Mittwoch, 13. November 2019

Nach Beziehung am Arbeitsplatz Gefeuerter McDonald's-Chef bekommt Millionen-Abfindung

Steve Easterbrook: "Das war ein Fehler"
Richard Drew / AP
Steve Easterbrook: "Das war ein Fehler"

Steve Easterbrook, bisher Vorstandsvorsitzender der Schnellrestaurantkette McDonald's, wurde wegen einer Beziehung mit einer ihm dienstlich unterstellten Person entlassen - und bekommt offenbar eine Abfindung in Millionenhöhe.

Wie das "Wall Street Journal" am Montag berichtet, erhält Easterbrook seine Bezüge weiter für sechs Monate nach seinem Ausscheiden. Das habe McDonald's mit dem Ex-CEO vereinbart, der im Gegenzug zwei Jahre lang darauf verzichte, in der Fast-Food-Branche zu arbeiten. Easterbrook hatte im vergangenen Jahr 15,9 Millionen Dollar verdient, so das "WSJ". Die McDonald's-Aktie habe um 2 Prozent nachgegeben, nachdem der Konzern die Abgangs-Konditionen des Managers veröffentlicht habe, so die Zeitung weiter.

Mit der Beziehung habe Steve Easterbrook "schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt und gegen Vorschriften der Firma verstoßen, hatte McDonald's bereits am Sonntag die Entscheidung des Aufsichtsrats, den CEO zu entlassen, begründet.

Nachfolger an der Unternehmensspitze wird Chris Kempczinski sein, der bislang für das US-Geschäft mit seinen rund 14.000 Filialen zuständig war. Kempczinski arbeitet seit 2015 für McDonald's, zuvor war er beim Lebensmittelkonzern Kraft Foods tätig.

US-Medien zitierten aus einer E-Mail, die Easterbrook am Sonntag an seine Mitarbeiter geschickt hatte. "Das war ein Fehler", schrieb er demnach. "In Anbetracht der Werte des Unternehmens bin ich auch der Meinung des Aufsichtsrats, dass es für mich Zeit ist weiterzuziehen."

Börsenliebling hat zuletzt Schwung verloren

Die Beziehung, die zur Entlassung führte, wurde laut McDonald's von beiden Seiten gewünscht. Die Unternehmensmitteilung ließ keinen Schluss darauf zu, ob Easterbrook mit einem Mann oder einer Frau liiert war. Im englischen Sprachgebrauch ist das nicht ungewöhnlich.

Das Unternehmen mit weltweit rund 36.000 Schnellrestaurants hatte seine Investoren unter Easterbrooks Führung zuletzt eher enttäuscht. Im dritten Quartal war der Gewinn verglichen mit dem Vorjahreswert um zwei Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) gesunken. Der US-Absatz in etablierten Filialen legte mit einem Plus von 4,8 Prozent zwar zu, blieb aber unter den Prognosen der Analysten.

Die Aktie von McDonald's Börsen-Chart zeigen, die in den vergangenen drei Jahren zu den stärksten Aktien im Dow Jones Börsen-Chart zeigen gezählt und im September 2019 ein Rekordhoch von knapp 200 Dollar erreicht hatte, hat in den vergangenen zwei Monaten um rund 10 Prozent nachgegeben.

Affären mit Mitarbeitern haben in den USA schon mehrere Unternehmenschefs den Job gekostet. Im vergangenen Jahr etwa mussten deswegen der Chef von Intel, Brian Krzanich, und der Chef der Yoga-Modefirma Lululemon, Laurent Potdevin, zurücktreten. 2016 bedeutete eine Affäre das Aus für den Chef des Reiseportals Priceline, Darren Huston, 2012 musste BestBuy-Chef Brian Dunn den Spitzenposten abgeben.

la/dpa, afp

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