Dienstag, 2. Juni 2020

Wer 2020 wichtig wird Auf diese Aufseher sollten Sie 2020 achten

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Für uns beim manager magazin Anlass, einmal zu schauen, wer 2020 wichtig werden dürfte - oder sich im kommenden Jahr bewähren muss. Hier die Aufseher, auf die Sie 2020 achten sollten.

Unter Beschuss: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner
Kai Pfaffenbach / REUTERS
Unter Beschuss: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Paul Achleitner - Verkäufer in eigener Sache

Es hat inzwischen fast Tradition. Jedes Jahr im Frühjahr läuft Paul Achleitner in einer Disziplin zur Höchstform auf, die ihm in früheren Jahren als Deutschland-Chef von Goldman Sachs den Ruf eines begnadeten Verkäufers einbrachte. Der Mann kann argumentieren und beschwichtigen, charmieren, moderieren und so lange reden, bis er die Stimmung zu seinen Gunsten dreht.

Als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank muss Achleitner seit Jahren vor jeder Hauptversammlung des Finanzkonzerns zum Verkäufer in eigener Sache werden, um die Attacken der Großinvestoren abzuwehren. Diese - darunter der US-Finanzinvestor Cerberus und das Emirat Katar - drängen inzwischen stärker denn je auf seine vorzeitige Ablösung. Sie sind es leid, dass er Probleme zu lange weggeredet, sich gegen einen radikalen Umbau der Bank gesperrt und im Zweifelsfall den Vorstandschef ausgetauscht hat, statt sein eigenes Vorgehen in Frage zu stellen.

Mit Christian Sewing an der Bankspitze hat er jetzt jemanden installiert, der einen grundsätzlichen Befreiungsschlag versucht. Doch nach durchwachsenen Quartalszahlen und umstrittenen Personalentscheidungen wachsen die Zweifel, ob der tatsächlich gelingen kann.

Unter den Großinvestoren ist allerdings klar: Achleitner hat seinen Goodwill aufgebraucht. Es braucht einen neuen Aufsichtsratschef. Ob der Wechsel gelingt, hängt allerdings vor allem davon ab: Ob die Aktionäre einen Nachfolger finden, der eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt. So müsste er sich mit der Führung eines Finanzkonzerns auskennen und mit den Problemen der Bank. Er müsste die Hauptversammlung auf Deutsch leiten können und die Finanzaufseher überzeugen.

Noch ist keiner in Sicht - und Achleitner entschlossen zu kämpfen.

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