Mittwoch, 24. Juli 2019

Umfrage Ein Drittel der Deutschen hält Wirtschaftsbosse für korrupt

Blick auf Frankfurter Bankenviertel
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Blick auf Frankfurter Bankenviertel

Deutschlands Manager haben bei den Bürgern einen katastrophalen Ruf. Laut einer Umfrage hält jeder Dritte die meisten Führungskräfte für korrupt. So schlecht denkt kein anderes EU-Land über seine Wirtschaftselite.

Deutschlands Wirtschaftsbosse kommen bei der normalen Bevölkerung sehr schlecht weg. Laut einer Umfrage von Transparency International gaben 33 Prozent der befragten Menschen in Deutschland an, dass alle oder die meisten Führungskräfte der Wirtschaft in Korruption verstrickt seien. Das ist der höchste Wert aller EU-Länder.

Nur in einigen Ländern Osteuropas und Zentralasiens war ein noch größerer Anteil der Befragten dieser Meinung. An der Spitze steht dabei Moldawien, wo 61 Prozent der Menschen die Wirtschaftselite für korrupt halten. In Russland dagegen sind es laut der Umfrage nur 26 Prozent - also weniger als in Deutschland. Transparency International hat für sein Korruptionsbarometer repräsentative Umfragen in 42 Ländern Europas und Zentralasiens durchführen lassen. Dazu wurden insgesamt fast 60.000 Menschen dazu befragt, wie sie die Korruption in ihrem jeweiligen Land wahrnehmen. In Deutschland waren es 1500 Befragte. (Hier finden Sie den ausführlichen Bericht als PDF in Englisch.)

Während die Deutschen den Managern misstrauen, stufen sie Politik, Verwaltung und Staatsmacht weitestgehend als sauber ein. So sind laut Umfrage nur sechs Prozent der Befragten der Meinung, dass die meisten Parlamentsmitglieder oder Regierungsbeamten korrupt seien. Bei Justiz und Polizei liegen die Werte mit vier Prozent noch niedriger. Insgesamt ist Deutschland damit das am wenigsten korrupte Land in der Studie.

In osteuropäischen Ländern wie Moldawien, Slowenien, dem Kosovo oder der Ukraine hingegen sieht eine Mehrheit der Bevölkerung Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft als großes Problem. Auch in Spanien und Portugal gab jeweils mehr als die Hälfte der Befragten an, dass Korruption zu den drei größten Problemen ihres Ländes zähle.

27 Prozent der Russen mussten Bestechungsgelder zahlen

In etlichen Ländern gelten gerade Parlamentsmitglieder und Regierungsbeamte als besonders anfällig. In Moldawien etwa halten laut Umfrage drei von vier Bürgern die meisten Abgeordneten für korrupt. In der Ukraine sind es 64 Prozent.

In der Bundesrepublik dagegen konzentriert sich das Misstrauen auf die Wirtschafts- und Geldelite. 77 Prozent der Befragten in Deutschland waren der Meinung, dass die Reichen zu viel Einfluss haben - ein Spitzenwert unter den 42 Ländern, der nur in Portugal und Spanien übertroffen wird.

Aufschlussreich ist auch, wie viele der Befragten angaben, dass sie oder andere Mitglieder ihres Haushaltes in den vergangenen zwölf Monaten Bestechungsgelder an Mitarbeiter von Behörden zahlen mussten. In Russland waren das immerhin 27 Prozent. Fragt man nur jene Bürger, die überhaupt Kontakt zu den Behörden hatten, waren es sogar 34 Prozent. In Deutschland dagegen lagen die Vergleichswerte gerade mal bei 2 beziehungsweise 3 Prozent - ähnlich wie in den meisten westeuropäischen Ländern.

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