Streit vor Gericht Middelhoff räumt Millionenschulden bei Roland Berger ein

Auf der Flucht vor Gläubigern flüchtete Thomas Middelhoff schon mal über ein Garagendach. Nun räumt der Ex-Arcandor-Chef offen ein, bei Roland Berger tief in der Kreide zu stehen. Der bekannte ehemalige Berater bekräftigt seine Forderung vor Gericht. Bei einer Frage aber fehlt ihm die Erinnerung.
"Herr Berger will Cash haben": Ex-Arcandor-Chef Middelhoff könne seine Schulden derzeit nicht begleichen, weil sein Vermögen eingefroren ist, sagt er

"Herr Berger will Cash haben": Ex-Arcandor-Chef Middelhoff könne seine Schulden derzeit nicht begleichen, weil sein Vermögen eingefroren ist, sagt er

Foto: Marcel Kusch/ dpa

Essen - Der ehemalige Unternehmensberater Roland Berger hat am Dienstag vor Gericht seine finanziellen Ansprüche gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wiederholt.

Im Essener Untreueprozess gegen Middelhoff bestätigte Berger, dass er von Middelhoff in der Folge einer "geschäftlichen Zusammenarbeit" aus dem Jahre 2008 weiterhin rund 6,6 Millionen Euro plus Zinsen fordert "Leider ist nichts davon gezahlt worden", beklagte der 76-jährige Berger.

Der ehemalige Chef von Bertelsmann und Arcandor räumte ein: "Ich schulde ihm Geld." Doch er komme wegen anderer Rechtsstreitigkeiten nicht an sein Vermögen. Er habe Berger zwar Sicherheiten abgetreten, aber: "Herr Berger will Cash haben."

Berger hatte den Ex-Arcandor-Chef bereits dazu gezwungen, eine Vermögenserklärung abzugeben. Der Vorfall hatte im Juli viel Aufsehen erregt, weil Middelhoff über ein Garagendach vor Gläubigern und ihren Vollstreckungsschreiben geflohen war. Er sei "wie die Katze übers Dach", hatte Middelhoff anschließend erklärt.

"Bergers Forderungen nicht unbestritten"

Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller sagte, Bergers Forderungen seien insgesamt "nicht unbestritten". Middelhoff habe selbst Forderungen an Berger: "Middelhoff ist kein säumiger Schuldner."

Im Untreue-Prozess gegen Middelhoff spielt der Zwist um Schulden indes eigentlich keine Rolle: Die Staatsanwaltschaft wirft Middelhoff vor, Arcandor mit Privatflügen auf Firmenkosten einen Schaden von rund 945.000 Euro zugefügt zu haben. Unter anderem sei er immer wieder mit dem Hubschrauber von seinem Wohnort Bielefeld zur Arcandor-Zentrale in Essen geschwebt.

Berger, einstmals ein wichtiger Strippenzieher in der deutschen Wirtschaft und Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung, wurde vom Gericht auch zum Reiseverhalten Middelhoffs befragt.

Berger und Middelhoff hatten sich am 12. Januar 2009 in Berlin getroffen - Middelhoff war zu dem Treffen mit einer Chartermaschine angereist. An genaue Gesprächsinhalte könne er sich aber nicht mehr erinnern, räumte Berger ein. "Das ist alles sehr lange her."

rei/rtr/dpa
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