Donnerstag, 18. Juli 2019

Generationswechsel im Mittelstand "Der Mittelstand zieht Gründer und Digital Natives an"

Deutscher Mittelstand: "Zwei Drittel der Unternehmen werden bis 2020 eine neue Führung haben. Zugleich verändern sich Produktion, Vertrieb und Märkte rasant"
imago/Westend61
Deutscher Mittelstand: "Zwei Drittel der Unternehmen werden bis 2020 eine neue Führung haben. Zugleich verändern sich Produktion, Vertrieb und Märkte rasant"

Die Marktbedingungen für Unternehmen verändern sich rasant - und ebenso rasch vollzieht sich derzeit ein Generationswechsel bei deutschen Firmen. Dieser doppelte Wandel bietet viele Chancen, sagt Commerzbank-Vorstand Michael Reuther. Doch nicht jeder nutzt sie - und einige "Hidden Champions" riskieren ihre Zukunft.

mm.de: Herr Reuther, es gibt derzeit kaum eine Studie über den deutschen Mittelstand, in der nicht die Schlagworte "Umbruch", "Disruption" oder "strategische Neuausrichtung" vorkommen. Warum ist "Neues Denken" eigentlich so wichtig? Bislang waren die meisten deutschen Mittelständler doch auch mit ihren erprobten Rezepten höchst erfolgreich.

Michael Reuther
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    Commerzbank
    Michael Reuther ist Vorstand bei der Commerzbank. Er ist für das Business Segment Firmenkunden und damit für das Mittelstandsgeschäft zuständig.

Michael Reuther: Den Erfolg der "Hidden Champions" aus dem deutschen Mittelstand will niemand in Frage stellen. Dennoch haben wir derzeit eine doppelte Umbruchsituation, die sich parallel auf zwei Ebenen vollzieht. Zum einen verändern sich Märkte in ihrer Struktur: Produktionsprozesse, Vertriebsmodelle und Handel ändern sich durch die Digitalisierung rasant. Zugleich gibt es einen Umbruch auf personeller Ebene - 39 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland stehen vor einem Führungswechsel, und bis 2020 werden 2 von 3 Mittelständlern eine neue Unternehmensführung haben. Dieser Wechsel auf die neue Generation bietet den Unternehmen die Chance, den Erfolg der vergangenen Jahre auch für die Zukunft zu sichern: Durch mehr Gründermentalität, neues Denken und neue Strukturen im Betrieb.

mm.de: Dennoch ist ein Ergebnis der Studie "Next Generation", dass die Chance für grundlegende Veränderungen häufig nicht genutzt wird. Nur eine Minderheit hat sich auf neue Geschäftsfelder oder an neue Technologien gewagt. Sind deutsche Mittelständler zu vorsichtig?

Reuther: Es geht ja nicht darum, über Nacht sein Geschäftsmodell auf den Kopf zu stellen, weil in den kommenden Jahren starke Veränderungen erwartet werden. Es geht darum, ein erfolgreiches Modell im besten konservativen Sinn neu auszurichten und zu entwickeln, um den Erfolg für die Zukunft zu bewahren. Wer wie der deutsche Mittelstand auf bewährte und erfolgreiche Strukturen aufbauen kann, der muss nicht wie ein Start-up im Silicon Valley die Welt neu erfinden. Aber er sollte sich schon bewusst sein, dass sich Geschäftsfelder verändern und neue Konkurrenten entstehen. Ein Großteil des Mittelstandes sieht ja diese Chance laut der Studie bereits. Jetzt geht es darum, sie zu nutzen.

mm.de: Was muss ein Unternehmer konkret tun?

Reuther: Er sollte bereit sein, die alten Erfolgsrezepte in Frage zu stellen. Zum Beispiel prüfen, ob ein Rückzug aus einigen bestehenden Geschäftsfeldern sinnvoll ist, um sich neue zu erschließen und neue Kompetenzbereiche zu schaffen. Er sollte offen für neue Partnerschaften und neue strategische Kooperationen sein. Immerhin rechnen 50 Prozent der in der Studie befragten Unternehmer mit einer umfassenden Digitalisierung ihrer Geschäftsbereiche. Das erfordert einfach die Bereitschaft, neu zu denken, sich weiterzuentwickeln und in Technik und Know-how zu investieren.

Neues Denken für die Wirtschaft
Für die Studie "Next Generation" hat die Initiative UnternehmerPerspektiven 2010 mittelständische Unternehmen befragt. Zwischen November 2016 und Januar 2017 wurden Führungskräfte der ersten Ebene telefonisch von TNS Infratest interviewt.
Die vollständige Studie finden Sie hier.

mm.de: Mehr Gründermentalität sowie die Bereitschaft, die Unternehmenskultur wie auch die Produktionsprozesse zu verändern - wie soll der deutsche Mittelstand die dafür nötigen Fach- und Führungskräfte gewinnen?

Reuther: Darüber mache ich mir keine Sorgen. Mittelständische Unternehmen sind als Arbeitgeber sowohl für Gründer wie auch für hoch qualifizierte junge Führungskräfte sehr attraktiv. Fachkräfte müssen auch nicht immer von außen kommen. Zwei von drei Unternehmen haben die Weiterqualifizierung der eigenen Belegschaft im Blick.

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