Dienstag, 25. Februar 2020

Media-Saturn-Anteilseigner verlangt Sitz im Kontrollgremium Kellerhals will Aufsichtsrat von Ceconomy aufmischen

Jürgen Kellerhals: Der Media-Saturn-Anteilseigner beansprucht einen Sitz im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns Ceconomy. Er will Freenet-Boss Christoph Vilanek ausstechen, weil er bei ihm einen handfesten Interessenkonflikt sieht
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Jürgen Kellerhals: Der Media-Saturn-Anteilseigner beansprucht einen Sitz im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns Ceconomy. Er will Freenet-Boss Christoph Vilanek ausstechen, weil er bei ihm einen handfesten Interessenkonflikt sieht

Eine Zeitlang schienen die Wogen etwas geglättet, doch jetzt kracht es wieder bei Ceconomy, dem Mutterkonzern von Media Markt und Saturn. Der Anteilseigner von Media Markt und Saturn, Jürgen Kellerhals, will gegen die Empfehlung des Kontrollgremiums verhindern, dass Freenet-Chef Christoph Vilanek im Aufsichtsrat bestätigt wird - und stellt sich deshalb über seine Holding Convergenta selbst zur Wahl.

Für die Hauptversammlung im Februar hat Convergenta einen entsprechenden Gegenantrag gestellt. Es bestehe die "begründete Gefahr, dass Freenet und Herr Vilanek ihre Position ausnutzen, um Freenet Vorteile zu verschaffen, die zu Lasten der übrigen Aktionäre der Ceconomy AG, der MSH und der Convergenta gehen könnten", schreibt Convergenta in einer Mitteilung. Mit anderen Worten: Kellerhals sieht in der Personalie Vilanek einen handfesten Interessenkonflikt.

Media Markt Saturn: Der Konflikt zwischen dem Großanteilseigner der Elektronikhäuser und der Mutter Ceconomy eskaliert wieder.
Armin Weigel/dpa
Media Markt Saturn: Der Konflikt zwischen dem Großanteilseigner der Elektronikhäuser und der Mutter Ceconomy eskaliert wieder.

Freenet war im Juni 2018 bei der Elektronikhandelsholding eingestiegen und hält jetzt einen Anteil von 9,1 Prozent. Der Verdacht von Kellerhals ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn in der Tat gelten die Ketten Saturn und Media Markt als wichtige Vertriebsschiene für die von Freenet vermittelten Mobilfunkverträge.

Freenet wollte sich dazu nicht äußern. Eine Ceconomy-Sprecherin sagte laut Reuters lediglich: "Jeder Aktionär hat das Recht, einen Wahlvorschlag abzugeben." Die Besetzung des Aufsichtsrats habe nichts mit der operativen Zusammenarbeit von Ceconomy und Convergenta zu tun. Vilanek war im vergangenen Mai per Gerichtsbeschluss in den Aufsichtsrat bestellt worden. Die Hauptversammlung soll ihn nach Vorstellung des Aufsichtsrates nun regulär als Mitglied wählen.


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Der Gesellschafterkonflikt sei aus Sicht zahlreicher Analysten ein belastender Faktor für den Aktienkurs der Ceconomy, heißt es in der Mitteilung weiter. Ein wesentlicher Grund für den Zwist sei, dass Ceconomy strategische Entscheidungen für Media Markt und Saturn treffe und die Convergenta dann damit konfrontiere. Dies führe dazu, dass "strategische Weichenstellungen nur verzögert […...] oder gar nicht umgesetzt werden können". Kellerhals solle in den Aufsichtsrat rücken, "um die Convergenta in den Austausch zur Strategie einzubinden."

Jürgen Kellerhals ist der Sohn von Erich Kellerhals, verstorbener Gründer von Media Markt und Saturn. Die Familie Kellerhals hält zwar nur einen zu vernachlässigenden Anteil an Ceconomy, aber immer noch rund 20 Prozent an der Tochter MediaSaturn Holding (MSH). Hier ist das Geschäft der Elektronikkaufhäuser Saturn und Media Markt zusammengefasst.

Der Konflikt zwischen der Familie und Ceconomy gärt schon lange. Der Ende 2017 verstorbene Erich Kellerhals hatte das Unternehmen in der Vergangenheit immer wieder vor Gericht gezerrt, weil ihm Entscheidungen des Managements nicht passten. Dass die Familie jetzt erneut die Konfrontation sucht, könnte darauf hindeuten, dass sich die Fronten wieder verhärten, nachdem es zwischenzeitlich Zeichen der Entspannung gegeben hatte. Andere Beobachter schließen auch nicht aus, dass Convergenta mit dem Vorstoß versucht, den Preis für einen möglichen Verkauf seiner Anteile an Ceconomy hochzutreiben.

rei

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