Mittwoch, 16. Oktober 2019

Mögliches Schneeballsystem Die fragwürdigen Geldströme im Container-Reich von Magellan

Container im Hafen Hamburg: Investoren von Magellan hatten kein Glück mit dem Investment

2. Teil: Klartext in einem vertraulichen Papier

Das lässt aufhorchen. Sollte Magellan seinen Kunden tatsächlich Auszahlungen versprochen haben, die nicht durch die entsprechenden Einnahmen gedeckt waren? War das Unternehmen dauerhaft auf weitere Erträge angewiesen, um seine Verpflichtungen gegenüber den Investoren erfüllen zu können? Musste Magellan zu dem Zweck vielleicht sogar auf die Gelder neuer Anleger zurückgreifen?

Spätestens, wenn letzteres der Fall wäre, wäre der Tatbestand des sogenannten Schneeballsystems wohl erfüllt. Dabei handelt es sich um eine Form des Kapitalanlagebetrugs, bei dem bestehende Investoren ihre Ausschüttungen aus den Einzahlungen neuer Investoren erhalten. Das kann langfristig nur funktionieren, wenn immer mehr neue Anleger gewonnen werden, was in der Realität auf Dauer allerdings kaum möglich ist.

Das Schreiben von Insolvenzverwalter Borchardt deutet nun also zumindest in diese Richtung. Einen Hinweis auf die Schieflage zwischen Einnahmen und Ausgaben bei Magellan hatte Borchardt zudem bereits in einem anderen Schreiben an die Anleger im August gegeben. Darin hieß es ebenfalls, dass die Containermieten, die gegenüber den Reedereien abgerechnet werden, "deutlich unter den Garantiezahlungen liegen", die den Investoren von Magellan zugesagt worden waren.

Kaufpreis enthält Mietanteil

Damit ist der Verdacht also in der Welt - und erhärtet wird er durch zwei weitere Dokumente, die manager magazin online vorliegen, und die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind. Zum einen handelt es sich dabei um ein Gutachten, das die Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle für Insolvenzverwalter Borchardt erstellt hat. Gegenstand des Gutachtens ist die Frage, wie die Mietzahlungen im Falle Magellan rechtlich einzuordnen sind, und inwiefern die Anleger direkten Anspruch darauf haben.

Im Rahmen der juristischen Ausarbeitung hat CMS Hasche Sigle aber offenbar auch das Geschäftsmodell von Magellan unter die Lupe genommen - und ist dabei zu einem bemerkenswerten Ergebnis gekommen.

So schreiben die Juristen: Der den Investoren zugesagte Tagesmietsatz liege "typischerweise oberhalb der von den Reedereien an Magellan bezahlten Miete". Und besonders pikant: "Die Differenz zum vereinbarten Tagesmietsatz gleicht Magellan über den von den Investoren gezahlten Kaufpreis aus."

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