Donnerstag, 20. Juni 2019

"Pharma Bro" Martin Shkreli Seine Freunde nennen ihn "A*******h" - so lebt ein Ex-Topmanager im Gefängnis

Martin Shkreli (rechts) mit seinem Anwalt Benjamin Brafman (Archivaufnahme, Juni 2017)

Als Chef eines Pharma-Unternehmens hatte Martin Shkreli zeitweise als "Amerikas meistgehasster Manager" gegolten. Seit seiner Verurteilung wegen Anlagebetrugs war es ruhiger um den Mann geworden, der 2015 den Preis eines wichtigen HIV-Medikaments von 13,50 Dollar auf 750 Dollar pro Tablette angehoben hatte. Ein Bericht des "Wall Street Journal" (kostenpflichtig) erlaubt nun einen - in Teilen schrägen - Blick auf das Leben des Ex-Managers hinter Gittern.

Shkreli schlafe in einer Zwölf-Mann-Zelle, schreibt die Zeitung, schneide sich selbst die Haare und versuche, über medizinische Forschung auf dem Laufenden zu bleiben. Der Ex-Manager habe sich mit anderen Häftlingen angefreundet - "manche von ihnen nennen ihn liebevoll 'Arschloch'." "Krispy", "D-Block" und andere fungierten dabei nicht nur als Bodyguards, sondern hätten ihn auch in die Dos and Don'ts des Lebens in der Haftanstalt eingeführt: Von einem Engagement als Gitarrist in einer Gefängnisband hätten sie Shkreli abgeraten, weil die anderen Mitglieder wegen des Missbrauchs von Kindern verurteilt worden seien.

Seine Zeit vertreibe sich der Ex-Manager stattdessen mit den Katzen des Gefängnisses - und mit körperlichem Training: Der "beständig zart gebaute" Shkreli schaffe mittlerweile 15 Liegestütze am Stück.

Der Plan: 3,7 Milliarden Dollar bis 2023

Auch wenn Shkreli schon in Haft sitzt, droht ihm laut "WSJ" immer noch eine Ermittlung durch das FBI. Mit einem hereingeschmuggelten Handy übe er immer noch Einfluss auf Phoenixus (vormals Turing Pharmaceuticals) aus, den Pharmahersteller, als dessen Chef er es einst zum "meistgehassten Mann" der USA gebracht hatte. Die FBI-Ermittler hätten wegen seiner Rolle dort bereits mit Phoenixus-Mitarbeitern gesprochen, schreibt das "WSJ", die Behörde habe dies nicht kommentieren wollen. Shkrelis Plan mit Phoenixus: zum Ende seiner Haftzeit reicher sein als zu ihrem Anfang.


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Bis 2023, so Shkrelis Rechnung, könne das Unternehmen 3,7 Milliarden Dollar wert sein, wenn es bis dahin weiter Arzneien gegen seltene Krankheiten aufkaufe und viel Geld in Forschung und Entwicklung investiere.

Sein Einfluss sei anderen Phoenixus-Aktionären allerdings ein Dorn im Auge. Das Investment sei ein "absolutes Desaster", zitiert die Zeitung eine österreichische Innenarchitektin, die Millionen in den Pharmahersteller gesteckt habe. "Wir bekommen keine Informationen und wissen nicht, ob wir den Dingen, die sie dann doch aussenden, überhaupt trauen können." Ein Board-Mitglied von Phoenixus sagte derweil, Shkreli werde "wie jeder andere Shareholder" behandelt.

Gegen diese Aussage spricht laut "WSJ", dass Shkreli Ende vergangenen Jahres von seiner Zelle in Fort Dix aus den Abgang von Phoenixus-CEO Kevin Mulleady orchestriert habe. Während er gegenüber Mithäftlingen großzügig auftrete und etwa Pokerschulden begleiche, habe ihn Mulleadys Forderung nach einer siebenstelligen Lohnerhöhung erzürnt.

Für das "Wall Street Journal" ist allerdings unklar, wie lange Shkrely seinen - von Phoenixus dementierten - Einfluss auf das Unternehmen noch aufrecht erhalten kann. Der Verurteilte müsse laut Einigung mit den Behörden mindestens 7,6 Millionen Dollar Strafe zahlen; laut Gerichtsdokumenten besitze er allerdings nur noch etwa 5 Millionen Dollar Cash.

luk

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