Freitag, 26. April 2019

Premier League Dieser Milliardär wird seinen Fußballclub nicht los

Mike Ashley (Archivaufnahme, August 2017)

In seinem Hauptberuf hat Michael Ashley eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben. Mit 18 gründete der Brite den Sportartikel-Händler Sports Direct, der heute über 400 Filialen in Großbritannien und Kontinentaleuropa betreibt; zum Imperium des 54-Jährigen gehören außerdem Handelsketten wie House of Fraser sowie ein Anteil am Kaufhausriesen Debenhams. "Forbes" schätzt Ashleys Vermögen aktuell auf knapp 3 Milliarden Dollar (knapp 2,6 Milliarden Euro).

Mit einem Nebengeschäft hat Ashley allerdings schon länger wenig Freude. 2007, kurz nach dem milliardenschweren Sports-Direct-Börsengang, kaufte er für 134 Millionen Pfund den Fußball-Traditionsverein Newcastle United. Einem ehemaligen Trainer habe er freimütig erzählt, keine Ahnung zu haben, warum er einen Fußballverein gekauft habe, schreibt der "Telegraph" einige Jahre später. Das Problem: Darauf könne sich auch sonst niemand einen Reim machen.

Anfänglich hatten die Fans Ashleys Einstieg noch begrüßt. Im Trikot zeigte sich der Milliardär auf den Rängen und mit einem Pint Bier in der Hand in Fankneipen. Doch schon 2008, nur ein Jahr nach der Übernahme, wurden erstmals Versuche öffentlich, den Verein wieder zu veräußern. Das Vorhaben misslang seitdem mehrfach.

Zuletzt hatte Ashley seit Mitte 2017 versucht, den Club für etwa 400 Millionen Pfund abzustoßen; laut eigenen Aussagen war er mit diesem Vorhaben zuletzt weiter als je zuvor. Wie "Bloomberg" aber schreibt, seien die Gespräche mit noch Anfang Dezember mindestens drei interessierten Parteien nun abgebrochen worden.

City zeigt, wie es gehen kann

Dabei sei der Club für finanzstarke Investoren eigentlich eine annehmbare Wette, führt "Bloomberg" aus. Manchester City habe zuletzt etwa gezeigt, dass mit der richtigen Führung (und den richtig eingesetzten Hunderten Millionen Pfund) aus vormals wenig überzeugenden Teams Champions geformt werden könnten. Newcastle sei mit seiner großen Anhängerschaft zudem auch wirtschaftlich lohnend, zuletzt sei der Verein im Umsatzranking von Deloitte etwa auf dem 19. Platz gelandet - nicht etwa von England, sondern von ganz Europa.

Einem für Ashley lohnenden Verkauf steht laut von "Bloomberg" befragten Experten einerseits die sportlich prekäre Lage des Clubs im Weg - die "Magpies" liegen nach 26 Spieltagen mit 25 Punkten nur knapp über den Abstiegsrängen auf Rang 16. Die Fans machen dafür auch den Besitzer verantwortlich, der ihrer Meinung nach zu wenig Geld ins Team investiert hat, obwohl Premier-League-Clubs regelmäßig dutzende Millionen aus der Vermarktung ihrer Fernsehrechte erhalten.

Andererseits sei auch Ashley selbst Teil des Problems: Er könne Newcastle eigentlich ohne Probleme verkaufen, zitiert "Bloomberg" etwa die Unterhaus-Abgeordnete Chi Onwurah - verhindere das aber mit seinem eigenen Gebaren: "Er ändert während der Verhandlungen die Geschäftsbedingungen." So habe laut "Sky Sports" etwa die in der vergangenen Saison am Verein interessierte Amanda Staveley, die schon beim Verkauf von Manchester City an Scheich Mansour beteiligt war, die "ermüdenden" Verhandlungen abgebrochen. Andere an Verhandlungen Beteiligte gaben zu Protokoll, Ashley misstraue Angeboten.

Schon im Jahr 2017 hatte Ashleys Verhalten als Geschäftsmann für Schlagzeilen gesorgt - vor Gericht hieß es damals, Ashley habe sich nach einem Wetttrinken mit einem Analysten in den Kamin eines Pubs übergeben - "unter tosendem Applaus seines höheren Managementteams".

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