Milliardenauftrag für A350 Airbus sticht Boeing in Japan aus

Airbus feiert den Durchbruch in Fernost: Japan Airlines hat erstmals einen Milliardenauftrag an den europäischen Flugzeugbauer vergeben. Damit stößt Airbus in die Domäne des Konkurrenten Boeing vor, der für die Probleme mit dem Dreamliner abgestraft wird.
Airbus A350: Erste Milliardenorder aus Japan

Airbus A350: Erste Milliardenorder aus Japan

Foto: Guillaume Horcajuelo/ dpa

Tokio - Der Flugzeugbauer Airbus schafft mit einem Milliardenauftrag von Japan Airlines (JAL) den Durchbruch auf dem japanischen Luftfahrtmarkt. Der bisherige Stammkunde des US-Herstellers Boeing bestellt bei den Europäern 31 Exemplare des neuen Langstreckenjets A350, wie Airbus-Chef Fabrice Brégier und die JAL-Führung in Tokio bekanntgaben. Laut Preisliste haben sie einen Gesamtwert von 9,5 Milliarden US-Dollar (7,0 Milliarden Euro). Hinzu kommen Kaufoptionen für weitere 25 Maschinen der Serie.

Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS  reagierte positiv auf die Nachrichten. An der Pariser Börse legte sie gegen den Markttrend um 1,1 Prozent auf 49,72 Euro zu und war damit zweitstärkster Wert im französischen Index CAC 40 . An der Frankfurter Börse verteuerten sich die Papiere in einem schwachen Gesamtmarkt um 1,56 Prozent auf 49,935 Euro. Damit eroberten sie die Spitze des MDax , der zeitgleich 0,89 Prozent tiefer stand.

Brégier: "Durchbruch auf dem Markt des Wettbewerbers"

Bei den fest bestellten Flugzeugen handelt es sich um 18 Exemplare der Standardversion A350-900 und 13 der Langversion A350-1000. Die Auslieferung an die Japaner soll im Jahr 2019 anlaufen. Der Kaufpreis ist nur als Größenordnung zu verstehen: Bei Flugzeugbestellungen sind Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich.

"Auf diesem Markt unseres Wettbewerbers den Durchbruch zu schaffen war eines unserer wichtigsten Ziele", sagte Brégier. Japan Airlines und der einheimische Rivale All Nippon Airways (ANA) sind bisher Großkunden des US-Herstellers Boeing . Für die JAL ist der jetzige Auftrag die erste Bestellung bei Airbus überhaupt. Auch die ANA ist lediglich auf der Mittelstrecke mit Airbus-Maschinen unterwegs. Auf der Langstrecke setzten beide Gesellschaften durchweg auf Boeing.

Japaner ziehen Konsequenzen aus Dreamliner-Problemen

Die Zwischenfälle von Boeings jüngstem Langstreckenjet 787 "Dreamliner" hatten beiden Fluglinien zuletzt jedoch Negativschlagzeilen eingebrockt. Anfang des Jahres musste der Flugzeugtyp wegen Brandgefahr an den Lithium-Ionen-Akkus drei Monate lang am Boden bleiben. In einer Maschine der JAL war zuvor ein Feuer ausgebrochen, ein "Dreamliner" der ANA musste wegen eines schmorenden Akkus notlanden. Beide Fluglinien gehörten zu den ersten Kunden des Modells. Das Flugverbot traf sie so schwer wie keine andere Gesellschaft weltweit.

Bei dem US-Konzern kam der jüngste Airbus-Auftrag nicht gut an. Boeing zeigte sich auf Nachfrage "enttäuscht" von der Entscheidung der JAL. Allerdings erwarte Boeing, dass die Partnerschaft mit den Japanern weitergeht. JAL betreibt bislang 166 Boeing-Jets - das entspricht 78 Prozent der Flotte. Bei den übrigen Maschinen handelt es sich um Regionaljets von Bombardier , Embraer und Saab.

Airbus schraubt Absatzziel nach oben

Der Airbus A350 konkurriert in seinen drei verschiedenen Längen sowohl mit dem "Dreamliner" als auch mit Boeings langjährigem Verkaufsschlager 777. Weil der Airbus ein Viertel weniger Treibstoff verbrauchen soll als die betagtere 777, arbeitet Boeing an einer spritsparenden Neuauflage, die unter dem Namen 777-X antritt. In der Standardversion A350-900 fasst der Airbus gut 300 Passagiere, in der Langversion sollen rund 350 Menschen an Bord Platz finden.

Seit ihrem Jungfernflug im Juni hat die A350 auf rund 60 Flügen mehr als 300 Flugstunden absolviert. Mit der jüngsten Order aus Japan hat Airbus nun verbindliche Bestellungen für 756 Maschinen des Typs eingesammelt. Intern habe sich das Unternehmen Neubestellungen für 1.200 neue Flugzeuge in diesem Jahr zum Ziel gesetzt, sagte Airbus-Verkaufschef, John Leahy, am Montag bei einer Konferenz in Barcelona. Vor wenigen Tagen hatte EADS-Chef Thomas Enders von "weit über 1.000" Bestellungen gesprochen.

mahi/dpa-afx
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