Mittwoch, 17. Juli 2019

Generationswechsel im Mittelstand "Der Mittelstand zieht Gründer und Digital Natives an"

Deutscher Mittelstand: "Zwei Drittel der Unternehmen werden bis 2020 eine neue Führung haben. Zugleich verändern sich Produktion, Vertrieb und Märkte rasant"
imago/Westend61
Deutscher Mittelstand: "Zwei Drittel der Unternehmen werden bis 2020 eine neue Führung haben. Zugleich verändern sich Produktion, Vertrieb und Märkte rasant"

2. Teil: Champions in der Provinz - mit jungen Führungskräften, die Erfolgsmodelle auch in Frage stellen

mm.de: Aber mittelständische Unternehmen gehen Wandel eher vorsichtig an und operieren meist von der Provinz aus. Der Puls der Veränderung schlägt anderswo schneller.

Neues Denken für die Wirtschaft
Für die Studie "Next Generation" hat die Initiative UnternehmerPerspektiven 2010 mittelständische Unternehmen befragt. Zwischen November 2016 und Januar 2017 wurden Führungskräfte der ersten Ebene telefonisch von TNS Infratest interviewt.
Die vollständige Studie finden Sie hier.

Reuther: Die mittelständischen Unternehmen profitieren ja gerade von ihrer Mittelstellung zwischen Start-up und Konzernen. Sie sind finanziell handlungsfähiger als Start-ups, haben bereits ein bewährtes Kundennetzwerk und können neue Ideen rascher umsetzen. Gleichzeitig sind sie flexibler und schneller als große Konzerne. Diese Mischung aus Innovationskraft und Erfahrung macht den Mittelstand höchst attraktiv für Digital Natives und für junge Fachkräfte, die nicht nur neue Ideen entwickeln, sondern auch neue Produkte und Prozesse schaffen wollen.

mm.de: Aber warum sollte ein Hidden Champion, der in einem reifen Markt noch immer gute Geschäfte macht, sich neu erfinden? Geht der Anspruch der "Digital Natives", stets flexibel und offen für grundlegende Veränderungen zu sein, für diese Unternehmen zu weit?

Reuther: Flexibel und offen waren die meisten mittelständischen Unternehmen schon immer. Viele der älteren Unternehmen sind seit mehr als 30 Jahren erfolgreich, weil sie flexibel und offen sind und konsequent auf Veränderungen des Marktes reagieren. Die rasante Veränderung durch die Digitalisierung ist für mittelständische Unternehmen also kein neues Phänomen - allerdings nimmt durch das rasante Tempo der Digitalisierung auch der Handlungsdruck bei den Unternehmen zu.

mm.de: Welche Rolle spielen dabei Angreifer wie Amazon Börsen-Chart zeigen oder Tesla Börsen-Chart zeigen ?

Reuther: Die meisten der befragten Unternehmen sehen genau, dass die Herausforderungen zunehmen. Gut 40 Prozent haben schon selbst solche disruptiven Wettbewerber in ihrem Marktsegment erlebt. Der Einzelhandel ist durch Online-Handel grundlegend verändert worden, und in der Autobranche gilt der Verbrennungsmotor für viele als Auslaufmodell. Das alles spricht dafür, sich das Knowhow der Digital Natives auch in die Geschäftsführerebene hereinzuholen und ihnen auch Freiräume zu geben. In diesem Prozess können Banken übrigens dabei helfen, Skepsis abzubauen und Potenziale aufzuzeigen. Sie sind dann eher in der Rolle eines strategischen Beraters - weil sie durch ihre Vernetzung selbst einen Überblick über Veränderungen in einem Markt haben.

mm.de: Bei dem Projekt "Next Generation" geht es also um eine Wachablösung im deutschen Mittelstand?

Reuther: Es geht eher um einen guten und erfolgreichen Mix aus Jung und Alt, bewährt und neu. Junge Führungskräfte und erfahrene Neueinsteiger sorgen in solch einem Unternehmen für neues Denken. Erfahrenere Führungskräfte treiben zugleich die Produktinnovationen voran. Jung und Alt sind offen füreinander und arbeiten miteinander - und das sehr erfolgreich.

mm.de: Wie kann ein Unternehmen den Generationswechsel erfolgreich gestalten?

Reuther: Die neue Führung sollte Antworten haben, wie man auf den Veränderungsdruck reagiert. Zudem sollte sie Mitarbeiter gewinnen, die disruptiv denken - also nicht nur weiterführen, sondern auch in Frage stellen können. Statt nur auf Branchenerfahrung sollten Unternehmen eher auf ihre Innovationsfähigkeit setzen. An Risiko- und Innovationsbereitschaft hat es mittelständischen Unternehmern nie gemangelt - und diese ist auch jetzt gefragt.

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