungsrechte auch eine zentrale Rolle in der US-Anklage des Korruptionsskandals spielt.

Letztlich sind Fans und Zuschauer die entscheidende Einnahmequelle. Im WM-Jahr war auch der Posten "sonstige Wettbewerbserträge" groß, der stärker schwankt als die Einnahmen aus Fernseh- und Sponsorenverträgen, die über mehrere Jahre abgeschlossen werden. Der Ticket-Verkauf brachte 2014 satte 477 Millionen Dollar ein, also noch mehr als das Marketing. Anders als bei früheren Turnieren, floss dieses Geld in Brasilien direkt der Fifa zu statt dem nationalen Organisationskomitee.

Eine besondere WM-Konjunktur hatten auch die Hospitality-Einnahmen mit 111 Millionen Dollar, also die Bewirtung von VIP-Gästen. Die Posten "Erträge aus Lizenzrechten" und "übrige betriebliche Erträge" lassen sich mit 132 Millionen Dollar zusammenfassen. Denn in beiden Fällen geht es hauptsächlich darum, dass die Fifa von dritten Firmen für deren Produkte kassiert, wenn sie die Marken Fifa und WM verwenden.

Insgesamt kommt der Verband auf Wettbewerbserträge von 1,9 Milliarden Dollar - dem stehen Kosten von etwa 900 Millionen Dollar gegenüber, also ergibt sich nahezu ein Milliardengewinn allein aus der WM für 2014.


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