Montag, 14. Oktober 2019

Hauptstadtflughafen BER Mehdorns vernichtende Jahresbilanz

Missmanagement: Methode Mehdorn
DPA

Am 11. März ist Hartmut Mehdorn ein Jahr Chef der Berliner Flughafengesellschaft. Was hat er seitdem geschafft? Kurzum: Ein normaler Angestellter hätte mit einer solchen Bilanz die Probezeit nicht bestanden.

Berlin - Als Hartmut Mehdorn vor knapp einem Jahr die Führung der Berliner Flughafengesellschaft übernahm, galt er als Hoffnungsträger. Nur ein rustikaler Macher von seinem Schlage könne ein verfahrenes Projekt wie den Flughafen Schönefeld wieder aus dem Dreck ziehen, warb sinngemäß der damalige Aufsichtsratschef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Platzeck hatte den 71-jährigen Ex-Air-Berlin und Ex-Bahn-Chef angeworben.

Ein Jahr später sind die Lobeshymnen verhallt - und niemand würde sie noch einmal anstimmen. "Es gibt nicht viel Positives, was nach dem Jahr übrig bleibt", sagt Martin Delius von der Piratenpartei, der dem Debakel um den neuen Flughafen als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus auf den Grund geht. "Er hat angefangen mit großen Ankündigungen und markigen Worten. Umgesetzt hat er davon bisher kaum etwas."

Tatsächlich sieht dieBilanz von Mehdorn ziemlich dürftig aus. Der neue Hauptstadtflughafen ist nach wie vor eine riesige Baustelle, auf der sich kaum etwas bewegt. Schuld sind aus Mehdorns Sicht immer die anderen: Die Aufsichtsräte, die Landesregierung von Brandenburg, die Bürokratie. Dabei ist die Liste seiner eigenen Versäumnisse lang:

  • Verlässliche Planung:

    Im Normalfall gehören ein valider Finanzplan und die Organisation der Abläufe zu der Arbeitsplatzbeschreibung eines Managers. Doch mit seinem Amtsantritt erhob Mehdorn diese selbstverständlichen Aufgaben zu einem wichtigen Etappenziel der ersten Monate seiner Amtszeit. Die Basis, die Technikgeschäftsführer Horst Amann geschaffen hatte, war ihm jedoch bald zu kleinteilig und zu kompliziert.

    Amtsführung nach Art eines Buchhalters war schließlich nichts für den Bauchmenschen Mehdorn. Ergebnis: Auch nach einem Jahr ist der Termin für die Eröffnung des Flughafens nicht einmal vage erkennbar. Inzwischen ist man schon froh, wenn die ersten Flugzeuge mit dem Wechsel zum Sommerflugplan 2016 von Schönefeld aus starten.

    Beim Thema Finanzen sieht es nicht viel besser aus. Offiziell ist immer noch von 4,6 Milliarden Euro die Rede. Mehr als eine Milliarde davon ist noch nicht abgerufen, weil derzeit auf der Baustelle kaum gearbeitet wird. Unabhängig vom Baufortschritt kostet die Flughafengesellschaft jeder Monat Verzögerung rund 35 Millionen Euro. Am Ende dürfte das Projekt weit mehr als fünf Milliarden Euro gekostet haben. Aber genau weiß das niemand.

  • Beschleunigungsprogramm Sprint:

    Mit großem Getöse hatte Mehdorn die desolate Mannschaft der Flughafengesellschaft wieder auf Trab bringen wollen. Im Terminal stellte er Schreibtische für einen Krisenstab auf und ließ Trinkbecher und Aktenordner und Stoffbeutel mit dem Schriftzug Sprint bekleben - auf dass nur ja niemand die ausgegebene Parole vergesse. Auf den täglichen Konferenzen stellte er die Bedenkenträger an den Pranger, Widerspruch war tabu.

    So manövrierte sich auch Technikchef Amann schnell ins Abseits. Mit seiner Liste von Baumängeln zog er den Zorn Mehdorns auf sich, weil sie zunächst schlicht als Bestandsaufnahme der Verhältnisse gedacht war. Mehdorn aber wollte Lösungsvorschläge. Amann wurde entmachtet. Ähnlich erging es auch Regina Töpfer. Die Chefplanerin hielt sich nur wenige Wochen auf ihrem Posten.

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