Mittwoch, 22. Januar 2020

Komplettverkauf an X+Bricks Metro will sich bis Ende Januar von Real-Supermärkten trennen

Real: Metro will die Supermarktkette Real lieber als Ganzes verkaufen
Roland Weihrauch/ DPA
Real: Metro will die Supermarktkette Real lieber als Ganzes verkaufen

Der Handelsriese Metro Börsen-Chart zeigen geht fest davon aus, sich nach langen Verhandlungen Anfang 2020 von der Supermarktkette Real zu trennen. Er habe keinen Zweifel daran, Ende Januar einen Kaufvertrag mit dem Bieter-Konsortium aus X+Bricks und der SCP Group besiegeln zu können, sagte Metro-Chef Olaf Koch am Donnerstag in Düsseldorf. Das Konsortium werde Real komplett übernehmen.

Metro stehe im Dialog mit dem Bundeskartellamt, sagte Koch weiter. Er erwarte nicht, dass es mit den Wettbewerbshütern Probleme geben werde. Das Konsortium zielt darauf ab, Real im Kern weiterführen. Filialen der Kette sollen aber auch an Wettbewerber verkauft oder geschlossen werden. Das Kartellamt sieht sich Übernahmen im hoch konzentrierten deutschen Lebensmittelhandel sehr genau an.

manager magazin hatte bereits vor zwei Wochen exklusiv darüber berichtet, dass Metro wieder Gespräche mit X+Bricks aufgenommen habe. In der Mitteilung von Metro in der vergangenen Woche hatte es geheißen, Ziel sei es, auf Basis der Absichtserklärung mit dem Konsortium zu einem Vertragsabschluss ("Signing") bis Ende Januar 2020 zu kommen. Das vereinbarte Konzept sehe eine Veräußerung von Real als Ganzes ohne Rückbeteiligung der Metro vor. Der aktuelle Verhandlungsstand impliziere einen Nettomittelzufluss aus der möglichen Transaktion von etwa 0,5 Milliarden Euro.


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Bislang hatte Metro-Chef Olaf Koch (49) Real eigentlich an ein Konsortium um den Investor Redos verkaufen wollen. Doch in der Mitteilung heißt es weiter, dass die Verhandlungen mit Redos beendet wurden. Schon zuvor waren die Gespräche mit Redos ins Stocken geraten.

Metro-Chef Koch hatte Real vor gut einem Jahr ins Schaufenster gestellt. Die Supermarkt-Kette mit ihren rund 34.000 Beschäftigten passt nicht zu seiner Strategie, den Düsseldorfer Konzern auf das Geschäft rund um den Großhandel zu konzentrieren. Doch die Verhandlungen mit Redos zogen sich seit Monaten hin. Arbeitnehmervertreter bei Real beklagen die seit langem andauernde Unsicherheit für die Beschäftigten. X+Bricks hatte erst Ende November angekündigt, Koch ein verbessertes Angebot für Real auf den Tisch zu legen, Metro hatte die Gespräche mit dem Konsortium wieder aufgenommen.

X+Bricks hatte zusammen mit der SCP Group bereits im Juli die Real-Offerte aufpoliert, um Redos aus dem Rennen zu werfen. Das Konsortium hatte damals erklärt, das Angebot für das operative Geschäft und die Immobilien von Real biete der Metro einen Gesamt-Mittelzufluss von "deutlich über 0,5 Milliarden Euro". Doch Metro-Chef Koch hatte sich lange geweigert, mit X+Bricks zu verhandeln. Als Grund nannte er mögliche kartellrechtliche Probleme. Der Immobilieninvestor aus Frankfurt arbeitet eng mit Kaufland zusammen. Klaus Gehrig (71), Chef des Kaufland-Eigentümers Schwarz Gruppe, zu der auch der Discounter Lidl gehört, wollte rund 100 Real-Standorte übernehmen, berichtete manager magazin.

Redos plante dem Vernehmen nach dagegen, das Onlinegeschäft und nur einen kleinen Teil der Märkte zu behalten und unter dem Namen Real weiterzuführen. So wollte Redos rund 60 Geschäfte übernehmen, weitere Läden sollten beispielsweise an Edeka veräußert werden. Vorgesehen war zudem, dass Metro noch für mindestens drei Jahre mit 24,9 Prozent beteiligt gewesen wäre.


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Metro hatte jedoch trotz der neuerlichen Offerte von X+Bricks damals die Gespräche mit Redos fortgesetzt. Das Kartellamt hat die Pläne von Redos zudem mittlerweile gebilligt. Nun kann stattdessen Konkurrent Kaufland nach den Plänen von X+Bricks bei Real zugreifen. Jedoch müssen die Pläne von X+Bricks vom Kartellamt geprüft werden, das bei Übernahmen im von wenigen Handelskonzernen beherrschten deutschen Einzelhandel sehr genau hinsieht. Genau im Blick hat die Pläne für die Transaktion auch der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky, der seinen Metro-Anteil zuletzt auf knapp 30 Prozent aufgestockt hat.

kna/dpa

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