Mittwoch, 23. Oktober 2019

Mögliches Schneeballsystem Die fragwürdigen Geldströme im Container-Reich von Magellan

Container im Hafen Hamburg: Investoren von Magellan hatten kein Glück mit dem Investment

3. Teil: Insolvenzverwalter schließt Schneeballsystem nicht aus

Das heißt im Klartext: Ein Teil der Ausschüttungen an die Magellan-Kunden ist offenbar regelmäßig nicht mit der Vermietung der Container erwirtschaftet worden. Vielmehr betritt das Unternehmen - ohne dies transparent zu machen - offensichtlich systematisch Auszahlungen auch aus jenen Geldern, die Investoren für den Kauf der Container an Magellan überwiesen hatten.

Carsten Jans, der bis zur Insolvenz die Geschäfte von Magellan geführt hat, beantwortete eine Anfrage von manager magazin online zu dem Thema nicht. Insolvenzverwalter Borchardt hatte das CMS-Gutachten wochenlang unter Verschluss gehalten, nicht einmal mit dem Fall befasst Anlegeranwälte bekamen Einsicht. Zudem hatte Borchardt auf eine Anfrage zu einem möglichen Schneeballsystem bei Magellan noch Anfang September abwiegelnd reagiert.

Aktuell mit der Passage aus dem CMS-Gutachten konfrontiert, klingt Borchardts Einschätzung dagegen deutlich weniger entschieden. Magellan habe die Lücke zwischen eingehenden und versprochenen Mieten über die Marge aus der Veräußerung der Container an die Investoren sowie aus sonstigen Überschüssen finanziert, bestätigt er. Ein Vorgehen, so der Jurist, dass in einem Insolvenzverfahren unzulässig wäre, da es einzelne Gläubigergruppen gegenüber anderen bevorteile.

Anlegerschutzgesetz bringt Magellan zu Fall

Vor allem aber prüft Borchardt eigenen Angaben zufolge gegenwärtig noch, ob Mietforderungen der Investoren möglicherweise zumindest teilweise aus Neugeschäft beglichen wurden. Sprich: Noch schließt auch der Insolvenzverwalter nicht aus, dass es sich bei Magellan um ein Schneeballsystem gehandelt haben könnte.

Kein Wunder, denn an anderer Stelle gibt Borchardt selbst noch einen deutlichen Hinweis in diese Richtung. In dem Eröffnungsgutachten zum Insolvenzverfahren, das der Jurist verfasst hat, und das manager magazin online ebenfalls vorliegt, äußert er sich auch zu den Gründen, die zur Magellan-Pleite geführt haben. Dort stellt Borchardt unter anderem einen Zusammenhang her zwischen dem Kleinanlegerschutzgesetz, das 2015 in Kraft trat und inzwischen auch für Container-Investments gilt, und der Magellan-Pleite.

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