Donnerstag, 5. Dezember 2019

Große Schlichtung geplatzt Lufthansa kommt Flugbegleitern entgegen - Gewerkschaft reagiert zurückhaltend

Streik der Flugbegleiter: Die Lufthansa verzichtet auf die Friedenspflicht bei den Tochter-Fluggesellschaften und kommt der Gewerkschaft Ufo damit entgegen
Matthias Balk / DPA
Streik der Flugbegleiter: Die Lufthansa verzichtet auf die Friedenspflicht bei den Tochter-Fluggesellschaften und kommt der Gewerkschaft Ufo damit entgegen

Die Lufthansa geht im festgefahrenen Tarifkonflikt einen Schritt auf die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zu. Die Fluggesellschaft teilte am Donnerstag in Frankfurt mit, sie biete der Gewerkschaft an, "auch ohne verbindliche Friedenspflicht bei den Tochter-Fluggesellschaften Eurowings, Germanwings und CityLine den umfassenden Schlichtungsprozess zu beginnen". So solle der Einstieg in eine große Schlichtung mit Ufo ermöglicht werden.

"Lufthansa setzt weiter alles daran, eine "große" Schlichtung mit Ufo für die Kernmarke zu vereinbaren, um die drängenden Probleme der Kabinenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu lösen", heißt es in der Lufthansa-Mitteilung. In diesem Zusammenhang werde auch ein Moderationsprozess bei der Tochter Germanwings angestrebt, "in dem alle offenen Tariffragen besprochen werden können".

Die Gewerkschaft reagierte zurückhaltend auf das Angebot. Das öffentliche Angebot einer umfassenden Schlichtung bei der Kerngesellschaft Lufthansa biete für die Gewerkschaft keine ausreichende Rechtssicherheit und verschweige relevante Fallstricke, erklärte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen vor, die Verhandlungen zu einer Schlichtungsvereinbarung in den vergangenen beiden Tagen nicht ernsthaft geführt zu haben.

Die Gewerkschaft, die rund 30.000 Flugbegleiter vertritt, kündigte aber keine neuen Streiks bei Lufthansa oder ihren Töchtern an. Stattdessen setze man auf die benannten Schlichter Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise, um doch noch zu einer Lösung zu kommen.

Weise und Platzeck sollen im Arbeitskampf schlichten

Platzeck und Weise sind bislang für die so genannte "kleine Schlichtung" berufen, die sich nur um die wenigen Themen dreht, für die Ufo ihre Mitglieder zum Streik aufgerufen hat. Konkret sind das Spesen und Zulagen sowie eine Regelung für Saisonkräfte, damit diese einfacher in reguläre Angestelltenverhältnisse wechseln können. Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer Themen, die in einer "großen Schlichtung" besprochen werden könnten. Für die Tochterfirmen mit deutschem Tarifrecht könnte es einen zusätzlichen Moderationsprozess geben.

In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren vor gut zwei Wochen rund 1500 Flüge mit rund 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

In der vergangenen Woche hatte die Lufthansa dann eine bereits vereinbarte Schlichtung kurzfristig wieder abgesagt, weil Ufo keine uneingeschränkte Friedenspflicht bei den Töchtern Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und SunExpress Deutschland zusagen wollte. Der Ufo-Vorstand hatte daraufhin mit neuen Streiks in der Vorweihnachtszeit gedroht und dem Unternehmen eine Frist bis heute gesetzt.

Als Signal der Deeskalation hatte die Lufthansa dann eine Klage vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht zurückgenommen, mit der die Tariffähigkeit der Ufo überprüft werden sollte. Daraufhin haben das Unternehmen und die Gewerkschaft am Montag dieser Woche ihre Gespräche dann wieder aufgenommen. Am Dienstag benannten Lufthansa und Ufo dann die zwei prominenten Vermittler für die Schlichtung.

mg/dpa-afx

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